Aufforderung zur Langsamkeit

Aufforderung zur Langsamkeit

Das Bahnhofswirtshaus "König" in Kremsmünster kündet von einer Zeit, als das Reisen länger dauerte - und ganz wunderbar schmeckte.

Seit die Zugfahrt von Linz nach Graz in wenig mehr als drei Stunden zu schaffen ist, mutet es fast frivol an, hier einen Zwischenstopp einzulegen. Anderseits aber gilt gerade jene Zeit, die man sich selbst stiehlt, unter Kennern als rentable Investition in die eigene Lebensfreude. Dank dem Zweistundentakt auf der Alpenfahrt über die Pyhrn-Strecke steht einem kultivierten Abendmahl in einem prachtvollen Wirtshaus nur der eigene Effizienzeifer entgegen. Darum: einfach den nächsten Zug nehmen! Der Gasthof König in Kremsmünster macht einem solch unvernünftig schöne Entscheidungen leicht: Er liegt direkt beim Bahnhof und ist herzerfrischend gut geführt. Gabi Pachner ist die Enkelin des Gründers, der das Haus im Jahr 1928 übernommen hatte. Heute schupft sie das Geschäft mit Ehemann Helge, Tochter Johanna ist im Service tätig, Mutter Marianne lässt sich trotz ihrer 82 Jahre die allmorgendliche Produktion der Suppeneinlagen, von Fleischstrudel über Milzschnitten bis zu Frittaten, nicht nehmen. Die Jägerstube ist lichtdurchflutet, im großen Schankraum, wo klassische Gasthausbänke die Wände säumen, geht es behäbiger zu.

Basic Infos

  • Gasthof König
  • Bahnhofstraße 48, 4550 Kremsmünster
  • +43 (0)7583 5217
  • Montag - Freitag von 15:00 - 24:00 Uhr
  • Vorspeisen € 3,70 - 12,90; Hauptspeisen € 7,90 - 27,50
  • gasthof-koenig.at

Die Jägerstube ist lichtdurchflutet, im großen Schankraum, wo klassische Gasthausbänke die Wände säumen, geht es behäbiger zu. Die Speisekarte wird täglich frisch geschrieben und ist gespickt mit regionalen Klassikern. Das eher suppig gehaltene Beuschel etwa besteht hier aus einer Kombination von Rind und Schwein und ist vom herrlichen Duft frischen Liebstöckels erfüllt. In Schmalz gebackene Erdäpfelnudeln sind außen knusprig und innen flauschig zart, mit Muskatnuss und Pfeffer pikant abgeschmeckt und werden mit im Haus gerührten Preiselbeeren und Rahm aufgetragen - so gehört sich das im Traunviertel. Die Kombination aus salzig-knusprigen Nudeln, zartbitter-süßen Wildbeeren und frischem Sauerrahm ist auf berückende Weise köstlich. Erdäpfelteig wird aber auch mannigfaltig gefüllt und zu allerhand Tascherln gebacken: im Mai mit geschmortem Reh, im Herbst mit Pilzen, rund um Ostern mit Lamm aus der Region. Gebackener Karpfen schmeckt blitzsauber und fein, dass auch vermeintliche Skeptiker ihrem Gaumen nicht trauen. Er verdankt seinen zarten Geschmack dem kaum sechs Grad kalten, kristallklaren Wasser der Fischkalter des nahen Stifts Kremsmünster, in dem er auswassert, bis jeder Anflug von Teichgeschmack verschwunden ist - und er nur noch saftig, zart und dank des Backens in Butterschmalz auf unerhörte Art köstlich schmeckt. Noch einfacher ist die Speisenwahl, wenn gefüllte Kalbsbrust auf der Tageskarte steht: Dann kommt Johanna Pachner mit dem Servieren kaum nach, so saftig und mürb ist das Fleisch - und so unnachahmlich buttrig und mollig die Fülle. Dazu passt Grüner Veltliner aus der Wachau, und zwar von jenen Lagen, die das benachbarte Stift dort seit Jahrhunderten bestellt. Hinterher lockt Kardinalschnitte mit Kaffeecreme. Die kann man sich zur Not aber auch einpacken lassen, damit man auch ja den Zug nicht verpasst.

Gansl

Klassisch mit Natursaftl aufgetragene gefüllte Kalbsbrust.

Fotocredits: Gerhard Wasserbauer, Blagovesta Bakardjieva, carolineseidler.com