Winterliches Panorama von Budapest

Mein Budapest

Abwechslungsreich und lebendig: Die schönsten Ecken hat Budapest-Expertin Julia Lametta für uns zusammengetragen.

Üdvözöljük und willkommen in meiner Lieblingsstadt: Durch meinen Beruf habe ich schon viele schöne Flecken auf dieser Welt entdecken dürfen, aber Budapest verzaubert mich immer wieder aufs Neue. Im bunten Treiben der Gegenwart zeigt sich seine über 1.000-jährige Geschichte: Magyaren und Könige finden sich in Denkmälern und Straßennamen, die Türken hinterließen eine großartige Bäderkultur, die Habsburger und die Kommunisten ihren architektonischen Fingerabdruck.

Heute ist es nicht nur die Hauptstadt Ungarns, sondern eine besonders abwechslungsreiche Metropole. Das hat auch die internationale Filmbranche rasch verstanden: Stehe ich an einer Kreuzung und der Mann neben mir sieht aus wie Tom Hanks, kann ich davon ausgehen, dass er es auch ist. Komme ich am Abend aus einer Bar und sehe, dass die Straße nicht mehr asphaltiert, sondern mit Sand bedeckt ist, weiß ich, dass morgen hier die Kutschen fahren werden. An allen Enden und Ecken werden hier Filme gedreht. Dabei diente die Stadt in den letzten Jahren als "Double" für Rom, Paris, Warschau, St. Petersburg, das mittelalterliche England und Monte Carlo, um nur einige zu nennen.

Vielseitig ist sie also, diese Stadt, doch an einem kann man sie gut erkennen: Die typischen gelben Straßenbahnwagen, die da so manchen Blockbuster durchkreuzen, sind mittlerweile Wahrzeichen. Und fast so schnell wie die Filmkulissen auf und abgebaut werden, eröffnen Bars, Galerien, Restaurants, Werkstätten und Shops. Ein Spaziergang wird also niemals langweilig. Und damit komme ich auch schon auf den Punkt: Den Charme der City spürt man am besten zu Fuß. Natürlich kann man mit Bussen, Bahnen, Bikes und Schiffen von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten fahren, aber das echte Budapest liegt auf den Wegen dazwischen. Dort einkehren, wo es je nach Laune einladend wirkt, einkaufen in dem kleinen Laden, der gestern erst aufgesperrt hat, und versteckte Galerien betreten, deren Ausstellungsobjekte noch keiner kennt - einfach aus dem Bauch heraus.

Aus alt mach Kult

Die Budapester:innen sind sehr erfinderisch: So entstand hier auch die Kultur der "Ruin Bars". Man nehme ein altes, ungenutztes Haus, zusammengebastelte Möbel, Vintage-Deko, stelle eine große Bar hinein und schenke Getränke bei guter Musik aus. Und fertig ist ein Trend, der sich über die Jahre nicht nur im hiesigen Ausgehviertel ausgebreitet, sondern auch international einen Boom ausgelöst hat. Wenn ich aber Erstbesucher:innen an meiner Seite habe, dann zeige ich ihnen die Stadt nicht nur nachts, sondern auch gerne von oben. Dazu eignet sich der Spaziergang auf den berühmten Burgberg: Die Aussicht auf die Donau mit ihren vielen berühmten Brücken, welche die Stadtteile Buda und Pest miteinander verbinden, ist atemberaubend. Von dort geht es über die Kettenbrücke und auf den Prachtboulevard Andrassy út, der mit seinen Neorenaissance-Villen und Stadthäusern zurecht zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Im Winter ist er über die gesamte Länge mit einer wunderbaren Lichtinstallation geschmückt - es lohnt sich, auch in der Dunkelheit dort vorbeizuschauen.

Einfach abtauchen

Am nahen Heldenplatz wartet dann das frisch renovierte Museum der Bildenden Künste, gleich dahinter ein großer Eislaufplatz - die Budapester:innen lieben diesen Sport - und das prachtvolle Széchenyi-Bad, ein Muss - vor allem im Winter. In den heißen Außenbecken durch den Dampf zu schwimmen und durch die Schneeflocken auf die barocke Kulisse zu blinzeln, ist einzigartig. Zurück bis zur Oper geht es mit der ältesten U-Bahn der Stadt: Die Linie M1 ist seit 1896 in Betrieb, ganz in der Nähe der Station "Földalatti" befindet sich das "Menza", mein Lieblingslokal, eine echte Institution und auch ein guter Startpunkt, um in die kleinen Straßen abzutauchen. Über die immer gut besuchte Király Utca geht es hinein ins jüdische Viertel. Hier finden sich viele der berühmten Ruinenbars, das kultige "Szimpla Kert" wird es wohl immer geben, andere verschwinden bald wieder. Betritt man das Viertel allerdings durch die "Anker Köz", entdeckt man nicht nur einige tolle Vintage-Läden, sondern auch den Gozsdu-Hof. Dieser ist die Zentrale des Ausgehviertels, in den Arkaden erstreckt sich ein vielfältiges Gastronomieangebot - und am Wochenende gibt es dort untertags den größten innerstädtischen Flohmarkt.

Stadtskizze von Budapest

Durch die Linse

Als Fotografin fesselt mich Budapest aber nicht nur wegen seiner Schönheit, hier findet man Kunst und Kultur in jeder Facette: Ich mag die "National Gallery" am Burgberg und das "Robert Capa Contemporary Photography Center" besonders. Gezeigt werden hier sowohl historische Fotografien der berühmten "Magnum Agentur" als auch zeitgenössische Arbeiten junger Fotograf:innen. Gleich nebenan befindet sich das Museum der Fotografie, ein sehenswertes Gebäude an sich.

Und das Angebot in den vielen kleinen Galerien in Budapest ist ebenso kurzweilig, sie kommen und gehen, befinden sich mal an einem Ort, mal an einem anderen. Vielleicht ist der ständige Wandel die einzige Konstante meiner liebsten Stadt - und das macht sie so unglaublich spannend.

Anreise

In der ungarischen Hauptstadt gibt es viel zu entdecken - gerade im Winter, wenn man sich vom Sightseeing in einer der vielen Thermen erholen kann. Von Wien geht's im Railjet oder Eurocity im Stundentakt, ab Linz und Salzburg alle 2 Stunden nach Budapest. Die Fahrzeit ab Wien beträgt ab 2h20min. Von West- und Südösterreich bieten die ÖBB attraktive Umsteigeverbindungen über Wien an. Aus dem Ländle bringt Sie der Nightjet sogar im Schlaf nach Budapest. Und wer auch den Rest des Landes erkunden will, kann mit dem Zug auch das Shoppingparadies Sopron, Györ oder das geschichtsträchtige Debrecen besuchen.

Tipps

1. Burgberg

Muss man gesehen haben: Auf der Budaer Seite der ungarischen Hauptstadt liegt der Burgberg mit dem Burgviertel und seinen weltberühmten Sehenswürdigkeiten, darunter die Fischerbastei und die Matthiaskirche.

2. Ruinenbars

Aus einer Not eine Tugend machen: Das können die Budapester:innen gut. In unbewohnten Häusern und verfallenden Hinterhöfen wird das Leben gefeiert. Mittlerweile sind die „Ruin Bars“ aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

3. Szechenyi-Bad

Im Winter sehr romantisch: Im größten Thermalbad-Komplex Europas erwarten uns drei Freibäder und 15 Hallenbäder, Saunen und Ruheinseln. Der wunderschöne Palast aus dem Neobarock ist ein Vergnügen für alle Sinne.

4. Menza

Für Retrofans: Hier kann man nicht nur vorzüglich speisen, auch das Auge isst mit: Vintage-Möbel aus den 1970er Jahren und viel Holz schaffen eine gemütliche Atmosphäre. Und die Suppe wird aus der Teekanne serviert.

Beitrag aus: Railaxed Magazin Winter 2021
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