Eisenbahnerwirt vom Feinsten

Eisenbahnerwirt vom Feinsten

Wer so richtig in Wien ankommen möchte, sollte sich das grandiose Wirtshaus Ringsmuth beim Südeingang des Hauptbahnhofs nicht entgehen lassen.

Natürlich hat der neue Hauptbahnhof der Bundeshauptstadt reichlich Gastronomie zu bieten, die auch anspruchsvolle Gaumen erfreuen kann. Wer nach der Ankunft (oder auch vor der Abfahrt) aber klassische Wiener Küche erleben will, der muss sich vor den Südeingang und über die Straße bemühen.

Dort wartet er aber auch schon: der Ringsmuth, ein Wiener Gasthaus und Restaurant, wie man es sich besser kaum vorstellen kann. Patron René Ringsmuth hat viereinhalb Jahre Steirereck in den Knochen, ein Trumpf, den er in der Küche souverän auszuspielen versteht. Das Haus war einst ein klassischer Eisenbahnerwirt, bevor Ringsmuth es vor zehn Jahren übernommen und grundlegend modernisiert hat. Für die schöne Jahreszeit wurde außerdem ein schattiger Gastgarten im Hof angelegt. So sitzt man exakt vis-à-vis vom brodelnden Hauptverkehrsknotenpunkt der Hauptstadt und darf sich doch der Hektik entrückt fühlen.

Die Klassiker der Wiener Küche werden mit Hingabe gepflegt, das Gulasch aus der Wade etwa ist zu Recht legendär. Wiener Schnitzel kommt, wie es sich in der Vorstadt gehört, sowohl vom Kalb als auch vom Schwein und wird sorgsam in der Pfanne gebacken.

Basic Infos

  • Der Ringsmuth
  • Johanniterg. 1, 1100 Wien
  • +43 (0)1 603 18 35
  • Dienstag - Samstag von 10:30 - 23:00 Uhr; Sonn- & Feiertag 10:30 - 15:00 Uhr
  • Hauptspeisen € 8,90 - 22,90
  • der-ringsmuth.at

Werktags gibt es ein Mittags­menü in zwei Gängen, das nicht nur des Preises wegen (€ 6,90) sehr empfehlenswert ist. Mittwoch Abend wird um € 33,- ein Sechs-Gänge-Überraschungsmenü aufgetischt.

Kalbsbutterschnitzel mit - selbstredend - hausgemachtem Erdäpfelpüree, Zwiebelrostbraten mit knusprig gebackenen Zwiebeln oder Rieslingsbeuscherl mit Schnittlauchknödel (übrigens eines der tiefgründig dichten, nicht etwa von Obers erschlagenen Art!) werden in einer Qualität aufgetragen, die man anderswo in der Stadt mit der Lupe suchen muss. Dass die Stammgäste oft dennoch nicht an den Grammelknödeln vorbei können, hat freilich einen Grund: Auf so feine Art deftig, wie sie hier aufgetragen werden, in zart bissfesten, buttrigen Erdäpfelteig gehüllt, mit berückend saftiger Fülle und auf knackigen Spitzkrautsalat gebettet, vermag man ihnen kaum zu widerstehen.

Der Ringsmuth kann aber auch ganz anders. Zum Beispiel, wenn er hoch aromatische Blunze zu knusprigen Tascherln formt, die ebenso verwegen wie stimmig mit fruchtigem Essigkompott kombiniert werden. Oder wenn er Waller sanft pochiert und mit knackigem Wurzelgemüse und Krenschaum zu einer aromatisch kraftvollen, aber auch verblüffend leichten Kreation zusammenfügt. Oder auch, wenn er den zarten Rücken einer Gams auf den Punkt brät, mit Tannenwipfelschaum von herber Eleganz kombiniert und dazu einen gebackenen Topfenwürfel serviert, der außen so himmlisch knusprig wie innen flaumig ist.

Es hilft aber nichts: Für hinterher muss Platz bleiben. Und sei es nur für den Grießschmarren mit Haselnusseis, der die Magie der klassischen Mehlspeisküche auf fast schon vergessen geglaubte Art manifestiert. Spätestens dann nämlich wird der Reisende mit jeder Faser seines Daseins erkennen, dass er wahrhaftig in Wien angekommen ist.

Grammelknödel

Ob Wurzelwaller mit Krenschaum, knusprige Blunzntascherl oder die legendären Grammelknödel und der herrliche Grießschmarren: Beim Ringsmuth wird der Wiener Küche gehuldigt.

Fotocredits: Gerhard Wasserbauer, Blagovesta Bakardjieva, carolineseidler.com