02.07.2017

Amalfiküste: Die schönsten Kurven Italiens


TRAVEL
Text — Jasmin Kreulitsch



Pastellfarbene Häuser schmiegen sich treppenförmig an zerklüftete Berge, die Wellen des türkisblauen Tyrrhenischen Meeres plätschern leise gegen die Hafenmauern und es duftet überall nach Zitronen. Wer die engen Kurven der Costiera Amalfitana entlangcruist, braucht zwar starke Nerven, wird aber dafür belohnt – mit der Bilderbuchkulisse der malerischen Amalfiküste.

Es sind oft die Künstler, die Trends zuerst erkennen, egal ob es um Mode, Architektur oder Reisen geht. Im Falle der Amalfiküste waren sie sich alle einig. „Ich habe den Eindruck, dass die Welt in Positano senkrecht steht. Stufen, die mitunter steil wie eine Sprossenleiter sind, führen ans Meer. Wenn man einen Freund besuchen will, dann läuft man nicht, man klettert oder purzelt“ schrieb der Autor John Steinbeck. Der Maler Paul Klee schwärmte: "Dieser Ort ist der einzige der Welt, der auf der Vertikalen angelegt ist statt auf der Horizontalen." Und als der Komponist Richard Wagner im malerischen Ort Ravello oberhalb von Amalfi ankam, rief er angeblich "Ich habe den Zaubergarten von Klingsor gefunden !" - und schrieb direkt den zweiten Akt seiner Oper Parsifal.  

Magisch: der Blick auf die Dörfer der Amalfiküste von der Küstenstraße, der sogenannten Amalfitana. (c) Jasmin Kreulitsch

Keine Frage, die Amalfiküste birgt einen besonderen Zauber, von dem man in Reisenmagazinen seit den 60er Jahren, als die Region von den Massen entdeckt wurde, immer wieder liest. John Steinbeck schrieb damals einen Artikel in der Zeitschrift Harper’s Bazaar über die Region, war sich jedoch nicht sicher, ob er veröffentlichen sollte: „Wenn man einen so herrlichen Ort findet, ist der erste Impuls, ihn verstecken zu wollen. Man denkt: Erzähle ich davon, wird er mit Touristen überfüllt sein, die ihn ruinieren“. Damit hatte er gar nicht mal so unrecht: Seither strömen unzählige Touristen in die kleinen Dörfer am Tyrrhenischen Meer südlich von Neapel, um sich zu überzeugen, dass die Amalfiküste wirklich so bunt, so malerisch und so putzig ist. Und das ist sie wirklich: Die Dörfer wirken, als hätte sie jemand mit Pastellfarben in die zerklüfteten Berge gemalt und das Meer in einem besonders intensiven Türkis angemischt, dabei ist hier alles echt.

Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch unterwegs an der Amalfiküste. (c) Jasmin Kreulitsch

Steigt man in Salerno aus dem Nightjet, der von Wien über nach Rom an die Amalfiküste führt und fährt die ersten Kilometer auf der berühmten Costiera Amalfitana, wird man sofort mitgerissen von einem ganz besonderen Flair – und dem ersten Abenteuer: Die Straße liegt rund 100 Meter über dem Meer, ist teilweise in den Fels gearbeitet und schlängelt sich von Kurve zu Kurve über abenteuerliche Serpentinen. Wer hier mit dem Auto unterwegs ist, braucht zwar gute Nerven, wird aber mit einem unfassbar schönen Panorama belohnt.

Ein bunt dekorierter Obststand mitten auf der Amalfitana. (c) Jasmin Kreulitsch

Wer Angst vor heimischen Rasern und übermütigen Mopedfahrern hat und sich lieber fahren lässt, kann auf den öffentlichen Nahverkehr zurückgreifen: Die SITA-Bussen (3-Tages-Ticket ca. € 15) sind im Sommer zwar voll (und heiß!), fahren aber stündlich entlang der Amalfiküste alle Orte ab. Am besten lässt man sich treiben und bleibt spontan dort stehen, wo es einem gefällt. Die Costiera Amalfitana ist gerade mal 50 Kilometer lang und führt von Salerno im Osten bis Sorrent im Westen, Dörfer wie Vietri Sul Mare, Cetara, Maiori oder Minori sind klein und putzig und haben lediglich zwischen 2.000 und 10.000 Einwohnern.

300 Meter über dem Meer hat man im Ort Ravello einen wunderschönen Blick auf die Küste.(c) Jasmin Kreulitsch



Das „Belmond Hotel Caruso“ in Ravello hat zwar seinen Preis, dafür ist das Dinner auf der Terrasse ein Erlebnis dank eines umwerfenden Sonnenunterganges. (c) Jasmin Kreulitsch

Einen der schönsten Blicke über die Amalfiküste hat man vom 2.500-Seelen-Ort Ravello, der 300 Meter über dem Meer liegt und für seine terrassenartig angelegten Gärten bekannt ist. Hier oben schrieb Richard Wagner den besagten zweiten Akt der Oper Parsifal, weniger kreative Urlauber schlendern lieber durch das Dorf, trinken einen Espresso im Caffé Calce (Viale Richard Wagner 3) oder einen Sundowner in der Loggiato Bar des Luxushotels Belmond Hotel Caruso. Die Cocktails ab € 15 sind zwar durchaus hochpreisig, aber dafür ist der Blick Gold wert.

Das ehemalige Fischerdorf Amalfi vom Meer aus gesehen. (c) Jasmin Kreulitsch

Von Ravello dauert es dann nicht mal 20 Minuten, bis man in Amalfi ankommt, einem ehemaligen Fischerdorf und mit ca. 5.000 Einwohnern heute der größte Ort an der Amalfiküste. Hier merkt man, welch Baukunst erforderlich war, um eine Stadt an eine Steilküste zu bauen. Man erklimmt den Ort über unzählige schiefe Treppen, geht durch schmale, verwinkelte Durchgänge und fühlt sich stellenweise wie in einem putzigen Labyrinth. Und genau dann, wenn man meint, sich verlaufen zu haben, kommt man an einem idyllischen Platz heraus, auf dem Tische mit rotweiß-karierten Tischdecken stehen und es nach Tomaten und Pasta riecht, zum Beispiel im „Da Barracca“ auf dem Piazza dei Dogi. Der Geheimtipp? Die hausgemachte Cannelloni (€ 9)!  

Amalfi ist klein und überschaubar. Um den ganzen Ort zu sehen, braucht es gerade mal 20 Minuten zu Fuß. (c) Jasmin Kreolisch

Es sind übrigens die kulinarischen Mitbringsel, die in Amalfi besonders viel Freude bringen. Der Delikatessenshop von Anastasio Nicola Sas (Via Lorenzo d’Amalfi 32) ist nicht nur optisch eine Augenweide, hier kauft man selbst gemachte Trockenmischungen für Pasta, Oliven, Limoncello oder Zitronenschokolade – denn die Zitrone ist ein zentrales Thema: Die Sfusato, die Amalfi-Zitrone, wächst nur hier so üppig und saftig, wird nicht gespritzt und von Hand gepflückt.  

Die  Amalfizitrone ist überall zu finden. Besonders erfrischend an heißen Tagen ist selbst gemachte Zitronenlimonade (ca. € 5 für 0,5 l). Auch Italiens berühmtestes Exportgut, der Limoncello, wurde hier erfunden. (c) Jasmin Kreulitsch

 

Peperoncini, wie Chilis an der Amalfiküste genannt werden, sind ein Grundelement der kalabrischen Küche – und gelten auch als Aphrodisiakum und als „Viagra des armen Mannes“. (c) Jasmin Kreulitsch

 

Auf dem Piazza Duomo in Amalfi ist die älteste Pasticceria der Amalfiküste, Andrea Pansa (Via Duca Mansone 1), wo man die besten Mehlspeisen bekommt.(c) Jasmin Kreulitsch

Der bekannteste Ort an der Amalfiküste ist aber nicht Amalfi selbst, sondern das malerische Positano, dessen roségetünchten Häuser terrassenartig an die Küste des Tyrrhenischen Meer gebaut wurden. Wer mit dem Auto unterwegs ist, bleibt kurz vor der Stadt stehen: So bekommt man die perfekte Postkartenansicht des Ortes! Es ist übrigens sinnvoll, auch hier zu parken und zu Fuß weiterzugehen; Parkplätze sind rar und vor allem teuer (direkt im Zentrum ab ca. € 20). Generell ist Positano das teuerste Pflaster an der Amalfiküste, vielleicht auch deshalb, weil der Ort auch als Mode-Hotspot gilt und das Label „Made in Positano“ weltweit bekannt ist.  

Positano überzeugt mit roségetünchten Häusern und einem Wirrwarr von kleinen Straßen und Gassen. (c) Jasmin Kreulitsch

 

Railaxed-Autorin Jasmin Kreulitsch am Strand von Positano. (c) Jasmin Kreulitsch

  Doch Vorsicht: Wo „Made in Positano“ draufsteht, ist nicht überall Qualität drin. Es gibt leider viele Nachahmer aus Asien, deren Stempel versteckt an den Klamotten angebracht ist, auf der sicheren Seite ist man in heimischen Läden, zum Beispiel in der La Bottego di Brunella (Viale Pasitea 72) oder bei Antonello della Mura (Via del Saracino 36). Handgemachte Sandalen gibt’s bei Safari (Via della Tartana 2) und butterweiche Mokassins bei 3 Denari (Via del Saracino 8–10) ab € 45. Geheimtipp: Wem der Trubel an der Promenade und den vollen Lokalen am Strand zu viel ist, der braucht nur am Hafen den Küstenweg ca. zehn Minuten nach oben zu folgen: Im Hotel Pupetto (Via Fornillo 37) gibt es eine ruhige Terrasse, auf der man bei einer toller Aussicht essen kann!  

Perfekter Kauf für Fashionistas: handgefertigte Sandalen von der Amalfiküste. (c) Jasmin Kreulitsch

 

Ein Muss in Italien: frische Pasta essen, hier im Hotel Pupetto (Via Fornillo 37) in Positano. (c) Jasmin Kreulitsch

 

Auch typisch: eingelegte Sardinen. (c) Jasmin Kreulitsch

 
 
 
 

Jasmin Kreulitsch
Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken.
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