Portraitaufnahme eines jungen Paares

Ein Sitzplatz für Zwei

Ein Wort kann alles ändern.

Wer kennt das nicht? Im Zug jemand Spannenden gesehen, wortlos Blicke getauscht - und stumm wieder getrennte Wege gegangen. Doch diese Story zeigt: Ein Wort kann alles ändern.

Michelle Pfeiffer und eine Lovestory im Zug? Nein, hier ist nicht etwa von einem romantischen Hollywood-Blockbuster die Rede, auch wenn die Geschichte durchaus drehbuchreif beginnt. Denn vor einigen Monaten stieg Michelle (sie heißt mit Nachnamen tatsächlich Pfeiffer!) nach einem besonders anstrengenden Arbeitstag im Büro müde und erledigt in den ÖBB Zug heim nach Leoben. Die grassierende Grippewelle hatte den Großteil ihrer Kollegenschaft in den Krankenstand verbannt, also hatte Michelle alle Hände voll zu tun gehabt. Nach acht Stunden Dauerstress freute sie sich auf eine entspannte Zugfahrt und auf eine wohlverdiente Ruhepause - wie gewohnt an ihrem bequemen und natürlich vorreservierten Lieblingsplatz am Fenster.

Im Zug ein Sitzplatzdieb

Allerdings: Auf Michelles Fensterplatz hatte es sich bereits ein junger Mann bequem gemacht, der keinerlei Anstalten machte, den Sitz zu räumen. Also begnügte sie sich wortlos mit dem Platz daneben, zu erschöpft, um wegen ihrer Reservierung noch eine Diskussion mit dem Unbekannten vom Zaun zu brechen.

Stumm saßen die beiden nebeneinander und wechselten während der Fahrt kein Wort, obwohl sich ihre Blicke mehrmals intensiv kreuzten. Für zwei Fremde vielleicht sogar ein klein wenig zu oft.

Am Bahnhof ein Happy End

In Leoben angekommen, wollte Michelle, innerlich noch immer sauer über den frechen Sitzplatzdieb, so schnell wie möglich vom Zug Richtung Parkplatz zu ihrem Auto sprinten, als sich ihr plötzlich jemand in den Weg stellte. Es war der unbekannte schweigende Mitreisende mit dem vielsagenden Blick - und plötzlich hatte er auch etwas zu sagen: "Ich habe noch nie so eine tolle Frau wie dich gesehen. Wir müssen einander unbedingt wiedersehen, sonst kann ich mir das nie im Leben verzeihen." Zwei mutige Sätze, die zwei Leben veränderten. Denn die beiden tauschten Telefonnummern - und wer ihnen im Zug den Sitzplatz streitig machen will, muss sich jetzt mit einem glücklichen und unzertrennlichen Paar anlegen

Tour d’Amour

Im Speisewagen einen Liebestrank statt Kaffee genossen? Am Bahnsteig erst angerempelt und dann umgehauen worden? Den Sitznachbarn zum Ehepartner gemacht? So wie Hans und Maria ergeht es vielen Reisenden: Sie werden während einer Zugfahrt von Amors Pfeil getroffen.

Wir wollen Ihre persönliche Bahn- Liebesgeschichte hören: Schicken Sie diese über das Kontaktformular und verzaubern Sie uns damit!

Text: Nikolaus Prokop
Fotos: Walter Predatsch/Walter-Photographie