Oh, behave

Fairplay in der Ferienzeit
Text: Janina Lebisczak

Der "Butterfly-Effekt": Was steckt eigentlich hinter der Legende eines Schmetterlings, der mit seinem Flügelschlag über Brasilien einen Tornado in Texas auslöst?

Nun, eine Wirkungskette von solch globalem Ausmaß lässt sich natürlich niemals belegen. Aber der Grundgedanke "kleine Ursache, große Wirkung" stimmt und steht auf einem naturwissenschaftlichen Fundament. Verknappt: Ändern sich die Anfangsbedingungen, ändert sich alles. Für jeden von uns. Auch für 261 Mio. Fahrgäste auf der Schiene. Denn die sitzen alle gemeinsam in einem Boot, pardon: Einer Bahn.

So klappt die stressfreie und pünktliche Abreise ins Urlaubsparadies.

Die ÖBB sorgen als Österreichs größter Mobilitätsdienstleister täglich dafür dass rund 1,3 Millionen Fahrgäste sicher mit Bahn und Bus an ihr Ziel kommen. Plus: Die ÖBB gehörten 2018 mit rund 96% Pünktlichkeit zu den verlässlichsten Bahnen Europas.

Und die restlichen vier Prozent? Sorgen verständlicherweise für jede Menge Troubles. Termine können nicht eingehalten, Anschlussverbindungen nicht erreicht werden.

Und sogar der Urlaub - und damit die schönste Zeit des Jahres - beginnt manchmal aufgrund von Zugverspätungen bereits mit Stress und Wuttränen.Um eine reibungslose Reise zu ermöglichen, ist es ratsam neben Sonnenöl, Strandlektüre und Badesachen auch etwas Respekt und Rücksichtnahme mit an Bord zu nehmen. Denn nicht nur betriebliche Störungen und höhere Gewalt, auch das Verhalten jedes einzelnen Fahrgasts hat Einfluss auf den Komfort im Zug und die pünktliche Abreise ins Ferienparadies.

Das menschliche Sozialverhalten auf Reise - erkennt ihr euch wieder?

Mit unserer Urlaubszeit-Checklist findet ihr heraus welcher Reisetyp ihr seid  - und auch, wie ihr es euch und euren Mitmenschen leichter macht, entspannt und zeitgerecht ans Ziel zu kommen.

Der Fisch

Wie bewegen sich Menschen in Gruppen: Forscher am Berliner Leibnitz-Institut haben erstaunliche Parallelen zwischen Fisch- und Menschenschwärmen entdeckt. Menschen kopieren Verhaltensweisen in der Gruppe, sie folgen dem Schwarm blind.

Dieses Phänomen können wir auch an Land sehr gut beobachten, nämlich wenn fast alle Passagiere meinen, diese eine - und wirklich nur diese eine - Zugtüre würde sich zum Einsteigen eignen. Alle anderen Zugtüren scheinen von einem unsichtbaren Fluch belegt zu sein. Dieser Massenansturm führt nicht nur zu einer verspäteten Abreise, sondern auch zum unliebsamen und manchmal sogar schmerzvollen Kontakt mit den Händen, Ellbogen und Gepäckstücken der Anderen.

ÖBB Urlaubstipp

Pfeift auf die zweifelhafte Schwarmintelligenz und steigt entspannter ein. Zur Orientierung nutzt am besten den Wagenreihungsanzeiger am Bahnsteig. So habt ihr schon vor Reisebeginn das große Ganze im Blick: Wo befindet sich mein Wagen? Wo ist die erste und zweite Klasse, wo der Speisewagen, wo das Abteil für die Fahrräder oder die Ruhezone? Da spart Zeit und Nerven.

Ein Fischschwarm unter Wasser
Kleines Kind mit leckt an großem Lutscher

Der Drängler / Die Dränglerin

Unser gesellschaftliches Miteinander folgt gewissen Normen. Da geht’s jetzt weniger um große Etikette, sondern darum, dass wirklich jeder von diesen ungeschriebenen Gesetzen profitiert. Das Praktische dabei: sie erschließen sich mit dem reinen Menschenverstand.

Wer auf der Rolltreppe links steht oder sich beim morgendlichen Ansturm auf den Bäcker vordrängt, ist kein Revoluzzer, sondern hat im Kindergarten einfach nicht aufgepasst. Dort bekommt man übrigens bereits eine wichtige Life Lesson: Zuerst lässt man die Leute aussteigen. Erst wenn alle ausgestiegen sind, wird mit dem Einsteigen begonnen. Nacheinander und ohne Geschubse. Ist ja mehr Platz drinnen, wenn mehr Menschen draußen sind, oder? Bravo und jetzt bekommen alle einen Lolli.

ÖBB Urlaubstipp

Nehmt Dränglern den Wind aus den Segeln indem ihr sie höflich auf ihr Verhalten aufmerksam macht. Vielleicht haben diese ja bloß tausend andere Dinge im Kopf und deshalb spontan auf ihre Kinderstube vergessen. Ein kurzer Reality-Check hilft um wieder auf den Boden der Tatsachen zu gelangen.

Der Blockierer / Die Blockiererin

Egal ob Frischluft-Fanatiker oder Fan des blauen Dunstes: Der Blockierer drängt sich beim Einfahren in die Station unaufhaltsam in die Pole-Position, um schnell eine Zigarette bei einem Aufenthalt zu rauchen, Luft zu schnappen oder um ein Selfie zu machen - und blockiert damit den Ausstieg für die anderen Fahrgäste oder verursacht sogar Türstörungen.

Das Resultat: Die Abfahrt des Zuges verzögert sich. Das führt zu Verspätungen und jeder Menge Ärger.

ÖBB Urlaubstipp

Wer Lust auf Zigarette hat, muss durchbeißen: In den heimischen Zügen hat es sich schon lange ausgequalmt. Aber wie heißt es so schön: Die Zigarette danach macht immer noch am meisten Spaß.

Nahaufnahmer einer Hand mit Zigarette zwischen den Fingern
Mann schleppt Koffer und Taschen auf seinem Rücken

Der Dienstmann

Wer mit viel Gepäck vereist, ist wahrscheinlich einfach mit riesigem Anhang unterwegs und damit so etwas wie ein moderner Dienstmann (wer den ehrenwerten Beruf nicht mehr kennt, schaut am besten den Film mit Hans Moser) - oder sehr, sehr mode-affin.

Problematisch wird es nur, wenn die vielen Taschen, Koffer und Trolleys den Gang blockieren und man so in einen Gänsemarsch des Grauens gezwängt wird während am Bahnsteig ungeduldig auf den Einstieg gewartet wird.

ÖBB Urlaubstipp

Wir holen euer Gepäck vor der Abreise ab und bringen es direkt ans Reiseziel. Eure Koffer, Taschen, Rucksäcke oder Fahrräder erwarten euch dann bereits vor Ort, wenn ihr dort eintrefft.

Der / Die Überraschte

Unglaublich, aber so steht es geschrieben: Ihr seid nicht die einzigen, die im Sommer mit dem Zug verreisen. Im Gegenteil. Da kann es schon mal zu einer adrenalingeladenen Suche nach einem Sitzplatz kommen.

Warum? Unserem Angebot sind natürliche Grenzen gesetzt: So darf kein Zug länger sein als der kürzeste Bahnsteig, um sicheres Ein- und Aussteigen zu gewährleisten. Damit sich Reise also möglichst gestaltet, kommt es also auf den richtigen Zeitpunkt an.

Wer nicht unnötig lange nach einem Plätzchen fahnden will, sollte stark frequentierte Züge meiden, etwa am Freitag- oder Sonntagnachmittag. Solche Züge sind übrigens in der Fahrplanauskunft SCOTTY mit einem eigenen Hinweis versehen.

ÖBB Urlaubstipp

Scotty says Obacht? Spätestens dann, sollte man einen Euro investieren. Für alle InhaberInnen einer ÖBB Vorteilscard gibt es nämlich ein besonderes Zuckerl: Ihr könnt euren Sitzplatz bei Buchung online oder mobile im ÖBB Konto um nur € 1,- reservieren. Ohne Vorteilscard kostet es € 3,-.

Paar blickt erschreckt auf Smartphone

Fazit

Mit ein wenig Achtsamkeit steht einem sorgenfreien Verreisen mit dem Zug nichts mehr im Wege. Wir hoffen, ihr habt unser Passagier-Psychogramm mit demselben Augenzwinkern gelesen, mit dem es verfasst wurde. Denn eines sollte man bei der Reise ins Urlaubsparadies nie zuhause vergessen: Den Humor und die Bereitschaft nicht alles im Leben bierernst zu nehmen. Wir wünschen euch einen wundervollen Urlaub - on time und ohne unnötigen Ärger. Immerhin sitzen wir ja alle im selben Zug.

Fotos: stock.adobe.com