07.02.2018

Faire Ferien: 7 nachhaltige Orte in Brescia


TRAVEL
Text — Jasmin Kreulitsch



Mailand, Rom oder Florenz, dazu unzählige Stranddestinationen an der Adria: Viele Italien-Urlauber zieht es in die größten Städte und an die schönsten Strände, dabei hat das Land mehr zu bieten als die typischen Touristenklassiker – zum Beispiel die 200.000-Einwohner Stadt Brescia, wo fairer Tourismus groß geschrieben wird. 7 Ideen, wie man in der grünsten Stadt der Lombardei nachhaltig Urlaub machen kann.

 

1. Kultur nachhaltig genießen in Brescia



Eines der buntesten Fotomotive im „Museo Santa Giulia“ ist der Nonnenchor mit seinen Fresken. (c) Jasmin Kreulitsch



Das „Kreuz des Desiderius“ stammt aus dem 8. Jahrhundert und hängt heute in der Abtei San Salvatore. (c) Jasmin Kreulitsch



Im „Museo Santa Giulia“ lohnt sich der Blick nach oben: Immer wieder stößt man auf kleine Wunder. (c) Jasmin Kreulitsch

Viel zu oft hetzt man durch eine Stadt, um alle Sehenswürdigkeiten zu sehen – dabei bleibt aber der Spaß zu oft auf der Strecke. In Brescia (www.bresciatourism.it) kommt man gar nicht erst dazu, in Hektik zu verfallen: Die Stadt steckt nicht nur voller kultureller Schätze, besagte Schätze ziehen sich über riesengroße Gelände, sodass man gar nicht anders kann, als sich Zeit zu nehmen. Das Vorzeigeobjekt ist ganz klar das „Museo Santa Giulia“ (Via dei Musei 81; Eintritt € 10): Auf 14.000 m2 erstreckt sich ein gigantischer Klosterkomplex, der 753 n. Chr. auf Wunsch des langobardischen Königs Desiderio angelegt wurde. Hier spaziert man gemütlich zwischen Kirchen, Hallen, Häusern und Gärten und staunt über historische Überbleibsel, die bis in die Bronze- und Eisenzeit zurückreichen. Weil das Gelände so riesig ist, kann man gar nicht durchhetzen, sondern muss sich Zeit nehmen.

 

2. Zeit lassen lernen in Brescia



Die größte Ansammlung von Überresten der römischen Epoche in der Lombardei findet man in Brescia, zum Beispiel den Tempio Capitolino. (c) Jasmin Kreulitsch



Die Römer kamen schon 225 v. Chr. nach Brescia. Heute bestaunt man unterirdisch Bodenmosaike, Wandmalereien, Fresken und komplette römische Wohnungen.



Sogar die Straßen in Brescia sind Kunst, vor allem am Corso Palestro.

Apropos Zeit: Dass es wichtig ist, sich Zeit zu lassen, lernt man in Brescia unter anderem in der „Aula Occidentale“, ein paar Meter unter der Erde der Republikanischen Kultstätte in Brescia. Kommt man unten beim Eingang an, wird man sogar dazu aufgefordert, sich Zeit zu lassen – und muss ein paar Minuten warten, bevor man die Ausgrabungsstätte mit Fresken, Mosaikböden, korinthischen Säulen und elfenbeinfarbenem Putz bestaunen darf. Warum? Weil viele der archäologischen Funde mit Bienenwachs und Olivenöl poliert wurden, um die Oberflächen glänzender zu machen, muss der Staub, den man von der Straße mit herunterbringt, erst mal sacken. Deshalb muss man warten – und lernen, sich Zeit zu lassen bei der Entdeckungstour durch Brescia.

 

3. Slow Food in Brescia genießen



Im Restaurant „El Licinsì di KilometriZero“ achtet man darauf, dass die Zutaten so wenige Kilometer zurücklegen wie möglich. (c) Jasmin Kreulitsch



Die lokale Spezialität in Brescia: Casoncelli, eine Art Ravioli.

Im Urlaub genießt man gerne, vor allem in Italien, im Land von Pasta und Pizza. Auch in Brescia kann man sehr gut essen – und das vor allem fair. Denn in der Lombardei gibt es in Sachen Kulinarik einen starken Fokus auf Slow Food (www.slowfood.it/lombardia). Das bedeutet: genussvolles, bewusstes und regionales Essen – also die Gegenbewegung zum klassischen Fastfood. Was viele nicht wissen: Der Trend geht zwar schon länger rund um die Welt, erfunden wurde er aber in Italien von Carlo Petrini, der 2006 die Grundbegriffe der „Neuen Gastronomie“ als Maßstab definierte: buono, pulito e giusto – gut, sauber und fair. In Brescia ist das Vorzeigeobjekt in Sachen Slow Food das Lokal „El Licinsì di KilometriZero“ (Via Monte Grappa 15/A): Hier wird nur mit Lebensmitteln aus der Region gekocht und die Einrichtung besteht aus recycelten Möbeln. Das Ziel des Teams ist es, dass die Zutaten so wenige Kilometer zurücklegen wie möglich. Auf der Speisekarte steht unter anderem die lokale Spezialität der Stadt: Casoncelli sind eine Art Ravioli mit einer Fülle aus Salami, Spinat, Eiern, Maronen, Sultaninen, Käse und Petersilie.

 

4. Fair kochen in Brescia



Der Lebensmittelladen „Le Sfuse“ ist der erste Zero­Waste­Shop in Brescia. (c) Jasmin Kreulitsch



Hier kauft man alles in Bio-Qualität und ohne Verpackung.



Pasta gibt es nicht in Plastikverpackung, sondern zum Selberabfüllen.

Manchmal möchte man im Urlaub nicht jeden Abend ins Restaurant gehen, sondern sich auch mal selbst versorgen, deshalb heißt es dann, den richtigen Supermarkt zu finden. In Brescia gibt es davon eine ganze Menge, einer sticht jedoch besonders hervor: „Le Sfuse“ (Via San Faustino 31a) ist der erste Zero­Waste­Shop in Brescia. Hier bekommt man alles, was man im Alltag braucht, kauft aber völlig verpackungsfrei ein und kann sich die Lebensmittel sogar liefern lassen – nachhaltig mit dem Fahrrad transportiert. Außerdem sind natürlich alle Waren bio und kommen aus der Region.

 

5. Nachhaltig shoppen in Brescia



Jedes Stück, das man bei „Ce l’ho solo io“ kaufen kann, gibt es nur ein einziges Mal. (c) Jasmin Kreulitsch



Im Laden „Fabrique“ sind alle Stücke selbst genäht.



Beim Laden „Fairmade – Storie da indossare“ (Corso Palestro 45) gibt es zu jedem Kleidungsstück eine passende Geschichte.



Bei „Secondo Mano“ bekommt man die schönsten Designerstücke aus zweiter Hand.

In einer 200.000-Einwohner-Stadt wie Brescia findet man natürlich die üblichen Verdächtigen in Sachen Modelabels, wer aber auch beim Shopping ein gutes Gewissen haben möchte, kann auf nachhaltige Entdeckungstour gehen. Im Shop „Ce l’ho solo io“ (Via Fratelli Porcellaga 13) schwört Designerin Adele Patti auf ein einzigartiges Konzept: Jedes Stück gibt es nur ein einziges Mal, jedes Modell wird in Italien gefertigt – daher auch der Name, der übersetzt „Das habe nur ich!“ bedeutet. Ähnlich nachhaltig betreiben Elena Marella und Francesca Temponi ihren Laden „Fabrique“ (Via Fratelli Dandolo 7): Alle Stücke sind selbst genäht – und weil den beiden das Nähen so am Herzen liegt, veranstalten sie auch regelmäßig Workshops. Auch die Shopbetreiberinnen von „Fairmade – Storie da indossare“ (Corso Palestro 45) haben einen ethischen Zugang zur Mode: Sie wissen von jedem Kleidungsstück, das im Laden hängt, woher es kommt, deshalb bedeutet der Name übersetzt „Geschichten zum Anziehen“. Und wer gerne in Vintage-Stücken kramt, kommt bei „Secondo Mano“ (Vicolo dell’Aria 8) auf seine Kosten: Hier stöbert man in gut erhaltenen Designerstücken von Chanel, YSL, Gucci und Co.

 

6. Fair übernachten in Brescia



In Brescia wohnt man im „Capitolium AD“ in einem „Albergo Diffuso“. Fotocredit: www.capitoliumad.it

Seit den 1970er-Jahren gibt es in Italien ein nachhaltiges Übernachtungskonzept, das Urlauber auch in Brescia buchen können: in einem so genannten „Albergo Diffuso“. Was dahinter steckt? Als es in der Region Friaul-Julisch Venetien nach einem Erdbeben zu einer Abwanderung aus den Bergdörfern kam und viele Wohnungen leer standen, entstand die Idee zu „verstreuten Hotels“: Die Zimmer sind nicht im gleichen Gebäude, jedoch in der gleichen Ortschaft – so wird ein ganzes Dorf zum Hotel. Heute gibt es in Italien rund 80 Alberghi Diffusi, die vom Nationalverband der Alberghi Diffusi (www.alberghidiffusi.it) geschützt werden. In Brescia wohnt man zum Beispiel im „Capitolium AD“ (Via dei Musei 55, www.capitoliumad.it) in einem „Albergo Diffuso“ – in einem historischen Haus mitten in der geschichtsträchtigen Gegend rund um das Kapitol. Das Doppelzimmer gibt es schon ab ca. € 35 pro Person.

 

7. Grün unterwegs in Brescia



Viele der malerischen Gassen in Brescia sind autofrei. (c) Jasmin Kreulitsch



Für den schönsten Blick über die Stadt geht man über schmale Treppen zum Castello von Brescia, einer rund 75.000 m2 großen Festungsanlage.



Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch auf der Piazza della Loggia, dank prächtiger Renaissance­Gebäude der schönste Platz der Stadt.

 

 

 
 
 

Jasmin Kreulitsch
Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken.
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