Mohnnudeln mit Apfelmus

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Lebensgeschichten. Einblicke. Gustostückerln.  

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Jede Region Niederösterreichs hat ihre Spezialitäten und Köstlichkeiten. Zu entdecken gibt es hier viel. Die Häferlguckerin verknüpft auf ihrem kulinarischen Streifzug durch das größte Bundesland Österreichs Altes mit Neuem: Gefinkeltes Dinkelbrot, im Päckchen gebackene Forelle und g‘wuzelte Mohnnudeln.

Wegziehen? Von Wien? Niemals. Ich und aufs Land …

Geboren, aufgewachsen, studiert, gejobbt, verwurzelt. Wald und Wiesen in der Stadt. Kultur-, Musik- und Lifestyleszene vor der Haustüre. Smart, hip, in, lebendig, einfach urban. Ja, Wien mag eigen sein. Der wienerische Dialekt vielleicht. Nörgelnde, grantige ZeitgenossInnen. Alles nur Klischees.

Küss die Hand. Ein einziger Augenblick - und dann kam Mr. Right. Der meinte, es wäre Zeit. Raus aus Wien, rein ins schöne Niederösterreich. Souverän wagte ich mich aufs glatte Parkett. Die Übersiedlungsfirma war gebucht. Dem Vokuhila-Typen und Urwiener hinterm Steuer des Kastenwagens gefiel’s sofort, als er ausstieg, um meinen Krempel in mein neues Zuhause zu schleppen. Ich war mir da noch nicht so sicher. Am Holzweg? Ein Gradmesser. Servus da, grüß dich dort, guten Tag überall. Ob beim Dorfwirt, beim Heurigen, hinter der Käsebudel im Supermarkt, in der Au am Gartenzaun. Ungewöhnlich. Übertriebene Herzlichkeit? Neuland.

Jedenfalls bereichernd. Neue Gerüche, wilde Kräuter. Längst vergessene Getreidesorten wie Dinkel, Einkorn oder Emmer erleben ihren zweiten Frühling. Altes und Neues fusionieren zu einem vollkommen neuen Erlebnis. Ich versuch’ mich im Brotbacken. Der erste "Brototyp" entsteht. Aber die wahren Bodenschätze - die gibt’s in der Wachau. Die Wachau ist Programm. Sie ist Gestalt gewordener, mit Marillen gefüllter, in Brösel gewälzter Genuss und durch karge Urgesteinsböden geprägter Wein. Die Marillenblüte, jedes Jahr eine Attraktion - für TouristInnen wie Einheimische gleichermaßen. So vielseitig wie keine andere Region Niederösterreichs. Ein in den schönsten Farben der Jahreszeiten schimmerndes Flusstal ist gesäumt von spektakulären einbauterrassen. Ihr Ertrag: weltbekannte Weine. Nirgendwo sonst sind die Weine so nuancenreich und charakterstark. Nahezu monumental. Obwohl - zumindest dem Namen nach - der Wein im Weinviertel wohnt. Dafür sind hier die Kellergassen das, was man einzigartig nennt. Der Geruch nach Moos und feuchter Erde lässt auf ein Schwammerlparadies schließen. Die Region, wo es so richtig viel Wald gibt, mag beruhigend, manchmal aber auch ein wenig beängstigend wirken. Wie die berühmten Wackelsteine. Idyllisch? Mystisch. Geheimnisvoll. Das Waldviertel hat aber auch was Köstliches, gar Kostbares. Alleine die Zubereitung des Kartoffelteiges, das Reiben des Mohns - ein Gustostückerl. Und nebenbei bemerkt, den klassischen Wiener "Grantscherm" - den gibt’s sogar in der Buckligen Welt. Zugereist, um zu bleiben.

Meine persönlichen Lokaltipps

Wo einst Tafelklassler die Schulbank drückten, kocht heute Manfred Buchinger auf. Österreichisch essen mit dem gewissen Etwas am Teller! Die Spezialität des Hauses: "Running Weinviertel".

  • Gasthaus zur alten Schule
  • Wolkersdorfer Straße 6, 2122 Riedenthal
  • www.buchingers.at

Die Liebe dieses Traditionsbetriebes liegt hier im Detail und in der modernen Interpretation der süßen Köstlichkeiten. Klassiker sind die Burgenländerkipferl bzw. die Kokuskuppeln, die es über das ganze Jahr gibt. Im Herbst sind es die Maronikipferl und in der Faschingszeit die herrlichen Krapfen, deren Kombination aus Marmelade und flaumig-fluffigem Teig ein wahres Gedicht ist.

Mit kreativer Küche auf höchstem Niveau wird man im Triad, in der Buckligen Welt verwöhnt. Mit viel Liebe zum Detail wurde hier ein ehemaliges Stallgebäude in ein heimelig-ursprüngliches Restaurant - mit viel Natur & authentischer Gastlichkeit - verwandelt.

Gefinkeltes Dinkelbrot

Dinkelbrot

Zutaten für 1 Laib Brot

  • 500 g weißes glattes Dinkelmehl
  • 350 ml warmes Wasser
  • 1 TL Honig
  • 1 Packerl Trockenhefe
  • 2 TL feines Meersalz

Zubereitungszeit: 40 Minuten + 2 Stunden Ruhezeit + 30 Minuten Backzeit
Für Hobbyköche

Das Wasser gemeinsam mit der Trockenhefe und dem Honig verrühren.
Mehl und Salz in einer Rührschüssel vermengen und nach und nach die Wasser-Hefe-Mischung dazugeben. Mit einer Küchenmaschine, mit dem Handmixer oder aber mit den Händen 10 Minuten zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Den Teig in eine bemehlte Schüssel geben, mit einem Baumwolltuch abdecken und an einem warmen Ort 1 bis 1 ½ Stunden gehen lassen, bis sich sein Volumen verdoppelt hat.

Nun den Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche zu einer Kugel formen und diese in ein gut mit Mehl ausgestäubtes Simperl (Gärkorb) legen. Mit einem Baumwolltuch zugedeckt an einem warmen Ort erneut aufgehen lassen.

Währenddessen das Backrohr vorbereiten. Habt ihr einen Pizzastein, dann diesen für ca. 40 Minuten bei 250°C im Backrohr auf der untersten Stufe am Gitterrost aufheizen. Alternativ das Backblech ordentlich aufheizen.

Nun den Brotlaib auf eine Teig- oder Pizzaschaufel stürzen und damit das Brot auf den Pizzastein legen. Den Laib ein wenig mit Wasser besprühen. Zusätzlich eine kleine Wasserschüssel mit in das Backrohr stellen, denn das Brot hat es gerne feucht zum Backen. Nun für 25 Minuten bei 250°C backen. Anschließend die Temperatur auf 220°C reduzieren und weitere 5 bis 10 Minuten backen. Das Brot ist durchgebacken, wenn es beim Klopfen an der Unterseite hohl klingt.

Im Päckchen gebackene Forelle

Forelle

Zutaten für 2 Personen

  • 2 Forellen
  • 1 Zitrone
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle
  • Olivenöl
  • 8 Zweige Oregano
  • 4 Zweige Rosmarin

Zubereitungszeit: 15 Minuten + 20 Minuten Backzeit
Für Hobbyköche

Die küchenfertigen Forellen kalt abbrausen und trocken tupfen.
Eine Zitrone in Scheiben schneiden und 3 bis 4 Scheiben in den Bauchraum der Forelle schieben.
Jeweils die Forellen auf einen Bogen Backpapier legen und das Backpapier locker zu einem Päckchen formen. An beiden Enden mit einem Garn festbinden.
Die Forelle mit Salz und Pfeffer würzen. Mit Olivenöl beträufeln.
Die Kräuter rund herum der Forelle schlichten.

Die Forellen-Päckchen entweder in eine Pfanne und die Pfanne dann auf den Gitterrost ins Backrohr stellen, oder das Päckchen auf ein Backblech legen. Die Forelle bei 180 °C Ober-/Unterhitze ca. 15 bis 20 Minuten backen.
Wenn die Haut noch nicht knusprig ist, für einige Minuten die Grillstufe des Backrohrs einstellen.

G’wuzelte Mohnnudeln

Mohnnudeln mit Apfelmus

Zutaten für 2 Personen

  • 500 g Kartoffeln mehlig
  • Ca. 100 g Weizenmehl griffig
  • 1 Ei
  • 1 Prise Meersalz aus der Mühle
  • Bei Bedarf 2 EL Butter zum Beträufeln
  • 100 g Graumohn ungemahlen bzw. alternativ bereits gemahlen
  • 3 EL Staubzucker
  • Apfelmus zum Servieren als Beilage

Zubereitungszeit: 40 Minuten
Für Hobbyköche

Kartoffel in der Schale über Dampf kochen. Noch warm schälen und durch die Kartoffelpresse pressen und abkühlen lassen.

In der Zwischenzeit den Mohn mit einer Mohnmühle - so eine zur Verfügung steht - fein reiben. Ansonsten einfach bereits geriebenen Mohn aus dem Supermarkt verwenden. Ich persönlich mag den bereits fertig geriebenen Mohn nicht, daher wird er bei mir immer frisch gerieben. Mit der Mühle werden die Mohnkörner nämlich gequetscht, dadurch wird der Mohn saftiger. Den gekauften, bereits geriebenen Mohn finde ich persönlich zu trocken. Den geriebenen Mohn mit gesiebten Staubzucker bis zur gewünschten Süße vermengen.

Die gepressten Kartoffeln mit den restlichen Zutaten vermengen und zu einem lockeren Teig verarbeiten. Ist die Masse zu klebrig, ein wenig Mehl hinzufügen.

Nun aus der Masse Rollen im Durchmesser einer 1-EURO-Münze formen. Davon ca. 1,5 cm dicke Scheiben abschneiden und diese zwischen den Handflächen zu Nudeln wuzeln. Ein Backpapier mit ausreichend Mehl bestäuben und die Nudeln darauflegen, sodass die Nudeln nicht aneinanderkleben.
Mit dem Rest des Teiges ebenso verfahren.

In einem großen Topf Wasser zum Kochen bringen und die Nudeln mit einem Knödelheber vorsichtig einlegen. Die Nudeln bei niedriger Hitze leicht sieden lassen, das Wasser darf nicht kochen, die Nudeln sollen nur ziehen. Sobald die Nudeln auf der Wasseroberfläche schwimmen, sind sie fertig. Mit einem Knödelheber aus dem Wasser fischen.
In dem Mohn-Zuckergemisch wälzen, mit Staubzucker bestäuben und bei Bedarf geschmolzene Butter darüber träufeln.
Mit Apfelmus servieren.

Noch mehr Rezepte zum Nachkochen finden Sie unter haeferlguckerin.at
Beitrag aus: Railaxed Magazin Frühling 2020

Fotocredits: Michael Genswaider