21.02.2016

Luzern, ich hab dich gern!


TRAVEL
Text — Jasmin Kreulitsch



Ich habe eine Schwäche: Städte, die am Wasser liegen, erobern mein Herz im Nu. Oft ist es nur ein sanft dahin strömender Fluss, dessen Anblick mich schwach macht, ein türkisblauer See hat noch größere Chancen, dass ich mein Herz verliere. Was soll ich sagen? Ich kam, sah und verliebte mich, als ich nach Luzern reiste, denn hier gibt es beides: den sanft dahin strömenden Fluss Reuss und den türkisblauen Vierwaldstättersee. Heute weiß ich: Luzern ist das am besten gehütete Geheimnis der Schweiz.

Denkt man an die Schweiz, kommt einem automatisch Zürich in den Sinn: mondän, kosmopolitisch, lässig. Die Schweizer Metropole ist immer eine Reise wert, keine Frage, aber man darf den Rest des Alpenlandes nicht außer Acht lassen. Nicht mal eine Stunde entfernt liegt nämlich Luzern am westlichen Zipfel des Vierwaldstättersees und umrahmt von den Zentralalpen. Von Wien braucht man nicht ganz acht Stunden mit dem Railjet bis nach Zürich (oder etwas länger, dafür im Schlafwagen), von Salzburg sind es fünfeinhalb; weiter nach Luzern dauert es dann 50 Minuten.        

Romantisch! Luzern bei Sonnenuntergang (c) Yasmin Kreulitsch Romantisch! Luzern bei Sonnenuntergang (c) Yasmin Kreulitsch

 

Malerisch: Die Uferpromenade lädt zum Spazieren ein (c) Yasmin Kreulitsch Malerisch: Die Uferpromenade lädt zum Spazieren ein (c) Yasmin Kreulitsch

Das Gute daran: Luzern ist mit seinen rund 81.000 Einwohnern eine Stadt, die man perfekt zu Fuß entdecken kann. Steigt man am Bahnhof aus, steht man direkt am Ufer der Reuss und geht maximal zehn Minuten zu Fuß in eines der vielen charmanten Hotels. Die Reuss ist es auch, die einem dabei hilft, dass man sich niemals verirrt, denn der Fluss trennt Luzern in Altstadt und Neustadt. An beiden Seiten des Ufers liegen malerisch bunte Häuser und machen die Promenade zum Hingucker, kein Wunder, dass hier Tag und Nacht unzählige Menschen flanieren. Überhaupt, Farben spielen eine große Rolle in Luzern: Wo man in anderen Städten oft Altbauten mit Graffitis entdeckt, staunt man hier über die farbenfrohen Fresken in der Altstadt (vor allem am Weinmarkt, am Hirschenplatz und am Kornmarkt), die allesamt eine Geschichte erzählen: Wer genau hinschaut, erfährt aus den bunten Malereien, wer der ursprüngliche Besitzer des Hauses war war's ein Schmied oder doch ein Bäcker?

Lecker: ein Schweizer Käsefondue (c) Yasmin Kreulitsch Lecker: ein Schweizer Käsefondue (c) Yasmin Kreulitsch

Apropos: Im Zunfthausrestaurant Pfistern (Kornmarkt 4) althochdeutsch phistur bzw. Lateinisch pistor für Bäcker mitten in der Altstadt gibt s ein verdammt gutes Käsefondue, allerdings sollte man wissen: Der Schweizer an sich ist sein Käsefondue zu Hause und nicht im Restaurant. Als Besucher muss man aber das Nationalgericht kosten hier schlemmt man um CHF 33,50 (ca. 30) pro Person. Ein anderes Nationalgericht ist die Luzerner Chügelipastete: eine Art Blätterteiggebäck mit Kalbfleisch, Reis und Gemüse gefüllt. Die schmeckt im Wirtshaus Taube (Burgerstraße 3) besonders gut, vielleicht auch deshalb, weil die Schpiischarte auf Luzerndeutsch daherkommt, nämlich: Original Lozärner Chögalipaschtetli met Riis ond Gmües (CHF 37,80, ca. 34,20).  

Historisch: Die Kapellbrücke ist das Wahrzeichen von Luzern (c) Yasmin Kreulitsch Historisch: Die Kapellbrücke ist das Wahrzeichen von Luzern (c) Yasmin Kreulitsch

Ist man dann satt, wird es Zeit, ein paar Kalorien zu verbrennen am besten bei einem Spaziergang über das Wahrzeichen der Stadt: die Kapellbrücke, die schräg über die Reuss führt. Sie ist die älteste und mit 202,90 Metern zweitlängste überdachte Holzbrücke Europas! Schlendert man über die knarzenden Balken, sollte man sich Zeit lassen und die Bilder anschauen, die den Weg säumen. Insgesamt hängen hier 111 dreieckige Gemälde, die wichtige Szenen der Schweizer Geschichte darstellen! Kommt man dann auf der anderen Seite an, hat man das perfekte Fotomotiv, denn von hier sieht man das nächste Wahrzeichen den Wasserturm am besten und bekommt beide super auf seine Erinnerungsfotos.  

Trendy: In Luzern gibt es jede Menge lässiger Boutiquen (c) Yasmin Kreulitsch Trendy: In Luzern gibt es jede Menge lässiger Boutiquen (c) Yasmin Kreulitsch

Hier, auf der Seite der Reuss, wo die Neustadt liegt, sollte man unbedingt Zeit für eine kleine Shoppingtour einplanen. Während in der Altstadt die gängigen europäischen Labels und viele Touristenläden sind, findet man hier viele kleine und speziellere Läden. Meine drei Favoriten? Im Second-Hand-Shop DIVA (Klosterstraße 7) ist die Auswahl so gut, dass es echt schwer fällt, nichts zu kaufen, und in den beiden Boutique MC Store (Hirschmattstraße 50) und MAI (Waldstätterstraße 19), sind die Stücke zwar hochpreisiger, aber richtig, richtig hübsch und man findet auch Luzerner und internationale Designern.  

Magisch: Auf dem Vierwaldstättersee sieht man viele kleine Wunder (c) Yasmin Kreulitsch Magisch: Auf dem Vierwaldstättersee sieht man viele kleine Wunder (c) Yasmin Kreulitsch

Von der Neustadt geht man dann nicht mal fünf Minuten zur Schiffsanlegestelle gegenüber vom Bahnhof, wo mehrmals täglich verschiedene Schiffe auf den Vierwaldstättersee aufbrechen und einen in eine magische Welt aus Wasser und Bergen entführen. Selbst wenn es regnet, macht der Ausflug Spaß, denn an Board gibt es überall super Service, sodass man Kaffee oder Kakao trinken kann, während man sich von der Natur drumherum berieseln lässt. Die Preise hängen von der Strecke ab, noch bis Mitte April gibt es beispielsweise die Wintertageskarte (CHF 45, ca. 40,70), mit der man einen Tag über den See schippern kann!  

Aufwärts: Mit der Pilatusbahn geht es auf den Hausberg von Luzern, dem Pilatus (c) Yasmin Kreulitsch Aufwärts: Mit der Pilatusbahn geht es auf den Hausberg von Luzern, dem Pilatus (c) Yasmin Kreulitsch

Es ist aber nicht nur das Wasser, das in Luzern sofort ins Auge fällt, es sind auch die Berge, vor allem der Hausberg Luzerns, der Pilatus. Vom Schwanenplatz fährt man mit der Buslinie 1 zehn Minuten nach Kriens zur Talstation der Pilatusbahn (Ticket rauf und runter um CHF 57,60, ca. 52,60), dann gondelt man auf 2.120 Meter und genießt einen gigantischen Rundblick über den Vierwaldstättersee und kann sich auch in einem der Restaurants stärken. Bei meinem nächsten Besuch möchte ich unbedingt hier oben übernachten der Blick aus dem Hotel Pilatus-Kulm  ist gigantisch (Doppelzimmer ab CHF 160, ca. 145)! Den Weg nach oben kann man im Sommer übrigens auch ab Alpnachstad machen mit der steilsten Zahnradbahn der Welt! Und dann schaut man runter ins Tal und stimmt zu: Ja, Luzern ist tatsächlich das am besten gehütete Geheimnis der Schweiz.   Weitere Information über die Region rund um den Vierwaldstättersee finden Sie in einem gratis ÖBB e-book von Rudolf J. Strutz. Auch im Apple iTunes Store und im Google Play store erhältlich.
 
 
 
 

Jasmin Kreulitsch
Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken.
Weitere Stories

TRAVEL
Die längste Zugfahrt der Welt
 
TRAVEL
Salzburger Almsommer
 
PEOPLE & LIFESTYLE
Mein Zürich
 
PEOPLE & LIFESTYLE
Events im Sommer