07.02.2016

Dort wo Tirol an Italien grenzt.


TRAVEL
Text — Jasmin Kreulitsch



Zerklüftete Berglandschaften vor den Augen, der intensive Geruch von Espresso in der Nase und italienische Sprachfetzen in den Ohren, seit man den Brennerpass und somit die Grenze zwischen Österreich und Italien überquert hat: Steigt man am Bahnhof in Brixen aus dem Zug, nimmt der Mix aus alpinem Charme und südländischem Flair einen sofort gefangen und man murmelt nahezu beseelt: Benvenuti a bressanone - Willkommen in Brixen!

Ich kenne keinen Menschen, der Italien nicht mag. Aber ich kenne viele Menschen, die noch nie in Südtirol waren. Ein großer Fehler, wie ich finde, denn nirgendwo sonst existieren italienische Lebensart und österreichische Geschichte so charmant nebeneinander. Von Innsbruck dauert es gerade mal eine Stunde mit dem Zug, bis man den Brennerpass hinter sich lässt und in Brixen ankommt. Die 22.000-Einwohner-Stadt gilt als älteste Stadt Tirols und liegt im malerischen Eisacktal; dort, wo man die gigantischen Dolomiten zwar erst erahnen kann, aber der alpine Charakter Südtirols längst spürbar und dank mediterranem Feeling auch ganz klar ist: Man ist in Italien angekommen.    

Malerisch: Die Altstadt mit ihren Gewölben und Laubengängen. (c) Jasmin Kreulitsch Malerisch: Die Altstadt mit ihren Gewölben und Laubengängen. (c) Jasmin Kreulitsch

Südtirol  ist die nördlichste Provinz Italiens und bildet zusammen mit Trient die autonome Region Trentino-Südtirol. Hier, wo österreichische Spuren nicht zu übersehen sind, aber auf italienischem Boden, startet man seinen Besuch am besten in den verwinkelten Gassen der Altstadt von Brixen, den so genannten Lauben. Was im 12. Jahrhundert als Idee für eine Straßenmarktanlage gebaut wurde, ist heute das Einkaufszentrum der Stadt, wo sich unter Gewölben und Laubengängen unzählige Geschäfte befinden. Am besten lässt sich treiben, schlendert hier um die Ecke, biegt da in einen Innenhof, denn Brixen ist perfekt, um es zu Fuß zu entdecken, zum Beispiel den Domplatz mit dem Brixner Dom, der mit seinen beiden Türmen als Wahrzeichen der Stadt gilt und mich jedes Mal mit seinen Farben und Fresken beeindruckt.

Beeindruckend: Der Brixner Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. (c) Jasmin Kreulitsch Beeindruckend: Der Brixner Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. (c) Jasmin Kreulitsch

Mindestens genauso farbenfroh ist die Stiftskirche des Kloster Neustift (Stiftsstraße 1, 39040 Vahrn), das in nur wenigen Minuten mit dem Citybus (Linie 2 oder 3) zu erreichen ist (Tipp: Viele Hotels bieten kostenlos die Brixencard an, mit der man in ganz Südtirol Busse und Züge nutzen kann). Ein Highlight auf dem weitläufigen Klostergelänge ist die Barockbibliothek der Augustiner Chorherren Neustift, die rund 96.000 Bücher beherbergt und einen nahezu magischen Anblick bietet. Doch keine Sorge, hier gibt’s nicht nur Geschichte und Kultur zu erleben: Im zugehörigen Klosterladen kann man Produkte aus der Region und dem Kloster kaufen, zum Beispiel Tee aus dem Klostergarten, und nebenan im Stiftskeller genießt man einen der vielen Eisacktaler Weine, die hier seit rund 850 Jahren angebaut werden.

Magisch: In der Barockbibliothek im Kloster Neustift kann man rund 96.000 Bücher bestaunen. (c) Jasmin Kreulitsch Magisch: In der Barockbibliothek im Kloster Neustift kann man rund 96.000 Bücher bestaunen. (c) Jasmin Kreulitsch

Bin ich nach meiner Portion Kultur dann in Shoppinglaune, schaue ich gerne bei Oehler (Kleinelauben 8, 39042 Brixen) vorbei und stöbere in den neuesten Trends bekannter Designer oder in der tollen Auswahl italienischer Schuhlabels im Schuhhaus Dissinger (Große Lauben 16, 39042 Brixen). Und wenn ich dann eine kleine Stärkung brauche, ist der beste Ort für Kaffee und Kuchen in der Cafè Konditorei Pupp (Altenmarktgasse 37, 39042 Brixen), wo jedes süße Schmankerl optisch und kulinarisch ein Genuss ist.

Trendy: Bei „Oehler“ finden Fashionistas immer etwas Passendes. (c) Jasmin Kreulitsch Trendy: Bei „Oehler“ finden Fashionistas immer etwas Passendes. (c) Jasmin Kreulitsch

Genuss wird in Brixen übrigens groß geschrieben: Viele der traditionellen Gasthäuser - um genau zu sein 32 - dürfen das Markenzeichen „Südtiroler Gasthäuser“ tragen. In dieser Gasthaus-Kooperation stehen die Südtiroler Küche und einheimische Produkte, die an die jeweilige Saison angepasst sind, im Vordergrund, zum Beispiel im Familienbetrieb Fink (Kleinelauben, 4, 39042 Brixen). Außerdem ist bei jedem Brixen-Besuch ein Besuch beim Finsterwirt (Domgasse 3, 39042 Brixen) bei mir Pflicht. Seit kurzem gibt es nebenan eine Vinothek, das Vitis (Domgasse 3, 39042 Brixen): In meinen Augen der ideale Ort für einen Aperitivo, der in Südtirol einfach vor jedem Essen dazu gehört. Salute!

Kulinarisch: Der „Finsterwirt“ ist eines der besten Lokale in Brixen. (c) Jasmin Kreulitsch Kulinarisch: Der „Finsterwirt“ ist eines der besten Lokale in Brixen. (c) Jasmin Kreulitsch

Im Winter dreht sich im Eisacktal aber auch viel um den Pistenspaß, den man auf der Plose, dem Hausberg von Brixen, genießt. Die Pisten sind geeignet für jedes Level, ein Tagespass kostet ca. € 34. Und wer ein Skimuffel ist, kann den weißen Berg ganz anders runtersausen, nämlich auf einer der längsten Rodelbahnen Südtirols! „RudiRun“ ist insgesamt 10,5 km lang und hat einen Höhenunterschied von 979 Metern; die Fahrt auf dem Schlitten nach unten dauert ca. 30 Minuten. Aber keine Sorge: Wem das zu lang ist, der stoppt einfach bei einer der Hütten, an der man vorbeikommt, denn eine Portion Hüttenzauber gehört in Südtirol eben auch dazu – ebenso wie die typischen Schlutzkrapfen. Erst, wenn ich die gegessen habe, bringe ich es über das Herz, in den Zug zu steigen und nach Hause zu fahren. Aber ich komme garantiert wieder …

Traditionell: Schlutzkrapfen sind ein Muss bei einem Besuch in Südtirol. (c) Jasmin Kreulitsch Traditionell: Schlutzkrapfen sind ein Muss bei einem Besuch in Südtirol. (c) Jasmin Kreulitsch

 
 
 
 

Jasmin Kreulitsch
Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken.
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