Blick über die Tatra bei Dämmerung

Slowakei

Das Tor zur Tatra.
Dank einer neuen Direktverbindung können wir die Slowakei fernab von Bratislava nun mühelos entdecken. Dort wartet nicht nur das kleinste Hochgebirge der Welt auf Besucher.

Höhenluft und Natur pur

So viel Schönheit auf so engem Raum: Dicht an dicht drängen sich 25 Berggipfel bis zu 2.600 Meter in die Höhe. Dazwischen ist Platz für Wälder, Wasserfälle, Berghütten und tiefe Seen - die Hohe Tatra ist das Sehnsuchtsziel für viele Reisende, die sich gerne abseits der touristischen Trampelpfade bewegen. Im Winter vergnügen sich hier Skifahrer und Snowboarder - die Ursprünglichkeit der Landschaft erschließt sich Besuchern allerdings am besten im Sommer. Wer sich dem Ort Nový Smokovec nähert, kommt per Bahn durch eine kilometerlange Ebene und sieht am Horizont dramatisch die Berge aufsteigen, gekrönt von den schneebedeckten Gipfeln - rau, aber romantisch. Liebliche Kurbad-Atmosphäre trifft hier auf karges Hochgebirgsflair. Man kann in einem schicken Wellnesshotel ebenso residieren wie in einer der unzähligen Karczma - so heißen die urigen Gastwirtschaften der Bergbewohner, die ihre Besucher mit deftiger Kost verwöhnen.

Die Sherpas sind los

Abseits der Besucherschwemmen auf den Felstreppen kann man die Einsamkeit fühlen. Die Helden des höchsten Teils der Karpaten - er gehört zu zwei Dritteln zur Slowakei und zu einem Drittel zu Polen - sind die letzten ihrer Art in Europa. Kräftige Männer und mutige Frauen verrichten hier mehrmals täglich freiwillig Sherpa-Dienste. Zwar gibt es eine Standseilbahn auf 1.272 Metern Höhe, doch die vielen Berg- und Schäferhütten sind nur zu Fuß erreichbar: Die Natur lässt eine Erschließung mit dem Geländewagen nicht zu, die Wege sind zu schmal und zu steinig. Jedes Jahr am Ende des Sommers treffen sich die berühmten Träger bei der Zamkovsky Hütte zum Wettbewerb um den schnellsten Aufstieg. Mehrere dutzend Wagemutige konkurrieren um den Titel; mit 100 Kilogramm auf dem Rücken laufen sie eine Strecke, für die ein durchschnittlicher Wanderer ohne Gepäck bis zu 80 Minuten braucht. Die besten Sherpas der Hohen Tatra schaffen es in der Hälfte der Zeit.

Slowakisches Paradies: Im Nationalpark Slovenský raj befindet sich neben Schluchten und Wasserfällen eine der größten Eishöhlen der Welt.

Spontaner Wochenendtrip gefällig?

Mit dem täglichen Direktzug Wien Hbf-Košice um 14.13 Uhr ein Leichtes. Retour geht’s täglich um 7.32 Uhr mit dem Direktzug. Für Spätaufsteher gibt es die Möglichkeit, die Heimreise mit Umstieg in Bratislava anzutreten. Alle Infos unter: oebb.at

Erfrischend: Štrbské pleso (deutsch: Zirbener See) ist ein Gletschersee in der Hohen Tatra bei Poprad.

Beeindruckend: Die Burg von Trencˇín gehört zu einem der größten Burgenkomplexe der Slowakei.

Wenn ich den See seh’

Wandern in der Hohen Tatra bietet sowohl Einsteigern als auch passionierten Bergfans eine perfekte Kulisse. Ob manche von ihnen dabei einen sehnsüchtigen Blick auf das Meerauge werfen? Dieser fast runde Bergsee - Morskie Oko lautet sein polnischer Name - ist der größte in der polnischen Tatra; einst glaubte man, er habe eine unterirdische Verbindung zum Meer. Aber auch der Zirbener See auf slowakischem Gebiet lässt sich sehen: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Gletschersee als Urlaubsort entdeckt. Herrliche Luft, unberührte Natur und tiefe Wälder locken Kurgäste auf lichte Höhen - wer Glück hat, entdeckt sogar Meister Petz noch vor dem Frühstück: Touren, auf denen sich in einem "Bearwatching" Bären in ihrem natürlichen Lebensumfeld beobachten lassen, boomen. Der Nationalpark Slovenský raj ist ein weiteres Highlight der Tatra und darf auf keiner Reise durch die Slowakei fehlen. Beeindruckende Karstebenen, Schluchten, Wasserfälle und eine riesige Artenvielfalt in Flora und Fauna lassen sich beim Spazieren, Wandern und Klettern erkunden. Ein Highlight des Nationalparks sind die Dobšiná-Eishöhle. Sie gehören zu den Bedeutendsten ihrer Art weltweit.

Nirgendwo außerhalb des Alpengebietes findet man solche Eisstärken, die hier stellenweise mehr als 25 Zentimeter betragen. Nicht umsonst wurde Dobšiná in die UNESCO-Liste des Welterbes aufgenommen.

Die Sherpas sind los.

Nach so viel Natur ist nun Zeit für ein wenig Kultur: Im Nordwesten der Slowakei kann man die Geschichte des Landes bis zu den Ursprüngen verfolgen. Die Gegend um die imposante Burg von Trencˇín, die auf einem hohen Kalksteinfelsen gebaut ist, schätzten schon die Römer, was eine Inschrift auf dem Burgfelsen aus dem Jahre 179 beweist. Ihr bekanntester Besitzer war allerdings Matúš Cˇák Trencˇiansky, der gleich mehrere Anwesen besaß und deshalb auch „Herrscher über Váh und Tatra“ genannt wurde. Wenn es dunkel wird, kann man auf seinen Spuren wandeln: Die nächtlichen Führungen samt Schlossgeistern und Show-Kämpfen sind besonders beliebt und enden stets mit einem Feuerwerk. Bevor es mit dem Direktzug heimwärts geht, sollte man noch ein oder zwei Nächte in Košice einplanen. Dieser lebhafte, freundliche Ort nahe der Grenze zu Ungarn wartet mit dem größten denkmalgeschützten Stadtgebiet der Slowakei auf - ideal, um sich nach den Abenteuern in der Hohen Tatra zu erholen.

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