04.06.2017

Rom: Der geheime Bahnhof des Vatikan


TRAVEL
Text — Flo Weber



Über Nacht nach Rom – das geht schnell und komfortabel mit dem nightjet ab Wien und München. Abends in den Schlafwagen einsteigen, nach einem Schlummertrunk gemütlich durch die Nacht rollen und am nächsten Morgen beim Frühstück die weiten Hügellandschaften der Toskana am Fenster vorbeiziehen sehen. Angekommen am Bahnhof Roma Termini muss man nur mehr im Hotel einchecken und kann direkt mit der Erkundung der Ewigen Stadt beginnen.

Seit meinem ersten Besuch in Rom zieht es mich immer wieder in diese spezielle Stadt, wo die Geschichte von Jahrtausenden so unmittelbar greifbar ist wie an kaum einem anderen Ort. Für diesen Besuch habe ich mir ein besonderes Highlight ausgesucht, das sowohl für Kunst- als auch Bahnfreunde interessant ist: Das Angebot „Vatikan Full Day im Zug“ beinhaltet den Besuch der Vatikanischen Museen und Gärten sowie eine Bahnfahrt vom Bahnhof des Vatikan nach Castel Gandolfo wo abschließend noch die Gärten des Päpstlichen Sommersitzes besichtigt werden.

Immer wieder schön: Abendstimmung am Tiber (c) Flo Weber

An diesem Samstag muss ich ungewohnt früh aufstehen, denn die Tour beginnt bereits um acht Uhr. Um diese Uhrzeit schläft Rom noch und auch die sonst so geschäftigen Straßen rund um den Vatikan liegen noch ruhig und verlassen da. Dennoch finde ich auf dem Weg von der U-Bahn zu den Vatikanischen Museen eine kleine Bar, die schon geöffnet hat. Dort stärke ich mich mit Caffè und Cornetto, dem einfachen und schnellen Frühstück, das für Rom und Italien so typisch ist.

Dank im Voraus gebuchter Eintrittskarte muss ich beim Eingang nicht in der Schlange stehen. (c) Flo Weber

Um Punkt acht Uhr stehe ich dann vor den mächtigen Vatikanischen Mauern am Eingang zu den Museen. Trotz der frühen Stunde hat sich schon eine lange Schlange an Wartenden gebildet. Dank meines im Voraus gebuchten Tickets darf ich an ihnen aber elegant vorbei spazieren. Früh buchen zahlt sich also nicht nur bei Zugtickets aus! Im Besucherzentrum tausche ich die Reservierung gegen Tickets für das Museum sowie den Zug nach Castel Gandolfo und werde mit einem deutschsprachigen Audioguide ausgestattet. Um mich als Teilnehmer der „Vatican Full Day“-Tour zu erkennen bekommen ich außerdem noch einen farbigen Sticker – stilecht mit grüner Dampflokomotive - auf die Brust geklebt.

Die wunderbare Galerie der Landkarten mit detaillierten Darstellungen der Appeninhalbinsel. (c) Flo Weber

Während der folgenden zwei Stunden dürfen nun die Vatikanischen Museen auf freie Faust erkundet werden. Wenig Zeit für viel Museum! Zu wenig Zeit eigentlich, denn die schiere Fülle an Kunstschätzen aus mehreren Jahrhunderten überfordert ein wenig, zumal man nicht genau einschätzen kann, wie viel Zeit man sich für die einzelnen Bereiche nehmen kann. Besonders viel Zeit nehme ich mir als Geograf natürlich für die eindrucksvolle Galerie der Landkarten. Abschließendes Highlight neben den Stanzen des Raffael ist dann die Sixtinische Kapelle. Hier muss man aufpassen, dass man vom ständigen Nach-Oben-Schauen keine Genickstarre bekommt.

Blick aus dem englischen Garten zurück auf die Museen und den Giardino Quadrato. (c) Flo Weber

Als zweiter Programmpunkt steht um zehn Uhr ein Besuch der weitläufigen Vatikanischen Gärten an. Begleitet von zwei Aufpassern betritt unsere Gruppe nun einen Bereich, der für Touristen nur im Rahmen geführter Touren zugänglich ist. Hier befindet sich unter anderem Radio Vatikan oder die Päpstliche Akademie der Wissenschaften. Es herrscht reges und geschäftiges Treiben, Gärtner pflegen die Anlagen und Kleriker aus allen Ländern spazieren entlang der sanft geschwungenen Straßen. Nach dem schattigen englischen Garten führt der Rundgang zum Adlerbrunnen wo sich auch der Alterssitz von Benedikt XVI., das Kloster Mater Ecclesiae, befindet. Den emeritierten Papst bekommen wir allerdings nicht zu Gesicht. Am französischen Garten vorbei eröffnen sich dann ungewohnte Blicke auf den gewaltigen Petersdom, bevor die Tour nach einer knappen Stunde ihrem Ende zugeht.

Der Adlerbrunnen mit dem Kloser Mater Ecclesiae im Hintergrund. (c) Flo Weber

Schließlich ist der letzte Programmpunkt und für den Bahnfan auch gleichzeitig Höhepunkt des Rundgangs in Sicht: der Bahnhof des Vatikan! Anlässlich der Entstehung der Vatikanstadt als unabhängigem Staat aufgrund der Lateranverträge wurde 1929 mit der Errichtung eines eigenen Gleisanschlusses begonnen, um den Vatikan an das italienische Eisenbahnnetz anzubinden. 1933 wurde im Schatten des Petersdoms das repräsentative Empfangsgebäude im neoklassizistischen Stil errichtet. Ursprünglich als Ort für Empfänge ausländischer Staats- und Regierungschefs gedacht liegt der Bahnhof seit Jahrzehnten im Dornröschenschlaf, denn auch die Päpste selbst nutzen den Bahnhof seit seinem Bestehen nur sporadisch.

Persönliches Highlight: Der Vatikanische Bahnhof. (c) Flo Weber

Umso spannender ist es für mich als Bahnfan von diesem Bahnhof abzufahren. Knapp dreihundert Meter lang misst die Strecke vom Tor in der Vatikanischen Mauer bis zum Streckenende, das in einem kurzen Tunnel situiert ist. Die Oberleitung reicht nur bis zum mächtigen stählernen Einfahrtstor, sodass unser Zug gar nicht ganz auf Vatikanischem Staatsgebiet zum Stehen kommen kann. Unter den aufmerksamen Augen des Wachpersonals besteigen wir den Zug und direkt nach unserer Abfahrt schließt sich das Tor wieder und wird wohl erst kommende Woche wieder für den nächsten Sonderzug wieder geöffnet werden.

Abfahrtsbereit: unser Zug aus dem Vatikan nach Castel Gandolfo (c) Flo Weber

Die Fahrt im modernen klimatisierten Nahverkehrszug der auf den Namen „Jazz“ hört verläuft unspektakulär. Bald haben wir Rom hinter uns gelassen aber auch weit außerhalb der Stadt kommen immer wieder alte römische Aquädukte ins Blickfeld und zeugen von vergangener Größe dieser Stadt. Gegen Ende der Fahrt klettert der Zug dann einige Höhenmeter um das steile Ufer des Albaner Sees zu erreichen. Von der Endstation der Bahnlinie werden wir per Bus zu den Päpstlichen Gärten gebracht, wo wir auf zwei Traktorzüge aufgeteilt werden. Die nehmen uns mit auf eine abwechslungsreiche Runde durch die Anlage. Neben streng gestalteten französischen Gärten gibt es auch eine Allee mit jahrhundertealten Olivenbäumen sowie einen weitläufigen Bauernhof auf dem allerlei Produkte für den Vatikan hergestellt werden.

Der Hauptplatz von Castel Gandolfo mit der Papstresidenz. (c) Flo Weber

Die Tour durch die Gärten endet um halb zwei, nun stehen vier Stunden Freizeit zur Verfügung. Diese könnte man für einen Besuch des Päpstlichen Palastes nutzen (Eintritt: 10€), aber ich entscheide mich, ein schönes Lokal fürs Mittagessen zu suchen. Die kleine Innenstadt ist weitestgehend autofrei und zahlreiche Restaurants laden zur Einkehr ein. Ich folge meinem Bauchgefühl und nehme im Gastgarten eines Lokals statt, das auf handgemachte Pasta spezialisiert ist. Nach der vorzüglichen Pasta Carbonara gönne ich mir noch ein Eis und genieße den Blick auf den tiefblauen Albaner See.

Fast schon zu kitschig: Restaurant mit bestem Blick auf den Albaner See. (c) Flo Weber

Möchte man nicht auf den Sonderzug zurück in die Stadt warten besteht auch die Möglichkeit mit der stündlich verkehrenden S-Bahn zurück in die Stadt zu fahren. Regionalzüge sind in Italien unschlagbar günstig, das Ticket schlägt um nur 2,10€ kein großes Loch in die Reisekasse. Schließlich erreiche ich am Nachmittag wieder das quirlige Rom, das einen harten Kontrast zum ruhigen Castel Gandolfo bietet.

Eines der Wahrzeichen der Ewigen Stadt: Das 128 n. Chr. fertiggestellte Pantheon. (c) Flo Weber

 
 
 
 

Flo Weber
Seit Kindheitsbeinen an mit dem Zug unterwegs und immer auf der Suche nach neuen Eisenbahnabenteuern. Leidenschaftlicher Interrailer und Nachtzugreisender. Schreibt Reiseblogs für rail.cc, eine Plattform für individuelles Reisen mit dem Zug.
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