27.12.2015

Im grünen Bereich - umweltbewusst in die Hohen Tauern


ACTIVE
Text — Irene Hanappi



Wie wäre es, das Urlaubsziel nicht nach eigenen Vorlieben auszuwählen, sondern nach dem Verbrauch an CO2, der mit der Reise dorthin verbunden ist? Ein Urlaub nicht nur im Grünen , sondern im grünen Bereich energiepolitisch gesehen. Der Verein Alpin Pearls hat sich dazu Einiges einfallen lassen.

Neukirchen am Großvenediger liegt inmitten des Nationalparks Hohe Tauern und ist seit fast zehn Jahren Mitglied der Alpine Pearls, einer Vereinigung von 27 Gemeinden, die es ihren Gästen leicht machen wollen, auf das Auto zu verzichten. Dass der Ort mit einer nostalgischen Schmalspurbahn von Zell am See aus erreichbar ist, macht die Anreise einfacher. Selbst Eisenbahn-Neulinge werden sich dem Reiz des Dahinschaukelns vor romantischer Kulisse nicht entziehen können. Die Fahrt dauert knapp eine Stunde und bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometer bleibt genügend Zeit, sich auf kommende Ferienabenteuer einzustellen. Neukirchen am Großvenediger ist stolz auf seinen Hochseilgarten. Alles, was die Lust am Gehen steigert und dazu gehört auch das Balancieren zehn Meter über dem Erdboden wird in dem Salzburger Feriendorf gefördert. Wer keine Bergschuhe besitzt, kann sie ausborgen, wer den Kinderwagen daheim lassen will, bekommt einen geländetauglichen Buggy geliehen oder schultert eine der Kinder-Buckel-Kraxn. Im Winter stehen neben der Skiausrüstung auch Schnee- und Eislaufschuhe bereit. National Park Ranger nehmen die Gäste mit zur Wildtierfütterung. Auf dem Rücken der braven Pinzgauer Pferde wird die winterweiße Landschaft erkundet und sobald es dämmert, versammelt man sich zum Eisstockschießen. Nach dem Abendessen folgt ein hurtiges Mugel-auf-Mugel-Ab auf der längsten beleuchteten Naturrodelbahn Europas. Neukirchen_am_Großvenediger Dabei fungiert die Wildkogel Card als Sesam-Öffne-Dich. Sie erschließt die ganze Fülle autofreier Freizeitaktivitäten von der idyllischen Pinzgauer Lokalbahn, über den Postbus und das Wandertaxi bis hin zur Panoramabahn. Urlaub vom Auto fast 20 Jahre ist es her, seit das österreichische Umweltministerium diese Parole ausgegeben und für ihre Umsetzung Fördergelder ausbezahlt hat. Zwei EU-Projekte ( Alps Mobility und Alps Mobility 2 ) später waren die Alpine Pearls gegründet ein Verein, der heute Orte in Österreich, Deutschland, Italien, Frankreich, Slowenien und der Schweiz vereint. wildkogel-arena-2015-winter (c) Wildkogelarena Hoch oben am Hochseilgarten von Neukirchen am Großvenediger stellen wir fest, dass das Balancieren auf einem Seil nicht unbedingt zu unseren natürlichen Befähigungen gehört. Einen Fuß vorsichtig vor den anderen setzen, die Bauchmuskeln anspannen, ja nicht nach unten schauen, immer nur nach vorne... _ die ersten Gehversuche auf dem Seil sind von kleineren und größeren Adrenalinschüben begleitet. Wie ein Mantra wiederholen sich die Worte im Kopf, bis endlich am anderen Ende die sichere Plattform wieder auftaucht. Umweltfreundliche Mobilitätsgarantie ist für jede der Alpin Pearls Pflicht, das heißt, weder für die Anreise noch für die Aktivitäten vor Ort wird ein eigenes Auto gebraucht. Als Shuttles kommen Elektrobusse zum Einsatz oder Fahrzeuge mit modernen, abgasvermindernden Antriebstechniken. Öko-kompatibles Reisen wird also von den Alpin Pearls den Feriengästen nicht nur ans Herz gelegt, sondern vor Ort auch vorgelebt. Und so stellen wir bei unserer Rückreise, während die Schmalspurbahn nach Zell am See gemütlich dahinschaukelt, fest, dass wahrer Luxus halt nicht im Kauf teurer Produkte, sondern im Auskosten der Einfachheit besteht.
 
 
 
 

Irene Hanappi
ist Reisejournalistin. Sie schreibt für „Die Presse“, „Der Feinschmecker“, „Der Standard“ uva. Sie hat Reiseführer zu Pressburg, Brünn, Prag und Linz (alle im Falter Verlag) verfasst.
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