03.05.2015

Art Basel oder die Kunst zu Reisen


TRAVEL
Text — Berenice Darrer



Die Stimmung war ausgelassen, als der Zug am späten Abend Wien verließ und als er an Salzburg vorbei fuhr, wurden Email-Adressen und Telefonnummern ausgetauscht und erst um München herum wurde es allmählich still in den Abteilen. Ich war auf dem Weg nach Basel. Durch eine Verkettung von glücklichen Zufällen hatte ich Karten zur Eröffnung der Art Basel erhalten.

Bereits vor der Abreise um 20.30 hatte sich am Westbahnhof eine Gruppe von Kunststudenten versammelt, die alle platinblonde Perücken trugen, die sich fröhlich gegenseitig filmten und die eine Flasche Wein kreisen ließen. Ein schwarz gekleideter Mann brüllte ständig in sein Handy, seine lässig rauchende Freundin ließ einen Zwergpudel zwischen ihren Füßen umherwuseln und ein nervöser junger Mann, der einige in Noppenfolie eingepackte Bilder an sich presste, beäugte alle und jeden recht misstrauisch. Sie alle stiegen schließlich beschwingt in den wartenden Zug. Wenn man ihren Gesprächen lauschte, dann erfuhr man, dass sie das gleiche Ziel hatten. Die Art Basel. Sie tauschten sich aus, welche Performance man unbedingt sehen müsse oder welcher Vortrag dieses Jahr besonders spannend sein würde.   Am nächsten Morgen war der Himmel über Basel kobaltblau. Die kunstsinnigen Zugfahrer sprangen aus dem Zug, schoben sogleich die Sonnenbrillen auf die Nasen und machten sich in Richtung der Hotels und Unterkünfte auf. Die Gruppe von Kunststudenten und ich hatten den gleichen Weg: ins Basel Backpack in der Dornacherstrasse 192. Das nette Hostel machte einen freundlichen Eindruck und nach einem schnellen Café Creme beschloss ich, mich noch ein wenig in Basel umzusehen. Die Fondation Beyeler stand zuerst auf dem Programm. In dem von Renzo Piano erbauten Gebäuden hängen die wunderbarsten Bilder von Henri Matisse, Max Ernst und Francis Bacon, um nur einige wenige zu nennen. Eigentlich hätte ich dort den ganzen Tag verbringen können; aber es gab ja noch so viel zu sehen.

Fondation Beyeler erbaut von Renzo Piano © Niggi Bräuning Fondation Beyeler erbaut von Renzo Piano © Niggi Bräuning

Nach einem schnellen Mittagessen im schattigen Platanenhof ging es weiter zum Museum Tinguely. Wenn man an den imposanten Skulpturen des Künstlers entlang wandert, hat man immer wieder wunderbare Ausblicke auf das Rheinufer. Einige Kunstwerke kann man sogar selber in Bewegung setzten, wenn man auf die Knöpfe drückt, die neben ihnen angebracht sind. Eine Schulklasse stand hingerissen vor den Kunstwerken und jeder durfte mal drücken; alle quietschten vor Begeisterung, wenn die Metallgebilde knirschend und ächzend zum Leben erwachten.

Museum Tinguely, Basel am Rhein (c) Parpan05 Museum Tinguely, Basel am Rhein (c) Parpan05

Dann ging es zur Eröffnung der Art Basel und somit mitten hinein in das Messegeschehen. Wie in einem Bienenschwarm summte und brummte es. Die erste Kunstwerke wurden verkauft und die Champagnerflaschen geöffnet. Es gab Bilder zu bestaunen, die Jahrzehnte in Privatbesitz gehangen hatten und nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Andere Arbeiten rochen noch herrlich nach frischer Ölfarbe: Vermutlich sind sie gerade noch auf der Staffelei eines Künstlers gestanden.

Art Basel 2013 (c) Art Basel Art Basel 2013 (c) Art Basel

Die wichtigsten Galerien der Welt bewerben sich jedes Jahr, um an der Kunstmesse teilnehmen zu können. Eine strenge Jury wählt die 300 interessantesten aus und die können dann die Werke ihrer spannendsten und aufregendsten Künstler zeigen. In der malerischen mittelalterliche Stadt am Rheinufer finden so jeden Juni bis zu 60.000 Kunstfreunde zusammen, um den Kunstmarkt und sich zu feiern. Bei einer putzigen Delfin-Skulptur von Jeff Koons hielt ich kurz an, um mich umzuschauen und hörte. wie hinter mir sich zwei Galeristen zuraunten, dass dieses Werk gerade um fünf Millionen Dollar verkauft worden sei. Da musste ich an Andy Warhol denken, der gesagt hat: Die beste Kunst ist das Geschäft mit der Kunst. Ein Kaleidoskop aus Eindrücken umgab mich, als ich die Hallen rauf und runter lief. Ganz erschlagen von der Bilderflut, ließ ich mich von den Besucherströmen nach draußen in den milden Sommerabend tragen. Die lustigen Wiener-Kunststudenten saßen vor dem Messegelände auf der Wiese und drückten mir ein warmes Bier in die Hand. Sie überlegten gerade, welche der vielen Partys sie noch besuchen wollten. Ganz Basel stand Kopf und war auf den Füßen, was für ein Erlebnis!   Die Art Basel 2015 findet vom 18. - 21. Juni 2015 statt.
 
 
 
 

Berenice Darrer
wurde 1976 in Namibia geboren und lebt seit 1982 in Wien, wo sie an der Universität für angewandte Kunst Malerei studierte. Einzel- und Gruppenausstellungen in Wien, Linz, Mailand, Tokio, Berlin u.a.m. Ihre Arbeit wurde mit einer Vielzahl an Anerkennungen und Preisen ausgezeichnet.
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