Hochzeitsbild und Bahnticket

Fahrschein ins Glück

...oder: wenn aus Fahrscheinkontrolle Liebe wird.

Tour d’Amour

Im Speisewagen einen Liebestrank statt Kaffee genossen? Am Bahnsteig erst angerempelt und dann umgehauen worden? Den Sitznachbarn zum Ehepartner gemacht? So wie Hans und Maria ergeht es vielen Reisenden: Sie werden während einer Zugfahrt von Amors Pfeil getroffen.

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Sie warf ihn völlig aus der Bahn - und das, obwohl er nur ihren Fahrschein kontrollieren wollte.

Vor 60 Jahren verliebten sich Maria und Hans an Bord der ÖBB.

Verwechslungskomödien standen in den 1960er-Jahren hoch im Kurs. Der gängige Inhalt: Nach einigen Irren und Wirren findet das Liebespaar endlich zusammen. Hätte ein Regisseur damals die Geschichte von Maria und Hans gehört, sie wäre fix zum Kinohit geworden. Titel: "Fahrschein ins Glück".

Denn diesen wollte Schaffner Hans eigentlich kontrollieren - und verlor dabei sein Herz. Aber der Reihe nach: Es war Juni 1960, Hans war damals 21 Jahre alt und trat wie gewohnt seinen Dienst als Schaffner an. Bei der Ticketkontrolle kam er mit einer sympathischen Dame ins Gespräch - seiner späteren Schwiegermutter.

Sie meinte, dass die zweite Fahrkarte für ihre kleine Tochter sei, die am Bahnsteig stehen würde. Doch was Hans da sah, als er durchs Fenster blickte, war kein Kind, sondern eine fesche Frau von 21 Jahren. Und schon schoss Amors Pfeil mitten in sein Herz.

Maria als junge Frau

Süße Locken, kühner Blick: Im Jahre 1960 ging Maria auf Reisen und kehrte mit ihrer großen Liebe zurück.

Hans und Maria sitzen in einem Lokal

Heute sind Maria und Hans fast sechs Jahrzehnte verheiratet. Das Rezept? Stets zusammenhalten.

Für immer und dich

Aber es wäre keine Verwechslungskomödie ohne weitere Verwirrung: Der entflammte Hans wollte sich ein Rendezvous mit Maria ausmachen, aber die lehnte rigor os ab. Warum? Sie dachte, er wäre verheiratet - und hätte außerdem eine ziemlich uncharmante Art, das zu formulieren.

Denn er saß im Dienstabteil mit seinen Kollegen, man plauderte über das neue Gewand. Ein Kollege sagte, er müsse seine alte Dienstuniform nach Hause mitnehmen, und Hans meinte darauf, er habe seine alte schon zu Hause. Gerade in diesem Augenblick ging Maria vorbei und hörte nur: "Ich habe meine Alte zu Hause." Das Desaster war komplett.

Dass Hans aber nicht nur ein guter Schaffner war, sondern auch ein guter Überzeugungskünstler, ist trotzdem bewiesen: Ein Jahr später heiratete er seine Maria, und aus dem Treffen im Zug entstanden drei Kinder und vier Enkelkinder - das Paar ist heute seit fast sechs Jahrzehnten glücklich.

"In guten wie in schlechten Zeiten zusammenhalten, sich achten und auch einen gewissen Freiraum lassen", so lautet ihr Ratschlag an uns. Nur das Zugticket müssen wir uns schon selber kaufen.

Hans im Schaffneroutfit

3 Millionen Kilometer aus Leidenschaft: Der ehemalige Schaffner Hans verliebte sich im Dienst.

Hans und Maria gemeinsam am Standesamt

Glücklich bis heute

Ein ÖBB Sonderzug-Ticket aus dem Jahr 1960

Das Ticket zur Liebe.

Text: Janina Lebiszczak
Fotos: Hans Sluka