Piemont, hin und retour

Piemont, hin und retour

Einmal ums Eck vom Linzer Hauptbahnhof wartet mit dem „Rosso di Acqua e Sole“ eines der besten italienischen Restaurants des Landes.

Als klassisches Bahnhofswirtshaus wird man das Ristorante von Ingmar Goetzloff kaum bezeichnen können, dafür ist die Auswahl an Speisen, der Fokus auf Meeresfrüchte und Bistecca doch etwas zu exklusiv. Die Lage direkt beim Linzer Hauptbahnhof ist aber andererseits so ideal, dass man es schon sehr eilig haben muss, um nicht auf einen Hupfer im „Rosso di Acqua e Sole“ vorbeizuschauen und die Zeit bis zum nächsten (oder übernächsten?) Zug hier zu investieren.

Ein weiteres so explizit auf die italienische Art des Genießens fokussiertes Lokal wird man nämlich weithin suchen müssen. Der Gourmetführer „A la Carte“ schreibt nicht zufällig vom „besten Italiener der Landeshauptstadt“ - und man ist durchaus geneigt, das Urteil auf den Rest des Landes auszudehnen.

So wird die Pasta im „Rosso“ wie selbstverständlich hausgemacht. Wie sich das in einem Familienbetrieb italienischer Prägung gehört, hat Goetzloffs Schwester Judith die Fertigung der täglich frischen Agnolotti und Ravioli, Mezzalune und Cappelletti inne.

Tortelli mit Kürbis und Mandeln etwa, eine herbstliche Variante mit samtiger, unendlich aromatischer Fülle, richtig al dente und mit Nussbutter, einer Idee Balsamico und nicht zu knapp Parmesan versehen - ausgesprochen köstlich.

Basic Infos

  • Ristorante Rosso di Acqua e Sole
  • Weingartshofstr. 29, 4020 Linz
  • +43 (0)699 1111 22 12
  • Montag - Freitag von 11:00 - 14:00 Uhr und 17:30 - 22:00 Uhr, Samstag von 17:30 - 22:00 Uhr
  • restaurantrosso.at

Wer Lambrusco noch als süßlich schäumenden Witwentröster kennt, sollte ihn im Rosso probieren: leicht, knochentrocken, kühl - ein überaus vergnüglicher Speisenbegleiter!

Vorneweg gibt es mehr als beachtlichen Aufschnitt, noblen Culatello di Zibello aus dem Herzen der Prosciuttokeule zum Beispiel oder handfeste Salami von artisanal arbeitenden Metzgern aus der Lombardei. Eine echte Sensation ist das Tris di Carne, für das Goetzloff exklusiv von Italiens wohl berühmtestem Metzger, dem wie ein Weltstar verehrten Dario Cecchini aus der Toskana, beliefert wird: vor Saft und Kraft strotzendes Roastbeef einerseits, mit dem Messer von Hand gehacktes Tartare mit umbrischer Trüffel anderseits und, nur nominell die bescheidenste Zutat, in Weißwein und Lorbeer gedünstete Schweinsschulter, die, mit Kapern und Datteltomaten angerichtet, ganz verblüffend an edlen Thunfisch gemahnt.

Danach darf es echter Fisch sein, knuspriger Oktopus mit einem Hauch von tiefgrünem Fave-Püree zum Beispiel, oder, wenn Saison ist, eine fantastische Seespinne (Granceola), wie man sie in Österreich wohl nirgendwo sonst genießen kann.

Oder man wagt sich an die schwerwiegende Delikatesse des Hauses: sagenhafte Bistecca, in doppelter Knochenstärke vom trocken gereiften Rücken geschnitten und ebenfalls bei Dario Cecchini besorgt. Das kann schnell einmal zwei Kilo pure Fleischeslust bedeuten und reicht locker für vier, vielleicht auch mehr Esserinnen und Esser.

Die Weinkarte hat jedenfalls die nötigen Granaten vorrätig, um Herrlichkeiten wie diese entsprechend würdig zu begleiten. Dass es hinterher nur ein ganz kurzer Weg zurück zum Zug ist, hilft zwar nicht bei der Verdauung - aber dafür ist dann das Nickerchen zuständig, das man sich sogleich im Zug genehmigen darf.

Aperitif mit Weisswein

Italienische Spezialitäten

Fotocredits: Gerhard Wasserbauer