29.03.2015

Wilma!!!!!! in St. Anton am Arlberg


ACTIVE
Text — Rainer Himmerfreundpointner



Gut, Sie kennen St. Anton, die Heimat der Skilegende Karl Schranz. Aber kennen Sie auch Wilma Himmelfreundpointner, die stellvertretende Tourismusdirektorin dieses wunderschönen Wintersportorts in Tirol? Sie sorgt hinter den Kulissen dafür, dass sich die zigtausend Gäste hier derart wohl fühlen, dass Stanton wie die Einheimischen gerne auf Amerikanisch sagen jeden Winter auf fast eine Million Übernachtungen kommt. Lassen Sie mich eine kleine Geschichte von Wilma erzählen, und Sie werden verstehen, was uns verbindet 20 Buchstaben im Familiennamen und eine ganz private Führung durch ihren Arbeitsplatz.

Die Story beginnt 1992, ich recherchierte damals für die inzwischen selig verschiedene Wirtschaftswoche einen angedrohten Streik in der Voest und musste dringend zu Terminen in Linz los. Doch noch ein Anruf. Himmelfreundpointner! , bellte ich gestresst. Auch Himmelfreundpointner , tönte es süß. Bist Du der Journalist, von dem mich zu Hause alle fragen, ob wir verwandt bin? Ja, ähm, schon, wie...? Also, wenn zwei schon so heißen wie wir, sollten sie sich doch einmal kennen lernen. Großartig, aber ich muss jetzt echt...., mein Zug nach Linz... Perfekt, lass uns doch gleich dort treffen. Ich bin sowieso in der Nähe bei meinen Eltern in Wels. Morgen um zwei? Gut. Freu mich. Pfiat di. Was will man da machen? Tags darauf hatten Wilma Himmelfreundpointner und Rainer Himmelfreundpointner also ein Blind-Date im Café des Hotels Schillerpark in Linz. Um es kurz zu machen: Es war ein Fiasko. Wilma war natürlich eine wunderbare Erscheinung. Wirklich attraktiv, erfrischend quirlig, mitten im Leben. Ich hingegen war kurz angebunden, abgelenkt und unaufmerksam, weil bereits zwei Voest-Informanten warteten, einer saß links hinten, einer rechts vorne. Wilma hatte mich wohl schon nach zehn Minuten abgehakt, zog bald wieder los und der verdammte Streik fand auch nie statt. Viel, viel später, also gar nicht so lange her, hielt mir ein Kollege die Süddeutsche Zeitung unter die Nase. In einer Serie über Menschen mit ungewöhnlichen Namen war Wilma dran. Die Reporterin fragte: Wieso nicht verheiratet? Wilma sagte: Weil der Richtige noch nicht aufgetaucht ist. Außerdem will ich meinen Familiennamen nicht hergeben. Und ein Doppelname wäre nun echt zu lang. Das gibt s doch nicht , bohrte die Reporterin nach. Auch nicht knapp dran? Fast , sagte Wilma. Vor einigen Jahren traf ich einen Berufskollegen von Ihnen aus Wien. Der hieß auch so wie ich. Aber gleich nach unserem ersten Date war mir klar: Daraus wird nie was. Wieso denn? Zu unsportlich , sagte mein Ex-Date. Die Häme war groß, mein Groll auch, also rief ich Wilma in St. Anton an.

Wilma Himmelfreundpointner (c) TCB St. Anton am Arlberg Wilma Himmelfreundpointner (c) TCB St. Anton am Arlberg

Hier ist der Sport-Muffel! Uuuiii , gurrte sie. Dass Du noch mit mir sprichst. Zweites Date? Ich komme mit dem Rad und dann gehen wir joggen. Nein, komm lieber mit der Bahn , sagte Wilma. Es gibt täglich acht Züge, die direkt von Wien nach St. Anton fahren. Da fährst Du bequem und sicher fast durch ganz Österreich. Ich hol dann Dich am Bahnhof ab und von dort sind es nur wenige Meter in die Fußgängerzone mitten im Ort. Dann bekommst Du eine Führung, die Du nie vergessen wirst. Ich muss mich doch revanchieren. Gesagt, getan. Dank der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Westen kommt man heute mit dem ÖBB railjet in knapp sechs Stunden von Wien ohne Umsteigen nach St. Anton, mit dem Nachzug dauert es gut getimte acht Stunden. Es war ein sonniger Frühlingstag. Ich nahm den Frühzug, Wilma wiederum mich rechtzeitig zum Mittagessen in Empfang und sozusagen zielstrebig an der Hand: Jetzt zeig ich Dir mein Stanton. Aber zuerst gibt s mal was Süßes. Und so begann sie Privatführung der Wilma Himmelfreundpointner für Rainer Himmelfreundpointner in einer entzückenden kleinen Pension im Dorfzentrum, in dem sie ein Marmelade-Dessert aus Moosbeeren kredenzen, die die Hausfrau im letzten Herbst eigenhändig in den Bergen gebrockt hatte ein Willkommensgruß vom Feinsten. Als gute Fremdenverkehrs-Managerin muss Wilma natürlich das Wohl der gesamten St.-Anton-Ferienregion mit ihren etwa 6.000 Einwohner, davon knapp 2.500 im Ort selbst, im Auge haben und darf jetzt keine Namen einzelner Hotels und Herbergen, die dort gut 14.300 Gästebetten zu vernünftigen Preisen anbieten, nennen. Aber der Moosbeeren-Spezialität kann man dort sowieso nur schwer entgehen.

Die Bergwelt von St. Anton am Arlberg, mit Blick auf die Vallugabahn (c) TVB St. Anton am Arlberg Josef Mallaun Die Bergwelt von St. Anton am Arlberg, mit Blick auf die Vallugabahn (c) TVB St. Anton am Arlberg Josef Mallaun

Wilma begann die Tour gleich mit einem hohen Ziel der 2.811 Meter mächtigen Valluga. Du nimmst zuerst die neue, erst 2007 erbaute einzigartige Galzigbahn und fährst dann mit zwei weiteren Gondeln hoch auf die Valluga. Und von dort hast Du den herrlichsten Ausblick auf gleich fünf Länder , schwärmte Wilma. So hast Du Österreich, Deutschland, die Schweiz, Italien und Liechtenstein sicher noch nie gesehen. In der Tat. Während wir dann mit einer kleinen Bahn eine Station tiefer gondelten, ratterte sie mir vor, was gleich auf mich zukommen würde nämlich der weiße Rausch . Für alle Skilaien: Das ist eine fast zehn Kilometer lange Abfahrt nach St. Anton, auf der sich alljährlich am 18. April 555 Skifahrer, Snowboarder und Telemarker vom Vallugagrat mit einem Massenstart wagemutig in ein mittlerweile legendäres Rennen, das Unmengen von Touristen anlockt, stürzen. Mittendrin stoppen sie dann am Schmerzensberg , verbrennen sich dort ihre Lungen in einem mörderischen 150-Meter-Zwischenaufstieg und hetzen danach wieder über die nicht präparierte Piste ins Tal. Absoluter Kult , sagte Wilma und fuhr los.

Der weiße Rausch - (c) TVB St. Anton am Arlberg Josef Mallaun Der weiße Rausch - (c) TVB St. Anton am Arlberg Josef Mallaun

Ich aber, die fleischgewordene Unsportlichkeit, nahm den gemütlichen Mattunlift nach unten. Das gab Kraft für all die weiteren High-Lights, die mir noch zuteil werden sollten. Hier die Zusammenfassung: Während meines Kurzbesuchs karrte mich Frau HFP, so unser beider Kürzel, mit der Gampenbahn auf den Kapall, der Startrampe bei Ski-WM 2011, mit der Zimmermoosbahn auf die Galzig zur halsbrecherischen Fun-Slope , über die 8er-Abfahrt nach St. Christoph, dem höchst gelegenen kleinen Ortsteil auf 1.800 Metern, wo Adi Werner heute die schon 1386 gegründete, gleichnamige karitative Bruderschaft leitet, deftige Speisen locken und auch der Ski-Club Arlberg 1901 aus der Taufe gehoben wurde.

(c) Arlberg Hospiz Hotel (c) Arlberg Hospiz Hotel

Viel war die Rede von berühmten Mitgliedern des Clubs, von Olympia- oder Weltcupsiegern und Ski-Weltmeistern wie Hannes Schneider, Edi Mall, Karl Schranz, Gertrud Gabl, Patrick Ortlieb oder Mario Matt. Übrigens: Wilma ist seit der Gründung des Clubs die erste Frau im zehnköpfigen Vorstand. Da bin ich schon sehr stolz drauf , meinte sie leise, als sie mir endlich in der Verwallstube, einem Haubenrestaurant am Galzig, Ruhe und Stärkung gönnte.

Verwallstube (c) Arlberger Bergbahnen Verwallstube (c) Arlberger Bergbahnen

Zum Abschied erzählte Wilma dann noch von einem ihrer Lieblingsprojekte, an dem sie damals dran war die Organisation eines Treffens aller Himmelfreundpointners wo gibt. Es ist übrigens ein paar Monate später tatsächlich in der Waldschenke in Wels gestiegen, wo man auch sehr leicht per Zug hinkommt. Aber das ist eine andere Geschichte.
 
 
 
 

Rainer Himmerfreundpointner
ist freier Journalist in Wien. Er hat als Redakteur bei den Magazinen trend, WirtschaftsWoche und Profil gearbeitet, verschiedene Publikationen entwickelt und geleitet (u.a. ReiseMagazin, Hi!Tech, Next) und ist Autor der Bücher „Unschuldig hinter Gittern – Justizirrtümer in Österreich“ (2008) sowie „Brennpunkt Immofinanz“ (2013).
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