08.11.2015

From London to Corbridge


TRAVEL
Text — Paul Priestman



I have always enjoyed travelling by train. There s something almost poetic about it, it allows you to experience a country s culture in a way that other modes of transport don t allow. It also enables you to get a sense of a country s character, which I think is often more evident when going through the countryside. With globalisation, many city centers around the world are starting to look similar, but the countryside always retains a strong identity. (FÜR DIE DEUTSCHE ÜBERSETZUNG BITTE NACH UNTEN SCROLLEN!)

I remember many years ago travelling across Russia on the Trans Siberian Express. The journey gave me a nostalgic view of train travel, which was all about the experience. I think across the board, this is something that has been lost over the last couple of decades, largely as a result of air travel becoming the norm. I m keen to bring back this sense of going on a journey to rail travel, and am fortunate to be in a position where as a transport designer and the Global Creative Director of one of the largest rolling stock manufacturers, I m able to influence that development. One of my favourite rail journeys is at home in the UK, from London to Corbridge in the North of England, where I travel to regularly. My wife is from there and in 2007 we purchased a piece of land with an old farmhouse and decided to renovate it and return the land to its original state. Our intention was for the farmhouse to become a model of low-impact development, using local architects, craftsmen and builders, and the greenest possible technologies. The house is completely off-grid and today we produce more energy than we consume, which means we re able to sell it back to the energy companies. It shows that even old buildings can be made to be efficient. 200 acres of land surround the farmhouse. Used as farmland for the last 100 years, we wanted to return it to its original state of woodland, so we worked with the forestry commission to identify native species of trees and so far have planted over 100,000 trees. Nearly ten years later, it s starting to look like a forest again, which is immensely rewarding. the growing trees (c) Paul Priestman The journey itself from London to Newcastle is very interesting. Kings Cross and St Pancras stations have seen so much development in recent years, it s a great place to travel from. The whole passenger experience has been immensely improved. The journey takes about three hours and takes you through beautiful British countryside as well as more industrial areas. For me it acts as a reminder of the importance of rail development to the economy, a vessel for investment into more rural areas and facilitates the creation of jobs in more secluded parts of the country. Furthermore, development in rail lines makes train travel a viable option for passengers, and is key in developing a more sustainable economy. With urban centers around the world growing, we must invest in mass transit in order to move people more efficiently. The scenery combined with the peace and quiet that rail journeys offer allows me to think about the work that I do. I m always thinking of the next big idea, identifying problems around me that design can solve. Durham Cathedral (c) Paul Priestman   From Newcastle, Corbridge is about an hour s drive away. It s so deep in the countryside that there is currently no other option for the last leg of the journey than to take a car or a bus. There isn t even any mobile signal there, which is one of the things I like about it. It enables you to take a complete break from your busy life and reconnect with what s most important: people and nature.   Deutsche Übersetzung Die Poesie des Reisens -  von London nach Corbridge Ich habe immer gerne Reisen mit der Bahn unternommen. Diese Art des Reisens hat fast etwas Poetisches an sich und man lernt auf diese Weise die Kultur eines Landes besser kennen als mit irgendeinem anderen Transportmittel. Man bekommt auch einen Eindruck vom Charakter eines Landes, der besser zur Geltung kommt, wenn man übers Land fährt. Durch die Globalisierung sehen viele Stadtzentren rund um den Globus zunehmend ähnlich aus; das Land selbst behält jedoch immer noch seine besonderen Eigenarten. Ich erinnere mich an eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Russland, die ich vor vielen Jahren unternahm. Damals bekam ich einen nostalgischen Eindruck davon, wie früher Reisen gewesen sein mussten, nämlich ein besonderes Erlebnis. Ich glaube, dass dies generell in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen ist, vor allem, seit Flugreisen die Norm geworden sind. Ich möchte unbedingt dieses Gefühl auf Reisen zu gehen wieder zum Leben erwecken und da ich in der glücklichen Lage bin, der Transport Designer und Global Creative Director einer der größten Schienenfahrzeughersteller zu sein, kann ich diese Entwicklung beeinflussen. Eine meiner liebsten Bahnstrecken zu Hause in England ist jene von London nach Corbridge im Norden des Landes, wohin ich regelmäßig fahre. Meine Frau stammt aus der Gegend und im Jahr 2007 kauften wir uns dort ein Grundstück mit einem alten Bauernhaus und beschlossen, das Haus zu renovieren und das Grundstück wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Das Bauernhaus sollte ein Beispiel für eine sanfte Entwicklung sein, indem wir lokale Architekten, Handwerker und Baumeister beauftragten und die umweltschonendsten Techniken anwenden wollten. Das Haus ist in Bezug auf Energie vollständig autark und wir produzieren heute mehr Strom als wir verbrauchen, so dass wir Strom an Energieversorger weiterverkaufen können. Das zeigt, dass sogar alte Bausubstanz so ausgestattet werden kann, dass sie energieeffizient ist. Das Grundstück rund um das Bauernhaus hat eine Fläche von etwa 80 Hektar. Es wurde in den letzten 100 Jahren landwirtschaftlich genutzt, wir wollten es jedoch in den ursprünglichen bewaldeten Zustand zurückversetzen. Wir setzten uns mit der Forstverwaltung in Verbindung, um die heimischen Baumarten zu identifizieren; mehr als 100.000 Bäume haben wir bis heute gepflanzt. Jetz, nach fast zehn Jahren, beginnt das Land wieder wie ein Wald auszusehen, was sich mehr als gelohnt hat. (c) Paul Priestman Die Reise von London nach Newcastle selbst ist äußerst interessant. Kings Cross und St Pancras, die beiden Bahnhöfe, haben sich in den letzten Jahren zu wunderbare Ausgangspunkte für Bahnfahrten entwickelt. Für Fahrgäste ist der Aufenthalt hier deutlich angenehmer als früher. Die Fahrt dauert ungefähr drei Stunden und führt durch wunderschöne englische Landschaft und durch industriell geprägte Gegenden. Sie ruft in Erinnerung, wie wichtig die Entwicklung der Eisenbahn für die Wirtschaft als Motor für Investitionen in ländlicheren Gebieten ist und dass dadurch leichter Arbeitsplätze in entlegeneren Teilen des Landes geschaffen werden. Gute Eisenbahnverbindungen machen Reisenden ein attraktives Angebot und sind entscheidend für die stärkere Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft. Da die Ballungsräume weltweit immer größer werden, müssen wir stärker in den öffentlichen Verkehr investieren, um ihn effizienter zu gestalten. Dieses Szenario und gleichzeitig die Ruhe, die eine Fahrt mit dem Zug bietet, lassen mich gut über meine Arbeit nachzudenken. Ich widme mich der nächsten großen Idee und versuche Probleme, die rundherum auftauchen, durch entsprechendes Design zu lösen. Corbridge ist von Newcastle ungefähr eine Autostunde entfernt. Es liegt so abseits, dass man den letzten Teil der Strecke mit dem Auto oder mit dem Bus fahren muss. Hier kann ich nicht einmal Signale für meine mobilen Geräte empfangen etwas, das ich besonders schätze. Dadurch hat man die Möglichkeit, sich völlig aus seinem hektischen Leben zurückzuziehen und wieder mit dem Wichtigsten in Kontakt zu kommen: mit Menschen und mit der Natur.      
 
 
 
 

Paul Priestman
ist Designer und Mitbegründer des Designstudios Priestmangoode in London. Seit über 25 Jahren arbeitet er nach dem Prinzip, dass es bei Design nicht um Styling geht, sondern darum Dinge zu verbessern. Derzeit arbeiten Paul und das Team von PriestmanGoode an der nächsten Generation der ÖBB-Fernverkehrszüge.
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