16.11.2018

Weimar: Goethe mal anders


KULTUR ENTDECKEN
Autor — Jasmin Kreulitsch



Weimar kennt jeder aus dem Deutschunterricht. Doch die Erinnerung an manch fade Schulstunde ist in der Realität eine bezaubernde Kleinstadt, in der man sich auf die magischen Spuren von Johann Wolfgang von Goethe begeben kann - kulturell, kulinarisch und manchmal auch kurios.

Goethes große Gefühle: Liebesbriefe im Gartenhaus

Als Johann Wolfgang von Goethe 1775 nach Weimar kam, organisierte ihm Herzog Carl August nicht nur hohe Regierungsämter und einen kaiserlichen Adelsbrief, sondern auch ein Haus. Direkt am historischen Frauenplan in Weimar, auf dem schönsten Platz der Stadt. Wo heute Touristen über malerische Fachwerkhäuser staunen, lebte Goethe 50 Jahre lang.

So glücklich Goethe dort war, zog es ihn aber immer in die Natur. Als er im Park am Ilmhang nicht weit vom Zentrum ein Gartenhaus entdeckte, war er Feuer und Flamme. 1776 kaufte er es, zumindest offiziell: Wieder war es Herzog Carl August, der seinem Freund ein großzügiges Geschenk machte.

Damals ahnte niemand, dass der Dichter hier seine romantischsten Worte zu Papier bringen sollte. In Weimar lernte Goethe seine Muse Charlotte von Stein kennen. Und obwohl nie bewiesen wurde, dass die beiden mehr als eine Freundschaft verband, war die Liebe von Seiten Goethes groß: Im Gartenhaus schrieb er die meisten seiner Briefe an Charlotte, insgesamt sind 1.770 Briefe und Zettelchen überliefert. Dass dich beim Besuch von "Goethes Gartenhaus" jede Menge Romantik erwartet, ist daher klar (Park an der Ilm, Eintritt: EUR 6,50). Wer weiß, vielleicht schreibst du danach auch einen Liebesbrief?

Goethe auf dem Teller: Seine Leibspeisen essen

Die schönsten Seiten in Weimar zeigen sich nicht nur zwischen Büchern, sondern auch auf dem Tisch - wieder inspiriert von Goethe. Der war alles andere als ein Kostverächter und hat leidenschaftlich gerne gegessen. Das weiß man heute deshalb, weil Goethe zum einen viel notiert hat, zum anderen aber auch, weil seine Großmutter ein Kochbuch geschrieben hat. Daraus wurden seine Leibspeisen rekonstruiert. Und das waren einige. Das Tolle bei einem Trip nach Weimar: Du hast die Möglichkeit, diese historisch überlieferten Schmankerln zu kosten.

Im Restaurant "Der weiße Schwan" (Frauentorstraße 23) steht "Goethes Lieblingsgericht" auf der Karte: Gekochtes Rindfleisch, dazu gibt es Grüne Soße, Dillkartoffeln und Rote-Bete-Salat. Goethe selbst wohnte nebenan und aß oft in dem alteingesessenen Lokal.

Ein komplettes Goethe-Menü gibt es im "Alt Weimar" (Prellerstraße 2). Hier schmaust du auf Weimarer Porzellan Sardellensalat, Fleischbrühe mit Pasteten, Wildbraten mit Morchelsoße und Fränkischen Knöpflein und das Dessert Nonnen Fürtz. Der Name hat übrigens keinen unartigen Hintergrund: "Nonnen Fürtz" ist lediglich ein mittelalterlicher Ausdruck für ein süßes "Meisterwerk der Nonnen" - und schmeckt auch so.

Goethe im Einkaufssackerl: lustige Souvenirs

Die lustigste Seite von Goethe findest du in Weimar beim Souvenir-Shopping, denn der Dichterfürst hat viele Kreative inspiriert. Das ausgefallenste Mitbringsel ist eine Playmobil-Figur von Goethe: Die gibt es nur in Thüringen zu kaufen. Warum? Weil der Playmobil-Gründer auch aus dem Freistaat stammt und seine berühmten Landsleute in kleinen Spielfiguren lebendig werden ließ. Kaufen kannst du den Playmobil-Goethe zum Beispiel in der "Tourist Information Weimar" (Markt 10).

Ein anderes Souvenir mit viel Schmäh ist Ginkgo-Tee. Die Pflanze wurde durch Goethes Gedicht "Ginkgo biloba" berühmt, heute shoppst du in Weimar im "Ginkgo Shop" (Windischenstraße 1) lustige Mitbringsel und den Ginkgo-Tee.

Auch der "Weimar Haus Shop" (Schillerstraße 16) ist eine super Adresse für kreative Goethe-Andenken. In dem großen Geschäft stöberst du garantiert lange zwischen den kreativen Mitbringseln. Besonders ausgefallen sind zum Beispiel eine Goethe-Badeente, Goethe-Buchstützen oder der Verlaufsschlager: Salz- und Pfeffer-Streuer der beiden Literatur-Kumpels Goethe und Schiller.

Entspannt zu Goethe reisen: Dank der neuen ICE-Verbindung zwischen Wien und Berlin ab dem 10. Dezember erreichst du nach 5:47 Stunden Erfurt Hauptbahnhof. Von hier geht es in 15 Minuten mit der Deutschen Bahn nach Weimar.

 
 
 
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