Fiaker in der Innenstadt von Salzburg

Mein Salzburg

Auch abseits von Mozart gibt es in Salzburg viel zu entdecken. Unser City Guide Tina verrät, warum sie in ihrer Heimat gerne Urlaub macht und wo man die schönsten Flecken findet.

Es war Liebe auf den zweiten Blick, aber eine Liebe mit Substanz: Mit meinen 42 Jahren bin ich nun seit 25 Jahren überzeugte Wahlsalzburgerin, denn geboren wurde ich in Wien. Mein Umzug nach Salzburg fand ursprünglich unfreiwillig statt, meine ganze Familie zog in die Mozartstadt, und so musste ich wohl oder übel mit. Ob ich wollte oder nicht. Und ich wollte definitiv nicht. Mittlerweile gibt es für mich keine lebenswertere Stadt in Europa, denn Salzburg bietet alles, was das Herz begehrt. Gepflegtes City Life meets raue Naturwelten - und das alles in unmittelbarer Nähe voneinander.

Salzburg überzeugt mich jeden Tag aufs Neue mit seinem detailverliebten Charme. Die Altstadt ist überschaubar groß, man findet sich rasch zurecht - aber selbst nach Jahren lassen sich mit kleinen Lokalen, Shops oder Galerien immer wieder neue Highlights entdecken. Ein lebendiges Ineinander vielfältiger mittelalterlicher und barocker Baudenkmale fügt sich zu einem einzigartigen, von der Festung Hohensalzburg gekrönten städtebaulichen Ensemble zusammen. Und egal, ob gerade Festspielsaison ist oder nicht - ich beobachte oft Gäste aus fernen Ländern, denen der Mund vor Begeisterung im wahrsten Sinne des Wortes offensteht. Mir ja auch noch ab und an: Denn überschreitet man die unsichtbaren Grenzen der Altstadt, findet man sich in endlosen Weiten der Natur wieder. Ein Wechselspiel zwischen Dynamik und Ruhe, für mich das Optimum an Lebensqualität.

Dekadenz und Natur pur

Was sicherlich auch an der Lebensweise der Bewohnerinnen und Bewohner liegt: Der typische Salzburger ist eine Mischung aus Dekadenz und Naturfreak. Man ist kommunikativ, gesellig und entdeckt gern Neues. Und egal, ob auf der Alm oder mitten in der Getreidegasse: Der Salzburger trifft sich gern, geht gerne essen und genießt das Nachtleben. Tracht ist hier keine Besonderheit, sondern ein Statement - auch in der Stadt.

Erstes Mal in Salzburg

Wer als Gast erstmals in meine Heimat kommt, darf das klassische Programm nicht versäumen, bevor es in die Tiefe geht. Kulturverliebte sollten in jedem Fall einen langen Besuch im Museum der Moderne am Mönchsberg einplanen. Wahlweise kann man direkt von der Mönchsberggarage mit dem Lift ins Museum fahren oder zu Fuß über den Mönchsberg hinaufspazieren. Oben angekommen, bietet das M32 neben dem Museum eine eindrucksvolle Terrasse mit Ausblick und guter Kulinarik. Auch die "Budja Galerie" in der City macht Kunstfans mehr als nur glücklich. Geshoppt wird am besten mitten in der Getreidegasse oder auf der anderen Seite der Salzach, in der Linzergasse. Internationales Flair bietet die Panzerhalle samt ihrer Markthalle, den Kreativagenturen und den trendigen Lifestyleshops. Ein "Must-see" ist auch der Hangar 7, wo regelmäßig die besten Köchinnen und Köche der Welt kulinarische Highlights zaubern, während man sich von Flugzeugen und Kunst inspirieren lassen kann. Royales Feeling erwartet uns etwas weiter außerhalb, im Schloss Fuschl mit Blick auf den See, der auch einen schönen Rundwanderweg bietet. Zwei Stunden Gehzeit sollte man einrechnen, aber jede Minute zahlt sich aus. Auch der Leopoldskronerweiher ist immer eine kleine Wanderung wert.

Stadtskizze von Salzburg

Lieber feiern oder Fisch schmausen?

Doch wo findet man die "Hidden Gems", die Geheimtipps, und wirklich lokales Flair? Unter sich bleiben die Einheimischen am liebsten in den kleinen Bars und Restaurants der Altstadt, die in allen Gässchen zu finden sind. Bis in den Herbst, der auch hier immer wärmer ausfällt, trifft man sich auch gerne im Waldbad, einem kultigen Naturseebad mit angrenzendem Restaurant, Lounge und DJ-Musik an lauen Sommerabenden. Auch das Gössl Gwandhaus ist mit seinem angrenzenden Park und dem danebenliegenden Schloss Hellbrunn - coole Wasserspiele inklusive - ein gern besuchter Treffpunkt. Der Garten hat übrigens auch einen großen Kinderspielplatz, damit die Kleinen sich amüsieren können. Zünftig mit Stil geht es im Friesacher im nahen Anif zu, wo ausgelassene Heurigenstimmung und Disco-Tunes Gäste aller Altersklassen zum Partymachen motivieren. Ich neige allerdings immer mehr dazu, mich kulinarisch auszutoben als am Dancefloor, daher gleich mein liebster Tipp: Das beste Fischlokal findet sich mitten im wundervoll lebhaften Andräviertel bei Signore Backi. Es gibt keine Karte, sondern täglich eine andere Fischspezialität, die vom Gastgeber persönlich zubereitet wird. Hier ist man stets per Du, und zu späterer Stunde sitzen alle an einem gemeinsamen Tisch - für mich ein zweites Zuhause. Etwas schicker, aber nicht weniger persönlich, lässt es sich im Magazin speisen. Zentrum des Lokals ist eine lange Bar, wo bis zur Sperrstunde gefeiert wird - Reservierung dringend empfohlen. Das beste Frühstück gibt es im Altwiener Stil im Cafe Bazar direkt an der Salzach. Sie wollen sich noch mehr Geheimtipps holen? Die echten Salzburger, und auch manche Damen sind da mitgemeint, erkennt man daran, dass sie am Donnerstag mit Stolz eine traditionelle Lederhose tragen. Diese liebenswürdige Aktion wurde ins Leben gerufen, um unser Brauchtum auch außerhalb der großen Feste zu pflegen. Sieht fesch aus und sorgt sofort für mehr Heiterkeit in den Herzen.

Anreise

Mit dem ÖBB Railjet wird ab Wien Hbf stündlich zur Minute 30 eine schnelle Verbindung in die Mozartstadt mit nur zwei Zwischenhalten in St. Pölten und Linz angeboten. Weitere Railjets zwischen Wien und Salzburg halten zusätzlich auch in Tullnerfeld, Amstetten, St. Valentin, Wels, Attnang-Puchheim, Vöcklabruck und Neumarkt- Köstendorf. Von Westösterreich geht es ebenfalls stündlich nach Salzburg. Ab Graz und Klagenfurt besteht ein 2-Stunden-Takt. Infos: fahrplan.oebb.at

Tipps

1. Magazin

Selbst das Auge wird hier verwöhnt: Die moderne Architektur des Gourmettempels schmiegt sich sanft an den Felsen der Mönchsbergwand. Nicht nur die Speisekarte, auch der Lifestyleshop und der Weinhandel überzeugen.

2. Museum der Moderne

An der steil abfallenden Klippe des Mönchsbergs thront das Museum der Moderne über den Dächern der Altstadt. Ein weltberühmter, unverwechselbarer Ort für zeitgenössische Kunst, der internationales Publikum anzieht.

3. Panzerhalle

Hat das Gelände der ehemaligen Struberkaserne wiederbelebt: Das architektonische Schmuckstück beherbergt zahlreiche Unternehmen und zwei Coworking-Spaces sowie einzigartige Lofts und Veranstaltungshallen.

4. Pescheria Backi

Hier treffen sich Kunst und Kult, Society und Szene - aber ganz ohne große Show: Gastgeber Backi serviert den frischesten Fisch und macht mit seiner lockeren Art jeden Ausflug zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Beitrag aus: Railaxed Magazin Sommer 2020
Fotocredits: Tina Balaun