Schloss Bran in Rumänien

Rumänien: Urlaub mit Biss

Nicht nur zum Gruseln gut: Das gastfreundliche Transsilvanien punktet mit viel Grün, Erholung und natürlich Draculas Erbe.

Es ist Hochsommer - und wir berichten über Transsilvanien? Ja! Denn Siebenbürgen, so der deutsche Name der weltberühmten Region Rumäniens, fasziniert nicht nur, wenn herbstliche Nebelschwaden in den Bäumen und Burgen hängen. Die Bezeichnung "Siebenbürgen" geht übrigens auf die sieben Bur gen der Umgebung zurück: Bistriţa (Bistritz), Brașov (Kronstadt), Cluj- Napoca (Klausenburg), Mediaș (Mediasch), Sebeș (Mühlbach), Sibiu (Hermannstadt) und Sighișoara (Schäßburg) strahlen auch heute noch mystisches Flair aus. Die Altstadt von Cluj-Napoca besticht aber vor allem durch jede Menge junges Blut. Immerhin ist sie ein wichtiges kulturelles und wissenschaftliches Zentrum Rumäniens, vereint friedlich zehn praktizierte Religionen und beherbergt tausende Studierende aus aller Welt. Die Babeș-Bolyai-Universität etwa ist als dreisprachige Universität - rumänisch, ungarisch und deutsch - eine Seltenheit in Europa.

Gute Aussichten

Wer Cluj-Napoca erobern will, beginnt am besten am Piaţa Unirii, dem Stadtplatz mit der Klausenburger Michaelskirche. Dieser trennt den mittelalterlichen Teil des Zentrums von prächtigen Jugendstilbauten und kleinen Palästen. Die grüne Lunge der ohnehin sehr grünen Stadt ist der Parcul Central, der "Central Park" von Cluj-Napoca. Auf dem kleinen See in seiner Mitte kann man Tretboot fahren, am Ufer Enten füttern oder in der "Chios Social Lounge" einen Drink genießen. Sogar Hängematten gibt es, falls man einen kleinen Powernap braucht, bevor es weitergeht. Denn wer die Treppe zur Zitadelle erklimmt, wird mit einem tollen Blick über die Stadt belohnt. Einer der vielen Spazierwege hier ist nach Kaiserin Elisabeth benannt, denn hier soll eben jene gelustwandelt sein. Wenn sich der Tag dann dem Ende zuneigt und der Hunger kommt, lohnt es sich, die Treppen zum "Hotel Transsilvania" hinaufzusteigen: Im Sommer öffnet dort eine Bar mit Terrasse, ebenfalls mit fantastischer Aussicht. Essen kann man in Siebenbürgen viel und gut - und das bei besten Preisen. Bereits zum Frühstück gibt es Speck, Eier und scharfe Würstel, dazu eingelegte Gurken und Paprika, mittags mit Kräutern gefüllten Braten von Schwein oder Ente und traditionelle Knoblauchsauce. Unbedingt probieren sollte man auch die Aufstriche: Zazuscă mit Paprika, Melanzani oder Pilzen ist eingemachtes, zerkleinertes Gemüse, das als kalter Brotaufstrich zu jeder Tageszeit serviert wird und köstlich schmeckt - die Rettung für alle Vegetarierinnen und Vegetarier.

Anreise per Bahn

Mit dem Schnellzug D143/144 Wien - Oradea - Cluj-Napoca erreichen Sie Siebenbürgen, den westlichen Landesteil Rumäniens, komfortabel im Tagesverkehr. Die Reisezeit von Wien nach Oradea beträgt 8h 02min, nach Cluj-Napoca geht’s in 10h 43min.

Fußgängerzone in der Stadt Cluj

Lebendig: Die Stadt Cluj vereint mittelalterliche und barocke Architektur und ist bekannt für ihr reges Nachtleben.

Wandern im UFO-Wald

Von den sinnlichen Genüssen gestärkt, kann man sich nun dem Übersinnlichen widmen: Hoia-Baciu - mit einem höchsten Punktvon 534 Höhenmetern - liegt ganz in der Nähe von Cluj-Napoca und ist als gruseligster Wald der Welt bekannt. Um seine Wipfel und Wiesen ranken sich vielleicht sogar mehr Geschichten als über den Fürsten der Finsternis höchstpersönlich: UFOs wurden hier ebenso gesichtet wie Geister, manche meinen, das Wäldchen sei ein Tor in eine andere Dimension, andere berichten darüber, dass Menschen und Tiere hier spurlos verschwinden sollen. In einem Punkt sind sich alle einig: Hier passiert einiges, das der menschliche Verstand nicht erfassen kann. Es gibt sogar Gerüchte, dass der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu in Hoia-Baciu ein militärisches Sperrgebiet errichten ließ, weil er allen Ernstes den Angriff von Aliens fürchtete.

Und tatsächlich: Irgendetwas hat’s da. Zumindest ein perfektes Marketing. Denn auch heute berichten Wandernde über plötzlichen Schwindel, unerklärliche Kratzwunden und mulmige Gefühle. Keine Sorge, tatsächlich Schreckliches passiert nicht, im Gegenteil: Im Wald bieten sich zahlreiche gemütliche Wanderungen an, deren Reiz vor allem in skurrilen Baumformationen besteht.

Abends in der Stadt Sighisoara

Weltkulturerbe: Das Zentrum von Sighi șoara bezaubert mit bunten, krummen Häuschen und verwinkelten Gassen.

Bunte Burg

So weit, so gruslig. Und diesem Motto bleiben wir auch - zumindest von einer romantischen Ebene aus betrachtet - - treu. Denn Sighișoara im Tal der Kokel hat einen berühmten, wenn auch (un-)toten Einwohner: Vlad Țepeș, Sohn des Vlad II. Dracul (genannt: der Drache), wurde angeblich hier geboren. Er ist besser bekannt als Vlad, der Pfähler bzw. Graf Dracula. Der hätte allerdings nicht viel von seiner alten Heimat: Denn am schönsten ist das kleine Städtchen mit seinen verwinkelten Gassen, bunt bemalten Häusern und verschachtelten Dächern im Sonnenschein.

Bei Tage gibt es überhaupt viel zu entdecken: Das historische Zentrum von Sighișoara wird als von sieben Wehrtürmen bewachte "Burg" bezeichnet und ist als Vorzeigebeispiel für eine mittelalterliche Stadt seit 1999 auch Weltkulturerbe der UNESCO. Ganz schön heiß wird es hier im Sommer, da flüchtet man gerne in die kühle Klosterkirche Biserica Manastirii oder zum barocken Stundturm: In 64 Metern Höhe genießt man einen großartigen Ausblick über die Stadt. Von der angeblichen Geburtsstätte des berüchtigten Vlad Drăculea allerdings kann man sich nicht zu viel erwarten - außer der Hunger nagt am Nervenkostüm: Hier, im zentral gelegenen Paulinushaus, befindet sich heute ein Restaurant, das Steaks vor allem "rare" serviert.

Weg zur Festung von Sighisoara

Historisch: Auf dem Weg in die einzige noch bewohnte mittelalterliche Festung Europas - Sighișoara ist ein Muss.

Glasornament in der Stadt Oradea

Einzigartig: Die Stadt Oradea an der ungarischen Grenze ist ein Juwel des Jugendstils.

Burg Rasnov aus der Vogelperspektive

Wehrhaft: Die Bauernburg thront in ihrer felsigen Anlage über der Gemeinde Râs¸nov, der ehemaligen "Au der Rosen".

Blut und Wasser

Bevor es nun zur Erholung ins wasserreiche Oradea an den Ufern der Kreisch geht, kann man noch einmal auf Draculas Wegen wandeln: Die mittelalterliche Burg Bran, rund 30 Kilometer von Brașov entfernt, gilt als Vorlage für die schauderhafte Burg aus dem 1897 erschienenen Roman von Bram Stoker. Das wohl bekannteste Symbol Rumäniens beherbergt persönliche Sammlungen der Familie Habsburg einschließlich Krone und Zepter, weiß aber auch mit seinem größten Publikumsmagneten zu spielen. Im "Bram-Stoker-Raum" kann man alles über den Roman des irischen Schriftstellers in Erfahrung bringen. Wer mehr an Geschichte als an Fiktion interessiert ist, der besucht besser das nahe Râşnov: Die "Au der Rosen" bietet eine besondere Sehenswürdigkeit - die Bauernburg, ein beeindruckendes Abbild mittelalterlicher Wehrarchitektur. Im Jahr 1335 fand sie das erste Mal urkundliche Erwähnung, als sie gemeinsam mit der Zitadelle von Brașov als einzige einen gewaltigen Tartarenangriff überstand, während alle anderen unterlagen. Wem Wasser lieber ist als blutige Vergangenheit, der wird sich in Oradea wohlfühlen: Das einstige Großwardein liegt an der Grenze zu Ungarn. Zwischen Barock- und Jugendstilgebäuden, hippen Cafés und kommunistischen Bausünden bricht hier neues Leben auf Wasser ist dabei tonangebend: Die Kreisch mit ihren malerischen Ufern, der berühmte "Aquapark Nymphaea" und die Quellen des nahen Kurortes Felixbad sind Pflicht. Sehen muss man auch die Mondkirche: Ihre namensgebende Mondphasenuhr tickt rein mechanisch - ein weltweites Unikum. Sie sehen schon: Ob bei Sonnenschein oder im Licht des Mondes -  Transsilvanien hat viele Gesichter. Und alle sind es wert, angesehen zu werden.

Anreise per Bahn

Der Nachtzug D346/347 verbindet Wien mit Brașov. Abfahrt in Wien Hbf ist täglich um 19:42 Uhr, Ankunft in Brașov ist am nächsten Tag um 13:32 Uhr.

Am Ufer der Kreisch

Erfrischend: An den Ufern der Kreisch kann man hervorragend flanieren und sich an heißen Tagen abkühlen.

Text - Janina Lebiszczak