17.06.2018

Romeo und Julia auf Abwegen: 7 Hot-Spots in Verona, an denen man Touristen aus dem Weg gehen kann


Autor — Jasmin Kreulitsch



Die romantischsten Plätze in Verona? Garantiert all jene, die nichts mit Romeo und Julia zu tun haben. Die zwei Liebenden haben die italienische Stadt zwar berühmt gemacht, doch wer deshalb nach Verona kommt, ist keinesfalls alleine: Um den Touristenmassen zu entgehen, muss man um die Ecke gehen, ausgetretene Pfade verlassen - und auch mal früh aufstehen.

1. Auf den richtigen Balkon schauen in Verona


Einer der meistbesuchten Orte in Verona  ist mit 1,5 Millionen Menschen pro Jahr die „Casa da Giulietta“ in der Via Cappello 23. In einem Gebäude aus dem 13. Jahrhundert befindet sich ein kleiner Innenhof, in dem jener Balkon zu sehen ist, der Verona so berühmt gemacht hat und von dem Touristen heute eine ordentliche Dosis Romantik erwarten. Die Realität ist aber eine andere: Statt Liebe gibt’s hier Hektik und Wartezeiten, denn der Innenhof ist voller Touristen, die alle Schlange stehen, um auf dem berühmten Balkon (Ticket um € 6,50/Person) Fotos zu machen. Wer hier alleine sein möchte, hat nur eine Chance: Früh aufzustehen und bereits vor Ort zu sein, wenn täglich außer Montag um 8:30 Uhr die Tore geöffnet werden. Wer das nicht schafft, tröstet sich am besten mit dem Wissen, dass der Balkon herzlich wenig mit der berühmten Geschichte von Shakespeare zu tun hat. Mal abgesehen davon, dass dieser nie in Verona war, wurde der Balkon auch erst nachträglich eingebaut. Deshalb stillt man seine Sehnsucht nach romantischen Balkonszenen in Verona am besten, indem man die Augen nach oben richtet. Die Stadt ist voller Gebäude mit verspielten Balkonen. Bei einem Spaziergang durch die schmalen Gassen und dem Blick nach oben bekommt man mehr Romantik zu sehen, als man je in der „Casa da Giulietta“ empfinden könnte.



Der berühmte Balkon der „Casa da Giulietta“ ist selten leer. (c) Jasmin Kreulitsch



Beim Eingang zur „Casa da Giulietta“ hängen viele Liebesschlösser (c) Jasmin Kreulitsch



Die schönsten Balkone in Verona entdeckt man im historischen Zentrum. (c) Jasmin Kreulitsch

 

2. In Verona in die entgegengesetzte Richtung gehen


Ganz egal ob die „Casa da Giulietta“ oder die berühmte Arena von Verona (nach dem Kolosseum in Rom übrigens das am besten erhaltene und zweitgrößte Amphitheater der Welt): Wer Romantik sucht, sollte die zwei touristischsten Plätze in Verona im Kurzdurchlauf anschauen und dann abbiegen – genau da hin, wo keiner hinzugehen scheint. Die Altstadt von Verona ist kompakt und super zu Fuß zu erkunden. Am besten ignoriert man Stadtplan oder Google Maps und geht einfach drauf los. Von den belebten Straßen biegen unzählige Gassen ab, die viele Touristen scheuen, die sich an ein striktes Programm halten. So kann man in nur wenigen Minuten vom lauten Treiben entfernt in einer schmalen Gasse landen, in der kein Mensch zu sehen ist. Und natürlich gilt auch hier wie bei den meisten Städten: Wer allein sein oder eine Stadt ohne Menschen erkunden und fotografieren möchte, muss früh aufstehen und unterwegs sein, bevor die Läden öffnen und die Stadt erwacht (zum Beispiel direkt nach der Ankunft mit dem Nightjet aus Wien um 6:24 Uhr).



Wer Touristenmassen vermeiden möchte, muss in Verona gegen den Strom spazieren. (c) Jasmin Kreulitsch



Vor allem morgens kann man Verona ganz für sich haben. (c) Jasmin Kreulitsch



Je weiter man sich von touristischen Plätzen entfernt, umso weniger Menschen begegnet man in Verona. (c) Jasmin Kreulitsch

3. Verona von den Brücken aus erkunden


Da der Fluss Etsch in einem Bogen um die Innenstadt von Verona fließt, gibt es insgesamt sieben Brücken im historischen Zentrum, die die beiden Ufer der Etsch miteinander verbinden. Die schönsten sind die Ponte Scaligero, die im Mittelalter errichtet wurde, und die Ponte Pietra, eine römische Bogenbrücke. Zwar nutzen viele Touristen gerade die Ponte Pietra, um zum Castel San Pietro zu gelangen, die Brücken und die Stadt auf der anderen Etsch-Seite sind aber generell weniger voll als die Innenstadt. Vor allem verteilen sich die Besucher auf alle Brücken der Stadt. Gute Chancen, alleine über eine Brücke zu flanieren, hat man in der Früh oder kurz vor Sonnenuntergang, wenn die meisten schon beim Abendessen sitzen.



Im historischen Zentrum von Verona gibt es sieben Brücken. (c) Jasmin Kreulitsch



Die Ponte Scaligero wurde bereits im Mittelalter errichtet. (c) Jasmin Kreulitsch



Vom Ufer der Etsch aus hat man einen tollen Blick auf das Castel San Pietro. (c) Jasmin Kreulitsch

4. Verona von oben erleben


Apropos Castel San Pietro: Das Schloss aus dem Jahr 1398 thront auf dem Colle San Pietro und bietet ganz klar den schönsten Blick auf die Stadt. Das wissen zwar alle Touristen, die nach Verona kommen, aber es gibt einen Trick, um den Menschenmassen zu entgehen: Die meisten Touristen nehmen die Seilbahn (beim Teatro Romano, Ticket um 2 EUR/Person) und ahnen nicht, dass gerade der Weg nach oben malerisch ist: Direkt nachdem man die Ponte Pietra überquert hat, schlängeln sich unzählige Stufen zwischen in Pastellfarben gestrichenen Häusern auf den Hügel; es dauert nur eine Viertelstunde, bis man oben an der Aussichtsplattform ankommt. Belohnt wird man nicht nur mit einem tollen Blick über die Stadt, sondern auch mit einer Portion Einsamkeit auf dem Weg nach oben.



Der Fußweg zum Castel San Pietro führt über viele Stufen. (c) Jasmin Kreulitsch



Oben angekommen, wird man mit einem malerischen Blick auf Verona belohnt. (c) Jasmin Kreulitsch



Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch genießt den Blick auf Verona. (c) Jasmin Kreulitsch

5. Statt der Piazza delle Erbe zum Palazzo della Ragione in Verona


Im historischen Zentrum von Verona ist vor allem auf der Piazza delle Erbe viel los: Der Platz, auf dem tagsüber der Obst- und Gemüsemarkt stattfindet, ist eingerahmt von malerischen Stadt- und Renaissancepalästen. Die meisten Touristen halten sich aber nur auf der Piazza delle Erbe auf, anstatt in eine der Seitengassen abzubiegen. Nur wenige Schritte entfernt stößt man hier auf Ruhe und Einsamkeit. Einer der schönsten Orte in unmittelbarer Nähe der Touristenströme ist der Palazzo della Ragione, auch Gemeindepalast genannt. Tritt man hier unter dem Torbogen hindurch, entdeckt man einen Innenhof mit einem romantischen Highlight: der Scala della Ragione, der Treppe der Vernunft. Die im gotischen Stil erbaute Treppe trägt ihren Namen, weil sie bis vor zwei Jahrhunderten zum Gericht führte. Das einzige Urteil, das man heute hier fällt, ist, dass der Palazzo della Ragione einer der schönsten und romantischsten Plätze Veronas ist.



Zum Palazzo della Ragione verirren sich nicht viele Touristen. (c) Jasmin Kreulitsch



Hier findet man Ruhe in einem schönen Innenhof. (c) Jasmin Kreulitsch



Besonders romantisch: die Scala della Ragione. (c) Jasmin Kreulitsch

6. Romeo und Julia kulinarisch begegnen in Verona


Bei einem Städtetrip kommt unweigerlich der Moment, wo man eine Pause und vor allem eine Stärkung braucht. In Verona gibt es jede Menge Restaurants und Cafés, hier gilt die klassische Reise-Regel: Lokale an touristischen Plätzen meiden, schauen, wohin die Einheimischen gehen, und vor allem Lokalitäten ansteuern, die abseits der ausgetretenen Pfade liegen. Dann findet man süße kleine Cafés oder Restaurants, in denen man keine überhöhten Touristenpreise zahlt und traditionelle Küche kosten kann. Das eindeutig romantischste Schmankerl findet man in der Pasticceria Cordioli: Der Familienbetrieb bietet schon seit 1910 ausgezeichneten Kaffee und viele süße Versuchungen (mehr als 60 verschiedene Sorten!), der Verkaufsschlager dreht sich um Romeo und Julia: Die Rezepte der Kekse „Baci di Giulietta“ (deutsch: Kuss von Julia) und „Sospiri di Romeo“ (deutsch: Seufzer von Romeo) sind streng geheim – und das zu Recht: Besser und romantischer kann es in Verona gar nicht schmecken!



Ein Kaffee mit Herz ist in Verona ein Muss! (c) Jasmin Kreulitsch



Süße Versuchung: die Kekse „Baci di Giulietta“ und „Sospiri di Romeo“ der Pasticceria Cordioli. (c) Jasmin Kreulitsch



Die Rezepte der romantischen Kekse sind streng geheim. (c) Jasmin Kreulitsch

7. Romantisch übernachten in Verona


Keine Frage: Um mit den vielen Touristen zurechtzukommen, bietet Verona unzählige Hotels in jeder Preisklasse. Wer seinen Urlaub in Verona allerdings romantisch gestalten möchte, sollte Hotelketten vermeiden und sich auf die individuellen und kleineren Hotelkonzepte konzentrieren. Ein großartiges Beispiel für Charme, Persönlichkeit und Romantik ist das kleine Boutiquehotel Il Relais. Im ersten Stock eines Palazzos aus dem 19. Jahrhundert im Herzen Veronas gelegen, findet man lediglich vier Zimmer – die können sich aber sehen lassen. Von der liebevollen Einrichtung bis hin zum Frühstücksgeschirr: Hier wurde wohl überlegt, wie man Gäste beeindrucken kann. Besonders toll ist nicht nur, dass die Zimmer über romantische Wintergärten und Balkone verfügen, sondern auch das liebevolle Frühstück. Und sogar das hat einen romantischen Geschmack!



Romantisches Zimmer im Boutiquehotel Il Relais. (c) Jasmin Kreulitsch



Besonderes Highlight: Jedes der vier Zimmer hat einen Wintergarten oder einen Balkon. (c) Jasmin Kreulitsch



Ein Frühstück wie aus dem Bilderbuch! (c) Jasmin Kreulitsch

 

Anreise: Am entspanntesten reisen Sie mit dem ÖBB-Nighjet!

 
 
 

Jasmin Kreulitsch

Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken. Mehr davon auf kosmopoetin.com

Weitere Stories

Kulturherbst in Österreich
 
Schöne Aussichten
 
Wunderbar wanderbar
 
Erstklassig unterwegs