14.02.2016

Frühlingserwachen am Gardasee


TRAVEL
Text — Mela Mörtenbäck



Es ist ja nun nicht gerade so, dass Tirol nicht selbst genügend zu bieten hätte. Doch von Zeit zu Zeit zieht es mich einfach weiter südlich. Wie etwa jetzt, zu Frühlingsbeginn. Dann, wenn die Temperaturen langsam wieder steigen und das kleine Städtchen Riva del Garda, am nördlichen Ende des Gardasees, langsam aus dem Winterschlag erwacht. Rund drei Stunden Zug- und einer kurzen Busfahrt nach Abreise in Innsbruck lässt es sich dort italienisches Lebensgefühl einatmen.

Nachdem ich im Hotel eingecheckt und das Zimmer für die kommenden Tage bezogen habe, zieht es mich wie kann es auch anders sein - ans Wasser. Die kilometerlange Seeuferpromande eignet sich perfekt, um den Alltag hinter mir zu lassen, tief durchzuatmen und die umliegende Kulisse zu genießen. Denn diese kann sich sehen lassen. Immerhin liegt Riva del Garda am nördwestlichen Ende des Gardasees, direkt hinter der Stadt ragen Gebirgszüge meterhoch in den Himmel. Mein Hotel liegt am östlichen Ende von Riva del Garda, so dass ich langsam in Richtung Stadtkern spaziere und das um diese Jahreszeit noch geringe Treiben am See und entlang der Promenade beobachte. Doch so langsam macht sich mein hungriger Bauch bemerkbar Zeit zum Abendessen! Auch wenn die Verlockung groß ist direkt in einem der Restaurants mit Seeblick Platz zu nehmen, möchte ich der Empfehlung einer Bekannten folgen. Kurze Zeit später nehme ich im Ristorante Al Forte Alto in Nago Platz. Das Restaurant befindet sich in den Gemäuern einer ehemaligen Festung aus dem 19. Jahrhundert. Es sind das stilvolle Ambiente, der tolle Blick über das nördliche Seeufer und die regionale Küche, welche das Al Forte Alto zu einer tollen Empfehlung machen. Küchenchef Marcello ist für seine Kochkünste bekannt und beliebt. Eine Reservierung schadet vor allem zu Ferienzeiten nicht. Das Restaurant gehört zum Club delle Osterie Tipiche Trentine , getreu dem Namen ist hier Regionalität wichtigstes Credo. Jeden Tag zaubert Marcello ein anderes Degustationsmenü, abhängig davon was am Markt gerade erhältlich ist. Spezialität des Hauses ist die hausgemachte Pasta und dass diese schmeckt, kann ich nur bestätigen.

Strand-Panorama Gardasee (c) Axel Flumm Strand-Panorama Gardasee (c) Axel Flumm

Abends falle ich zufrieden in mein Bett und schlafe am nächsten Tag erst mal so richtig aus. Frisch gestärkt mit einem tollen Frühstück bin ich bereit, in den Tag zu starten. Am Programm? Ein Stadtbummel durch die Gassen von Riva del Garda. Mit gerade mal 13.000 Einwohnern ist die Stadt nicht sonderlich groß, erfreut sich aber gerade im Sommer unter Touristen bei großer Beliebtheit. Doch schon jetzt füllen sich die Altstadtgassen mit immer mehr Touristen. Bunte Häuserfassaden, teils wahrlich enge Gassen und typische Souvenirläden verleihen Riva sein mediterranes Flair, das dolce vita, inmitten der umliegenden Berge. Und doch gibt es in Riva einen entscheidenden Unterschied zu den typisch italienischen Städten weiter südlich: die Ruhe. Lautes Gehupe und das stets chaotisch anmutende Geplauder der Italiener sucht man hier vergeblich. Alles ist etwas ruhiger als im Süden, fast so, als seien nicht genügend Italiener in der Stadt. Oder aber es liegt am österreichischen Einfluss aus früheren Zeiten, der hier noch zu spüren ist.

Frühlingserwachen am Gardasee (c) Mela Mörtenbäck -individualicious.com Frühlingserwachen am Gardasee (c) Mela Mörtenbäck -individualicious.com

Neben dem guten Essen und den kleinen Städtchen mit italienischem Flair spielt am Gardasee natürlich eines eine entscheidende Rolle: der See selbst. Und so locken die frühlingshaften Temperaturen bereits im März die ersten Surfer und Segler ins warme Italien. Von Frühling bis Herbst bietet der See zuverlässig die thermischen Winde Ora und Vento, welche das Treiben am See gehörig beeinflussen. Ist es in den Vormittagsstunden noch windstiller und ideal für Stand Up-Paddler und Anfänger, legt die Windstärke meist verlässlich zur Mittagszeit zu und treibt die Profis aufs Wasser. Ein kunterbuntes Treiben an Segeln, Surfbrettern und Kites, welches sich von der kilometerlangen Uferpromenande aus perfekt beobachten lässt.

Riva del Garda (c) Mela Mörtenbäck - individualicious Riva del Garda (c) Mela Mörtenbäck - individualicious

Doch nicht nur entlang des Sees gibt es lohnenswerte Ziele, auch ein Ausflug ins Hinterland lohnt sich. Wie etwa das Tenno-Tal mit dem Dorf Canale di Tenno. Ein Dorf, welches als Borghi più Belli d Italia zu den schönsten Dörfern Italiens gehört. Kopfsteinpflaster, Bogengänge und kleine Innenhöfe prägen das Dorfbild von Canale di Tenno, welches einen gefühlt in das 13. Jahrhundert zurückversetzt. In den 60er Jahren wurde das einst verlassene Dorf dank der Initiative einiger Künstler wiederbelebt, dennoch leben heute gerade mal zehn Familien dauerhaft in Canale. Im Sommer hingegen wird die Zahl der Bewohner schlagartig mehr. Dann, wenn jene Gäste an den Gardasee pilgern, um ihren Zweitwohnsitz in unmittelbarer Nähe zum See zu beziehen. Jetzt im Frühling streift man jedoch meist alleine durch die Gassen.
 
 
 
 

Mela Mörtenbäck

ist leidenschaftliche Weltenbummlerin mit einem Faible für außergewöhnliche Unterkünfte, charmante Cafés und kleine Läden. Auf individualicious erzählt sie von ihren Reisen – und noch ein bisschen mehr.

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