Kunst und Kultur um den Wiener Hbf.

Kunst und Kultur...

...rund um den Wiener Hauptbahnhof
Text: Jasmin Kreulitsch

Spaziergänge zum Staunen: Im nahen Umkreis des Wiener Hauptbahnhofes entdeckt man beim Aus- oder Umsteigen eine bunte Vielfalt von Kunst und Kultur. Man findet Geldscheine auf Hausfassaden, das älteste staatliche Museum Wiens und sogar den "Kuss" von Gustav Klimt. Wer mal etwas länger auf seinen Zug warten muss, kann die Zeit nutzen und sich auf zum Belvedere machen.

Kunstprojekt am Erste Campus

Keine Frage: Es klingt ein wenig verrückt, dich nach deiner Ankunft am Wiener Hauptbahnhof zum neuen Headquarter der Erste Group zu schicken. Du sollst hier aber kein Konto eröffnen, sondern Kunst entdecken. Man würde nicht glauben, dass das ausgerechnet hier möglich ist, aber die Architekten wollten mehr als nur eine moderne Konzernzentrale schaffen.

Insgesamt zehn Künstler und Künstlerinnen haben in und um das Gelände ihre Werke realisiert. Manche von ihnen kann man nicht sehen, weil sie sich in den Gebäuden befinden, manche von ihnen entdeckt man außen. Besonders spannend ist das Kunstprojekt von Marcus Geiger am Wiedner Gürtel 2 bis 10: Die Fassaden der Häuser wurden in den Farben der sieben Euro-Banknoten gestrichen.

Stehst du davor, staunst du über eine optische Täuschung, die du aus der Ferne nicht wahrgenommen hast: Der Künstler hat die Grenzen der Häuser ignoriert und die Farben nicht akkurat auf die einzelnen Gebäude aufgetragen; die Farben starten und enden mitten an den Wänden. Das schönste Foto des Kunstprojekts machst du gegenüber, wenn sich die Häuserfront in der Glasfassade des Campus spiegelt.

Kunstprojekt am Erste Campus
  • Am Belvedere 1, 1100 Wien
  • Entfernung: 550 m vom Hbf, Ausgang Wiedner Gürtel
  • Eintritt frei
  • Erste Campus
Schloss Belvedere im Sommer
  • Prinz Eugen-Straße 27, 1030 Wien
  • Entfernung: 700 m vom Hbf, Ausgang Wiedner Gürtel
  • Eintritt € 15,-
  • Belvedere

Österreichische Kunstgeschichte im Oberen Belvedere

Das Belvedere ist nach einer langen Bahnfahrt der ideale Ort, um sich die Beine zu vertreten. Vom Hauptbahnhof erreichst du nach wenigen Minuten das Obere Belvedere und den Eingang zum Schlossgarten. Dort siehst du schon das malerische Schloss und den Teich davor. Der ist übrigens ein sogenannter Spiegelungsteich, der die Fassade spiegelt und optisch verdoppelt.

Sobald du die ersten Schritte durch den Belvedere-Garten gehst, hast du das Gefühl, eine Zeitreise zu machen: Überall spürst du Geschichte. Kein Wunder, schließlich ließ Prinz Eugen von Savoyen die Schlossanlage ab 1714 errichten. Er selbst lebte im Unteren Belvedere, während das Obere Belvedere für repräsentative Zwecke gebaut wurde.

Beim Betreten des imposanten Gebäudes hast du das Gefühl, am Weltruhm von einst teilzuhaben: Immerhin wurde hier am 15. Mai 1955 der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Heute entdeckst du im Schloss die bedeutendste Sammlung österreichischer Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart, aber auch Werke von internationalen Künstlern wie Claude Monet, Vincent van Gogh oder Max Beckmann. Das Highlight ist die weltweit größte Gustav Klimt-Gemäldesammlung. Stehst du vor dem berühmten "Kuss", ist Gänsehaut garantiert.

Moderne Kunst im Belvedere 21

Obwohl Wien berühmt ist für seine Kunstgeschichte, gibt es auch Modernes zu entdecken - und das fußläufig erreichbar von der neuen BahnhofsCity. Wenn du fünf Minuten in Richtung Arsenal spazierst, stößt du auf eines der architektonisch wichtigsten Gebäude der Nachkriegszeit: das Belvedere 21. Ursprünglich als Österreich-Pavillon für die Weltausstellung 1958 geplant, wurde der Bau danach für museale Zwecke adaptiert, im Schweizer Garten wieder aufgebaut und im September 1962 als Museum des 20. Jahrhunderts eröffnet.

Heute ist das Belvedere 21 ein wichtiger Ort für moderne und zeitgenössische Kunst. Hier kannst du dich über das Kunstschaffen der letzten 70 Jahre in Österreich schlau machen. Der Kunst wird hier im wahrsten Sinne des Wortes viel Raum gelassen. Die Objekte sind in weiten, hellen Räumen großzügig inszeniert. Es bleibt stets genug Platz, damit sie auch richtig wirken können. So kannst du deine Gedanken fliegen lassen, während du über die Kunstwerke nachdenkst.

Kunstaustellung im Belvedere21
  • Arsenalstraße 1, 1030 Wien
  • Entfernung: 600 m vom Hbf, Ausgang Canettistraße
  • Eintritt € 7,-
  • Belvedere 21
Heeresgeschichtliches Museum

Spaziergang durchs Arsenal und das Heeresgeschichtliche Museum

Architektur-Fans, die am Wiener Hauptbahnhof ankommen, sollten zum Wiener Arsenal schlendern. In zehn Minuten erreichst du den ehemals militärischen Gebäudekomplex, der aus 31 Backsteinbauten besteht. Schon auf dem Weg erkennst du die Schönheit der Anlage. Je näher du kommst, desto charmanter wirken die roten Backsteinziegel und die verspielten Türmchen an den Dächern.

In Auftrag gegeben hat den Komplex einst Franz Joseph der Erste, der nach der Märzrevolution 1848 statt einer Stadtmauer lieber eine Kaserne haben wollte. Beim Gang durch das Areal musst du dir immer wieder die vielen Backsteine anschauen. Kannst du dir vorstellen, dass der gesamte Komplex aus unglaublichen 177 Millionen Ziegeln errichtet wurde?

Mehr über die Geschichte erfährst du im "Heeresgeschichtliche Museum", das direkt am Eingang untergebracht ist und das älteste staatliche Museum in Wien ist. Heute ist das Arsenal nicht nur ein Wohngebiet und Museumsstandort. Auf dem Gelände sind auch die Dekorationsstätten des Burgtheaters und das Technologiezentrum der Telekom Austria - inklusive dem 150 Meter hohen Funkturm - untergebracht. Der "Arsenalturm", wie er von den Wienern genannt wird, ist das fünfthöchste Gebäude der Stadt. Das Betriebsgeschoß ganz oben ist leider für Besucher verschlossen, dabei passiert hier das nächste Kunststück in Hauptbahnhof-Nähe: Rund 600 Millionen Mails im Ausmaß von 50 Terabyte werden jeden Monat verwaltet. Aber das ist eine andere Geschichte - für den nächsten Spaziergang von der Bahnhofs-City zu den spannendsten Orten Wiens. Und wer unvergessliche Ausblicke erleben will, ohne sich groß zu bewegen, der wird ebenfalls bei uns fündig

Fotos: Jasmin Kreulitsch