Familie picknickt auf Alm

Salzburger Sommerschönheit

Liegt es an der guten Luft? Ob Wandern, Wellness oder kulinarische Köstlichkeiten: Wir sind ganz berauscht von der Aussicht auf einen Almsommer.
Text: Janina Lebiszczak

Da gehen einem das Herz auf und die Augen über: Es sind jene Momente, in denen man von einem seltsamen Stolz erfüllt ist und auch von einem Gefühl der Demut. Der Salzburger Almsommer ist an Schönheit kaum zu überbieten.

Wenn die letzten Schneefelder geschmolzen sind, wenn das Grün saftig strahlt, beginnt das traditionelle Almleben und zwar so, wie es immer schon geführt wurde. Die Sennerinnen und Senner öffnen ihre urigen Hütten, um während der Sommermonate nach ihren Kühen, Schafen und Ziegen zu sehen.

Wenn das Vieh sein prachtvolles Sommerquartier in luftigen Höhen bezogen hat, wird mit zahlreichen Eröffnungsfesten im Jubelmonat Juni im ganzen Salzburger Land der Almsommer eingeläutet: Wandernde lassen sich mit Musik und regionalen Schmankerln wie Kuh- und Ziegenmilchspezialitäten, Schinkenspeck, Hauswürsten, Säften, Schnaps und selbst gebackenem Bauernbrot verwöhnen, können den Handwerkerinnen und Handwerkern bei ihrer traditionellen Arbeit über die Schulter schauen oder sich beim Tanzen vergnügen.

Abseits der Feierlichkeiten ist das helle Bimmeln der Kuhglocken das dominierende Geräusch hier oben.

Volkslied

„Der Schnee geht bald weg, und es wird wieder schean, und da werd’ i bald wieder auf die Alm auffigehn.“

Kuh für Almabtrieb geschmückt

Kuhle Schönheit. Wenn der Sommer im Salzburger Land endet, folgt der traditionelle und festliche Almabtrieb.

Das Alpendorf Sankt Johann vor Salzburger Bergkulisse

Der Luxus des Rustikalen: Das „Sankt Johann-Alpendorf“ im Pongau bietet Heimeligkeit auf hohem Niveau vor Salzburger Bergkulisse.

Gemütlichkeit und Bergpanorama

Wenn dann das Läuten der großen Almsommerglocke über die Bergweiden schallt, schlägt so manches Herz höher. Also Kalender raus und einen Termin almrosenrot markieren: Auf der Loosbühelalm im Großarltal wird am Sonntag, 16.6.2019 gefeiert. „Von Hand gemacht - Innovation und Tradition“, so lautet das Motto des Almsommers 2019 und der diesjährigen Saisoneröffnung - und die wird in der gemütlichen Almhütte der Familie Rohrmoser inmitten der Bergwelt der Hohen Tauern zelebriert, in Anwesenheit von Gesamt-Weltcupsieger und Skiflug-Weltrekordhalter Stefan Kraft.

Aber die Loosbühelalm ist nur eine der vielen Attraktionen: Das Salzburger Land hat die größte Dichte an Almen unter den österreichischen Bundesländern, über 1.800 bewirtschaftete Almen und 550 Hütten warten auf ihre Gäste, 173 davon tragen das „Almsommer-Zertifikat“.

Wofür dieses garantiert? Architektur und Einrichtung zeichnen sich durch Authentizität und Originalität aus, die Almen werden traditionell bergbäuerlich mit Weidevieh bewirtschaftet und können über Wanderwege als auch mit Seilbahn und Taxitransfer erreicht werden. Und: Alle angebotenen Produkte sind aus eigener Herstellung oder nachweislich in der Region produziert, das Trinkwasser muss hochwertig sein.

Die oft über hundert Jahre alten Häuschen geben einen Einblick in das Leben der Sennerinnen und Senner, als noch wenige Urlauberinnen und Urlauber die Berge des Salzburger Landes bewanderten.

Ein Pärchen streichelt Ponys auf der Alm

Hautnah: Kälber, Ponys und sogar freilaufende Schweine warten auf die Gäste der Palfneralm im Pinzgauer Seidlwinkltal.

Auf nichts verzichten müssen

Heute kommen sie zu Tausenden. Und viele von ihnen wollen auf Komfort und Individualität nicht mehr verzichten. Wer gerne in den Salzburger Bergen urlaubt, sucht Entspannung abseits von All-Inclusive-Buffets und Massenabfertigung. Deshalb gibt es immer mehr Gastgeberinnen und Gastgeber bzw. Vermieterinnen und Vermieter; ihr Angebot reicht von einsamen Hütten in den Wäldern Österreichs bis zu schicken Chalet-Dörfern, bei denen man zwar in den „eigenen vier Wänden“ haust, aber auf keinen Luxus verzichten muss.

Hand aufs Herz: Wer träumt nicht von herrlichen Sonnenauf- und Sonnenuntergängen, kristallklarer Bergluft, rauschenden Wildbächen, knisterndem Kaminfeuer, der absoluten Stille oder dem berauschenden Glücksgefühl auf einem Berggipfel? Bunte Almwiesen, ein Picknick und ein Sprung ins kühle Nass: So muss ein Sommer sein - das finden auch die Gastgeberinnen und Gastgeber des Sankt Johann-Alpendorfs. Dort nächtigt man in großzügigen Chalets, die Highlights sind die Sauna in jedem Privathäuschen und natürlich der Whirlpool im Außenbereich - wer Gesellschaft sucht, findet sie am Naturbadesee mit einzigartigem Talblick.

Auch in den nahen Leoganger Alpen findet sich ein Naturjuwel: In der Forsthofalm auf 1.050 Meter Seehöhe geht man ausschließlich auf Holz- und Schieferböden, Vollholzmöbel und natürliche Materialien zieren das Innere des Hauses. Nach dem Wandern oder einem Ausflug mit E-Mountainbikes wartet der großzügige Rooftop-Pool mit schier grenzenlosem Pano-ramablick. Im urigen „Almlust“-Dorf mitten in Flachau setzt man mit Klettern, Raften und Canyoning auf Aktivurlaub, im Naturdorf Oberkühnreit, bereits zum dritten Mal mit dem Top-Of-The-Mountains-Award ausgezeichnet, blickt man auf die majestätischen Berge der Wildkogel-Arena und wohnt wie in einem großen Garten, in dem Obstbäume und -sträucher, Blumen und Kräuter wachsen und Gemüse angebaut wird.

Das Holzhotel "Forsthofalm" in den Leoganger Alpen

Sommerfrisch: In der „Forsthofalm“, einem Hotel rein aus Holz, spürt man die Natur. Was auch an der Pracht der Leoganger Alpen liegt.

Anreise mit der Bahn

Forsthofalm: Mit dem Zug reisen Sie entspannt bis zu den Bahnhöfen Saalfelden, Hochfilzen oder Leogang an. Bei Vorreservierung wird vom Holzhotel ein kostenloses Bahnhofsshuttle für die An- und Abreise organisiert.

Herrliches Alpenpanorama mit Blick auf eine Hütte

Werfenweng bietet eine schier grenzenlose Vielfalt an möglichen Aktivitäten: ein wahres Paradies für Wandernde, Naturliebende und Erholungssuchende jeden Alters.

Anreise mit der Bahn

Urlaub vom Auto? Das „mobilito“-Kundenzentrum am Bahnhof Bischofshofen bietet Ihnen eine umfassende Beratung rund um den sanft-mobilen Urlaub im Pongau und in ganz Europa.

Wo die Almrosen blühen

Doch der wahre Star ist und bleibt der Almsommer an sich. Und der will mit allen Sinnen genossen werden: Der Pinzgauer Kräuterlehrpfad etwa führt vom Mooserboden-Speicher zur Fürthermoaralm, entlang des leicht begehbaren Weges gedeiht bis hin zum Edelweiß jede erdenkliche Alpenflora.

Wer die dramatische Pracht der Almrosen entdecken will, muss allerdings auf sein Timing achten. Die Almrosenblüte zählt zu den schönsten Ereignissen, die der Alpenraum zu bieten hat. Bis weit über die Waldgrenze sind die Wiesen in purpurrote Farbnuancen getaucht - das beeindruckt mächtig, vielleicht wird die „Bewimperte Alpenrose“ deswegen oft auch „Almrausch“ genannt. Wer auf dem Salzburger Almenweg wandert, wird diesem Spektakel begegnen, allerdings nur im Zeitraum zwischen Juni und August. Dann zeigen die Blumen ihre volle Pracht und leuchten in Schattierungen zwischen frischem Rosa und Rostrot.

Auch geübte Wandernde, die mit ausreichend Wadenkraft und Kondition gesegnet sind, kommen hier auf ihre Kosten: Seit über zehn Jahren zieht der 350 Kilometer lange Weitwanderweg Einheimische wie Touristinnen und Touristen magisch an. Die 31 mal leichten, mal schwierigen Etappen führen an 120 gemütlichen Almen und Hütten vorbei. Besonders beeindruckend: Die Werfener Hütte liegt auf 1.967 Metern im Tennengebirge am Fuß des Werfener Hochthrons im Pongau. Auf der höchstgelegenen bewirtschafteten Schutzhütte des Gebirges, Gäste nennen sie respektvoll „Adlerhorst“, ist von der Sonnenterrasse aus ein Ausblick ins Tal der Salzach, auf den Hochkönig und bis zu den Hohen Tauern möglich. Wem der Schutz unserer Natur am Herzen liegt, wird die Gegend um Werfenweng besonders lieben, denn sie hat sich mit dem Modellprojekt „Sanfte Mobilität“ (SAMO) über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht.

Sprich: Den Autoschlüssel, so vorhanden, gibt man für die Dauer des Aufenthalts beim Tourismusverband ab und setzt auf eines der vielen Transportmittel - von Shuttle bis E-Bike. Infos: werfenweng.eu

Buchtipp

Best of Hütten

Ursprünglich: Alm- und Berghütten bieten Kulinarik und Erholung, Geborgenheit und mehr. Sowohl Fans der Haubenküche als auch Familien mit Kindern fühlen sich in der Hüttenwelt wohl.

Mit Sissi Pärsch als Wegbegleiterin führt dieses Buch zu den namensgebenden schönsten Hütten in Österreich, Bayern, Südtirol und der Schweiz und porträtiert jene, die hinter den heimeligen Zufluchtsorten stehen.

beneventobooks.com

Buchcover "Unsere schönsten Hütten"

Fotocredits: Forsthofalm; Salzburger Salzburger Land Tourismus; Salzburger Land Tourismus / Markus Greber; Almlust; Alamy / Bart Pro; Bergwelten (Buchcover, rechts)