07.02.2018

7 Gründe, nicht nur wegen der Elphi nach Hamburg zu reisen


TRAVEL
Text — Jasmin Kreulitsch



Hamburg hat mit der Elbphilharmonie nicht nur ein neues Wahrzeichen, die Stadt hob den Begriff Konzerthaus auch auf ein neues Niveau und schaffte es weltweit in die Schlagzeilen mit dem Bau des 789 Millionen Euro teuren Objekts. Doch wer die Hansestadt nur auf die Elbphilharmonie reduziert, ist selber schuld: 7 Gründe, warum Hamburg auch ohne Besuch der "Elbphi" ein voller Erfolg wird.



Tolle Architektur, tolle Akustik: Ein Besuch in der Elbphilharmonie ist nicht nur für Kulturliebhaber ein Genuss. (c) Jasmin Kreulitsch

Keine Frage: Es kann schon sein, dass die Eröffnung der Elbphilharmonie dazu beigetragen hat, dass der Reiseführer "Lonely Planet" in der Ausgabe von "Best in Travel 2018" Hamburg auf Platz 4 gewählt hat. Das moderne Konzerthaus am rechten Ufer der Norderelbe beeindruckt von innen und außen gleichermaßen und Touristen wie Hamburger versuchen, die begehrten Tickets zu ergattern. Doch auch wenn ein Konzert in der "Elbphi" garantiert ein Genuss ist, gibt´s für jene, die keine Karten bekommen haben, ein Rahmenprogramm, das auch Spaß macht: Die "Plaza", der öffentliche Bereich der Elbphilharmonie, führt auf 37 Meter Höhe rund um den gigantischen Bau, der Eintritt ist kostenlos. Von hier aus hat man nicht nur einen umwerfenden Blick auf Norderelbe, Hafen, HafenCity und die Innenstadt, sondern kann auch nach oben in die verschiedenen Ebenen des Konzertfoyers schauen. Danach geht man gegenüber ins Restaurant "CARLS" und genießt den Mix von französischer Küche mit norddeutschen Elementen - erneut mit Blick auf die Elbphilharmonie. Tipp: Die Currywurst mit Whisky- oder Mango-Chili-Sauce (11,50 Euro) kosten! Man kann übrigens auch in der "Elbphi" schlafen, denn der gigantische Gebäudekomplex beinhaltet auch ein neues Hotel. Eine Nacht im "The Westin Hamburg" (Platz der Deutschen Einheit 2, http://www.westinhamburg.com) kostet im Februar beispielsweise ca. 200 Euro im Doppelzimmer.

 

1. Wegen dem Schietwetter nach Hamburg



Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch genießt trotz grauem Wetter ihren Trip nach Hamburg.

Der Österreicher raunzt gerne über schlechtes Wetter, der Hamburger ist es gewohnt: Wenn es im Norden Deutschlands mal wieder regnet oder der Himmel wolkenverhangen und grau ist, dann ist das eben das berühmte "Schietwetter", der norddeutsche Ausdruck für unbeständiges, feuchtes Wetter. Hier wird aber nicht darüber gemeckert, sondern das Beste daraus gemacht: Gute Schuhe und eine wasserfeste Jacke im Reisegepäck sind schon die halbe Miete, um die "50 Shades of Grey" in Hamburg trocken zu genießen. Ja, richtig gelesen: Genießen! Wind und Wetter gehören nun mal zu nördlich gelegenen Regionen und prägen nicht nur Land und Leute - sie machen auch den Charme der Stadt aus!

 

2. Wegen der Shopping-Möglichkeiten nach Hamburg



Hip, hipper, Hamburg: Wer gerne in Boutiquen, Concept-Stores und Designer-Shops stöbert, kommt in der Hansestadt voll auf seine Kosten.



Designer-Shops gibt es in Hamburg viele – günstiger wird es in den Edel-Second-Hand-Boutiquen der Stadt, z. B. dem Laden "Luxussachen" im Hanseviertel.

Wenn´s dann doch einmal zu stark regnet, ist die schönste Möglichkeit, ins Trockene zu gelangen, eine Tour durch die Shops der Stadt. Davon gibt es viele: Wer in der Innenstadt unterwegs ist, sollte sich das "Hanseviertel" (Große Bleichen 36) zwischen Jungfernstieg und Gänsemarkt anschauen. In dem Gebäude, das erst im Jänner 2018 unter Denkmalschutz gestellt wurde, befinden sich verschiedene Geschäfte und Cafés, z. B. die Edel-Second-Hand-Boutique "Luxussachen" oder das gemütlich anmutende "The Fjord House" mit einer tollen Auswahl an skandinavischer Mode und Interieur-Design. Hipster zieht es ins Karolinenviertel, die aufstrebendste Gegend der Stadt: In der Marktstraße reihen sich die lässigsten Concept-Stores (z. B. "Yeahbody Department", Marktstraße 117), Designer-Shops (z. B. die "KunstHaltestelle", Marktstraße 147) und lässige Cafés (z. B. "Gretchens Villa", Marktstraße 142) aneinander. Und wer das beschauliche, aber auch edle Alltagsleben kennenlernen will, fährt nach Eppendorf: Der Bezirk gilt als einer der teuersten der Stadt, hat aber viele spannende Geschäfte für Fashionistas zu bieten, vor allem am Lehmweg (z. B. den "Little Department Store", Lehmweg 42).

 

3. Wegen der Architekturvielfalt nach Hamburg



Ein opulentes Stiegenhaus im Kontorhausviertel (c) Jasmin Kreulitsch



Eine der vielen malerischen Straßen in Hamburg.

Ob Backsteingebäude oder Fachwerkhäuser, ob postmoderne Nachkriegs- oder futuristische Neubauten: Hamburg bietet eine Vielfalt an architektonischen Highlights, denen man bei einem Spaziergang durch die Stadt immer wieder begegnet. Beispiele gefällig? Hamburgs ältestes Speicherhaus steht in der Deichstraße. Es stammt aus dem Jahr 1465 und ist damit das älteste noch erhaltene Beispiel für die Hamburger Backstein-Architektur. Ein weiteres Highlight ist das Kontorhausvierel, allen voran das Chilehaus, das übrigens so heißt, weil der Reeder und Bankier Henry Sloman das Gebäude mit Geld aus seinem Salpetergeschäft in Chile bezahlt hatte. Auch ein Spaziergang durch das Gängeviertel zahlt sich aus: In den engen Gässchen mit roten Backsteinhäusern verbirgt sich eine kunterbunte Ecke voller Graffitis und mit einer alternativen Szene. Mondän wird es bei einer Fahrt entlang der großbürgerlichen Villen am Alsterufer; und wer es modern mag, der sollte sich die futuristischen Glas- und Stahlfassaden in der neuen HafenCity anschauen, wo seit 2001 ein ganz neuer Stadtteil entsteht (Tipp für Hipster: Unbedingt zu "Marc & Daniel", Überseeboulevard 2, schauen: Die beiden Brüder werben mit dem Slogan "Komm nackt und bring Geld mit" für ihren außergewöhnlichen Laden).

 

4. Wegen der nordischen Küche nach Hamburg



Mahlzeit! Ob ein klassisches Fischbrötchen mit den berühmten Nordseekrabben ...(c) Jasmin Kreulitsch



... oder ein Fisch-Carpaccio: Was im Meer schwimmt, kommt in Hamburg oft auf den Teller!

Wegen der geographischen Lage und Wind und Wetter ist die norddeutsche Küche bekannt für einen gewissen Purismus. Weil nicht so viel angebaut werden konnte, waren die Gerichte immer schon einfach und ohne viel Schnickschnack: Neben den Fischen aus der Elbe und der Nordsee dominieren Kartoffeln, Kohl und Steckrüben als Beilagen, auch Eintöpfe gelten als Klassiker. Doch heute gibt es abseits hanseatischer Gerichte wie Labskaus (ein Kartoffelgericht mit gepökeltem Rindfleisch und Roter Bete) eine tolle Gastroszene. Die norddeutsche Küche wird neu interpretiert - und das nicht nur von Fernsehköchen wie Tim Mälzer ("Bullerei", Lagerstraße 34b), zudem hat Hamburg als Weltstadt natürlich Lokale jeder Nationalität. Trotzdem darf der Klassiker natürlich nicht fehlen: Das Krabbenbrötchen schmeckt in der "Brücke 10" an den Landungsbrücken besonders gut und kommt vor allem üppig belegt daher (10 Euro).

 

5. Wegen der Speicherstadt nach Hamburg



Die Speicherstadt zählt seit 2015 zum UNESCO-Weltkulturerbe. (c) Jasmin Kreulitsch



Wie wär´s mit einem Kaffee in der "Speicherstadt Kaffeerösterei"? (c) Jasmin Kreulitsch

Wer schon bei einem Spaziergang durchs Kontorhausviertel aus dem Staunen nicht herauskam, wird sich in der Speicherstadt das ein oder andere "Aaah!" und "Oooh!" nicht verkneifen können. Der weltweit größte Lagerhauskomplex im Hamburger Hafen verströmt mit seinen hohen Lagerhäusern, die an den sogenannten Fleeten - Kanälen - gebaut sind, ein ganz besonderes Flair. Je nach Gezeitenstand kann es vorkommen, dass die Fleeten geflutet sind; wer sich in einem der Backsteinhäuser ein Büro mietet, muss also eine gewisse Flexibilität mitbringen - und bei einer Sturmwarnung das Gebäude verlassen. Wem ein Spaziergang durch die verwinkelte Speicherstadt nicht genügt, der schaut ins "Speicherstadtmuseum" (Am Sandtorkai 36, https://speicherstadtmuseum.de, Eintritt 4 Euro/Person), wo man erfährt, wie Kaffee, Kakao oder Kautschuk früher über den Wasserweg nach Hamburg kamen und in der Speicherstadt gelagert wurden. Zum Abschluss darf natürlich ein Kaffee nicht fehlen. Und obwohl die Österreicher gerne sagen, dass die Deutschen keinen Kaffee kochen können: In Hamburg ist das anders, z. B. in der "Speicherstadt Kaffeerösterei" (Kehrwieder 5, www.speicherstadt-kaffee.de). Die Kaffeebohnen kommen direkt über den Hamburger Hafen an und werden vor Ort zu einem hochwertigen Kaffee geröstet - das schmeckt man!

 

6. Wegen dem bunten Kiez nach Hamburg



Bunt und schrill: Der Hamburger Kiez rund um die Reeperbahn ist weltberühmt. (c) Jasmin Kreulitsch



Schon seit dem 19. Jahrhundert warten Frauen in der Herbertstraße auf ihre Freier

Fragt man Menschen nach den berühmtesten Straßen der Welt, wird nach der New Yorker Wallstreet direkt die Hamburger Reeperbahn genannt. Die Straße im Stadtteil St. Pauli gilt als "die sündigste Meile der Welt", doch das Amüsier- und Rotlichtviertel zieht längst nicht nur Freunde des horizontalen Gewerbes an: Neben Sexclubs, Hafenkeipen und Musikclubs gibt es viele Theater, Restaurants und Bars und in den Nebenstraßen eine junge Szene mit hippen Cafés und Shops. Hier ist es laut, voll und bunt, und nirgendwo sonst sieht man so viel blinkende Reklame, schräge Typen, feierfreudige Menschen und Touristen, denn ein Besuch am berühmten Kiez gehört einfach dazu. Doch keine Sorge: Trotz frivolem Image können Hamburg-Urlauber ohne Probleme über den Kiez schlendern, einen Kurzen kippen und sich das bunte Treiben anschauen. Wer allerdings zu schüchtern ist, bucht sich entweder eine Tour (z. B. über www.hamburg.de/kieztouren) oder fährt im Hop-on-/Hop-off-Bus (z. B. über www.hamburg.de/stadtrundfahrt/) über die Reeperbahn.

 

7. Wegen dem vielen Wasser nach Hamburg



Wasser ist das Element in Hamburg. (c) Jasmin Kreulitsch

Was macht den Zauber von Städten wie Venedig oder Amsterdam aus? Die Antwort ist einfach: das viele Wasser, die Kanäle und die Brücken, die ein ganz besonderes Stadtbild verleihen. Hamburg steht dem in nichts nach, im Gegenteil: Mit über 2.300 Brücken hat die Hansestadt mehr Brücken als Amsterdam oder Venedig. Die Elbe, die Alster und viele kleineren Flüsse, Kanäle und Fleete durchziehen die Stadt und der Hamburger Hafen ist nur 100 Kilometer von der Mündung der Elbe in die Nordsee entfernt. Kein Wunder, dass die Stadt als "Tor zur Welt" bekannt ist. Kommt man mit dem Nightjet (fährt in Wien um 20:41 ab und kommt in Hamburg um 08:44 an) am Hamburger Hauptbahnhof an, wird man von Möwen begrüßt und steht das erste Mal am Wasser - und das ist der blaue Faden, der sich durch den Aufenthalt in der Hansestadt zieht: Wasser ist allgegenwärtig. Auch am Wasser, nämlich an einem der Schleusenkanäle Hamburgs im etwas unscheinbaren Kiez Hammerbrook, liegt das neue Hotel "INNSIDE Hamburg Hafen" (Högerdamm 30, www.melia.com): Die Lifestyle-Marke der spanischen Melia-Kette hat faire Preise (das Doppelzimmer gibt’s im Februar um 80 Euro) und liegt nur 900 Meter von der Speicherstadt und 1,1 Kilometer vom Hamburger Hafen entfernt. Und dann ist es wieder ganz nah: das Wasser.

 
 
 

Jasmin Kreulitsch

Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken. Mehr davon auf kosmopoetin.com

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