Skifahrer auf Piste

Mit der Bahn auf die Piste

Statt Stau und Schneeketten gibt es für alle, die mit dem Zug ins Winterparadies anreisen, sorglosen Spaß in Österreichs besten Skigebieten.
Text: Janina Lebisczak

Sitzen Sie bequem? Haben Sie ein paar Minuten Zeit, um mit uns eine kleine Gedankenreise anzutreten? Draußen vor dem Fenster fliegt die Landschaft vorbei, es ist gemütlich warm im Abteil, so eine Zugfahrt hat immer etwas herrlich Meditatives. Dann geht es also los, wir steuern gemeinsam vorerst nicht das Reiseziel, sondern die ganz persönliche Wahrnehmung an: Frisch gefallener Schnee, können Sie beschreiben, wie er riecht? Wir finden: leicht metallisch, frisch und rein und klar. Unsere Nase erlebt diesen Hauch von Nichts so selten, dass der Geruch schnell zur Sensation wird. Dann wäre da noch der typische Sehnsuchtsklang des Winters: das Knirschen unter den Sohlen, das scharfe Zischen unter den Kufen. Abgesehen davon wird es still: Wenn die weiße Pracht die Landschaften überzieht, nehmen wir sie wieder wahr, diese wundervolle Ruhe. Und der Anblick? Für uns visuelle Wesen ist er ganz besonders berückend: ein betörendes Glitzern bei Sonnenlicht, ein Leuchten in der Dunkelheit.

Karte zu Skigebieten in Österreich

Nächster Halt: Pistengaudi

So, jetzt sind Sie hoffentlich in der richtigen winter-wohligen Stimmung für die folgenden Zeilen. Eventuell sind Sie ja bereits auf dem Weg ins Winterparadies. Statt im Stau zu stehen, sich in überfüllten Raststationen vorm Klo zu drängeln, Fast Food in sich hineinzustopfen, bei eisigem Wind
Schneeketten anzulegen und nach schlechter Sicht erst mitten in der Nacht anzukommen, vollkommen groggy, sitzen Sie im Zug - und der bringt Sie direkt an die Piste. Tatsache: Viele der schönsten und abwechslungsreichsten Skigebiete Österreichs sind leicht und schnell mit den ÖBB erreichbar. Eines haben sie alle gemeinsam: die unmittelbare Nähe des lokalen Bahnhofs zu den Talstationen der Bergbahnen.

Egal, ob Wochenendausflug oder eine Woche Familien- und Freundespaß - die Züge fahren regelmäßig und im Winter oft sogar in erhöhter Frequenz direkt ins Ferienparadies. Danach gilt es nur noch, einen kleinen Fußweg oder eine kurze Busfahrt zurückzulegen - und schon geht es mit den Brettern auf die Piste, denn die Talstationen der Bergbahnen befinden sich oft in unmittelbarer Nähe zum lokalen Bahnhof. So kann der Skiurlaub unmittelbar nach der Ankunft starten und keine kostbare Zeit geht verloren. Wo sollen wir anfangen bei all der Pracht? Mit der Nordkette natürlich. Und um die zu erreichen, muss man einfach bloß in Innsbruck aussteigen. Skifahren auf 1.900 Metern Seehöhe inklusive Stadtblick, das geht sonst nirgendwo. Die Nordkettenbahn bringt ihre Gäste in nur 20 Minuten vom Stadtzentrum zum Skylinepark auf 1.900 Meter, mit der Hafelekarbahn geht’s dann weiter auf 2.200 Meter - die Abfahrt mit einem Gefälle von 70 Prozent ist sicherlich etwas für Adrenalinjunkies, die Kids-Arena mit Zauberteppich, Schneehügel und Übungspisten mehr etwas für Familien. Und nachts? Im Skigebiet Nordkette darf auch ordentlich gefeiert werden: Über den Dächern Innsbrucks befindet sich der höchstgelegene Club der Alpen, die „Cloud9“ mit ihren Eisschnitzereien und Licht- und Soundelementen.

Skifahrer auf der Nordkette
Anreise

Stündlich fahren ÖBB Railjets tagsüber von Wien Hbf über Linz nach Innsbruck. Die Fahrzeit beträgt ab 4h 14min. Ab Graz gibt’s zweimal täglich eine Eurocity/Intercity Direktverbindung in die Tiroler Landeshauptstadt.

Familie spielt im Schnee
Anreise

Von Wien geht’s tagsüber alle 2 Stunden nach Schladming mit Umstieg in Leoben (Reisezeit: ab 3h 44min). In der Wintersaison von 21.12.2019 bis 7.3.2020 verbindet an Samstagen ein direkter Intercity Zug Wien mit der Pyhrn-Priel-Region und Schladming umsteigefrei in beide Richtungen.

Hexenkessel Planai

Noch schneller mitten im Pulverschnee ist man in Schladming - denn dort sind es nur knappe fünf Gehminuten vom Bahnsteig zur nächsten Talstation. Zwar sind alle Skigebiete der „Ski Amadé“ täglich mit zahlreichen Verbindungen einfach und staufrei mit der Bahn erreichbar, aber nur im 6.700 Seelendorf im Herzen der Steiermark lockt ein besonderes Happening ein riesiges Publikum herbei. Jedes Jahr im Jänner wird Schladming zum Schauplatz des wohl spektakulärsten Skirennens im Weltcup-Winter - mit 45.000 Skifans und einer Rahmenveranstaltung, die sich weltweit nicht toppen lässt: Beim "Nightrace" verwandelt sich das Planai-Stadion in einen Hexenkessel, sobald sich der erste Athlet aus dem Starthaus auf die Flutlichtpiste stürzt.

Wer nicht nur passiv staunen möchte, kommt natürlich auch aktiv auf seine Kosten: 123 Pistenkilometer, 44 moderne Seilbahn und Liftanlagen und deftige Schmankerln auf 56 Skihütten bieten Winterspaß pur - und zwar für jeden Geschmack. Aber eine Besonderheit der Skispaß-Region Schladming-Rohrmoos darf nicht unerwähnt bleiben: Wer mit seinem getreuen Vierbeiner verreisen will, ist hier herzlich willkommen - es gibt überdurchschnittlich viele hundefreundliche Unterkünfte und Dogsitter - und darüber hinaus besonders schöne Winterwanderungen für alle sechs Beine. Zu den Highlights gehört die etwa zweistündige Tour durch die Talbachklamm mit nur 200 Höhenmetern, die im Auf- und Abstieg zurückgelegt werden müssen: Die Eisformationen durch die zahlreichen Zuflüsse sind bezaubernd, und dank der Orientierungs- und Effektbeleuchtung entlang des gesamten Weges kann man bis Mitternacht unterwegs sein. Auch Skitouren machen mit Hunden Spaß. Besonders empfehlenswert sind die kurzen Strecken der Region, etwa am Ramsauer Hochplateau und im Ramsauer Almengebiet - damit sich Hund, Herrl und Fraul nicht überanstrengen. Bitte nehmen Sie den Vierbeiner nicht auf Skipisten mit und sorgen Sie dafür, dass Wildtiere nicht gestört werden.

Bigger and better

Flott mitten im Geschehen ist man auch am Wilden Kaiser/Brixental. In Kufstein und Wörgl kann man die Talstationen und damit die Tore zum größten zusammenhängenden Skigebiet Österreichs - das auch weltweit zu den Besten der Besten gehört - in wenigen Minuten per Pedes ab Bahnhof erreichen. Neun direkte Einstiegsorte mit über 284 präparierten Pistenkilometern sowie 21 Talabfahrten erwarten den Gast, dazu kommen 90 moderne Bahnen, Panoramaausblicke auf die gigantischen 3.000er Berge, drei Funparks, drei beleuchtete Rodelbahnen sowie Österreichs größtes Nachtskigebiet.

Gleich ums Eck wartet ein weiter er Brettl-Riese: Das international bekannte Skigebiet Bergbahn Kitzbühl ist nur 2,5 Kilometer von jenem des Wilden Kaisers entfernt, immer wieder werden Rufe nach einem Zusammenschluss laut - doch bis es so weit ist, hilft die "Alpen AllStarCard" beim allumfassenden Genuss: Mit der kann man nämlich satte 1.000 Pistenkilometer und 357 Lifte in den Skigebieten Kitzbühel, SkiWelt Wilder Kaiser-Brixental, Schneewinkel, Skijuwel Alpbachtal-Wildschönau, Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn und Zell am See-Kaprun
gemeinschaftlich erleben.

Anreise

Mit dem Railjet geht’s tagsüber von Wien Hbf im Stundentakt nach Wörgl und von dort in nur rund zehn Minuten mit der S-Bahn weiter bis Hopfgarten bzw. in rund 40 Minuten weiter nach Kitzbühel. Tipp: An den Wochenenden zwischen 27.12.2019 und 13.4.2020 gibt’s drei direkte Railjet Verbindungen von Wien nach Hopfgarten bzw. Kitzbühel und retour.

Skifahrer am Kitzbüheler Horn
Pärchen sitzt auf einer Skihütte und genießt den Ausblick
Anreise

Von 27.12.2019 bis 13.4.2020 gibt es jedes Wochenende drei direkte Railjet Verbindungen von Wien über Linz in den Pinzgau. Zusätzlich werden Ihnen zahlreiche Umsteigeverbindungen mit dem Railjet bis Salzburg und weiter mit dem REX nach Zell am See angeboten.

Nachhaltig genießen

So viele Rekorde beeindrucken sicherlich, doch bei all dem Skivergnügen sollte man nicht vergessen, dass unsere Berge schützenswert sind: Der Einklang mit der Natur steht bei den Schmittenhöhebahnen in der Urlaubsregion Zell am See-Kaprun im Vordergrund. Die landschaftliche Schönheit der Region ist die Basis des täglichen Schaffens, bei dem Umweltschutz großgeschrieben wird. Als derzeit einziges Seilbahnunternehmen in Europa unterzieht man sich freiwillig den hohen Anforderungen der EMAS-Richtlinien der EU, sei es durch den vermehrten Einsatz von Photovoltaikanlangen und E-Fahrzeugen oder durch immer neue Maßnahmen im Bereich der Ressourceneffizienz.

Im Sommer beweist die Blütenpracht sogar Laien, dass Pistenflächen eine hohe Biodiversität aufweisen können. Und im Winter? Kann man am „Balkon der Hohen Tauern“ besonders sonnenreich und vor dem Panorama der umliegenden Dreitausender durch die weiße Pracht wedeln.

Aber vielleicht ist es ja auch mal eine Idee, die Ski im Keller zu lassen und sich auf die Rodel zu schwingen: Das Erklimmen des Berges per Pedes bringt den Kreislauf in Schwung, und beim Hinunterrodeln kommen große und kleine Geschwindigkeitsfans gleichermaßen auf ihre Rechnung. Rodelspaß ist übrigens in allen von uns erwähnten Skigebieten möglich. Nun heißt es nur noch warten: Auf die weiße Pracht von oben, die uns so unvergleichlich glücklich macht.

Fotos: Steiermark Tourismus - Tom Lamm, Webhofer, KitzSki - Werlberger, Felsch