21.05.2017

Ljubljana die Stadt des grünen Drachens


TRAVEL
Text — Anita Arneitz



Erfrischend jung, kreativ und ungezwungen präsentiert sich die slowenische Landeshauptstadt im Frühling. Einfach perfekt für einen Citytrip im Slow-Travel-Modus.

Anti-Aging-Zaubermittel braucht Ljubljana keine. Die Stadt ist natürlich jung geblieben. Nur die eine oder andere Fassade braucht vielleicht noch ein wenig Retusche. Doch gerade das verleiht der Altstadt ein besonderes Flair. Nicht alles ist perfekt. Muss es auch nicht sein. Die slowenische Landeshauptstadt zeigt selbstbewusst Ecken und Kanten, lässt Raum zum Atmen und erfindet sich immer wieder neu. Das macht Ljubljana zu einem attraktiven Citytripziel, das schnell, einfach und umweltfreundlich per Bahn zu erreichen ist.   Draußen findet das Leben statt Stubenhocker sind die Slowenen keine. Egal, zu welcher Jahreszeit, in der Altstadt wird mit Freunden und Familie am Flussufer der Ljubljanica unter dickem Blätterdach ein Café Latte geschlürft, an kalten Tagen eingehüllt in eine Decke. Dazu ein Stück Nusstorte, Schokolade am Stiel oder ein paar Löffel Tiramisu aus dem kitschig pastellfarbenen Café Lolita. Wer etwas auf sich hält, sitzt eben draußen und genießt die frische Luft. Unzählige hippe Bars, Cafés und Restaurants säumen das Flussufer.

Flussufer von Ljublijana (c) Anita Arneitz Flussufer von Ljublijana (c) Anita Arneitz



Cafe Lolita (c) Anita Arneitz Cafe Lolita (c) Anita Arneitz



Schokolade am Stil im Cafe Lolita (c) Anita Arneitz Schokolade am Stil im Cafe Lolita (c) Anita Arneitz

Niemand hat es eilig. Ljubljana wirkt entspannend. Vielleicht auch, weil die Autos rigoros aus dem Zentrum verbannt wurden. Alle Sehenswürdigkeiten sind gut zu Fuß erreichbar. Fahrräder können verteilt über die gesamte Stadt bei den Bike-Sharing-Stationen ausgeborgt werden. Wem die Füße nach einem langen Tag schmerzen, setzt sich in das kostenlose Elektroshuttle. Der sogenannte Kavalir düst lautlos quer durch die Stadt.   Entdeckungen mit System In Ljubljana fällt es leicht, sich einfach treiben zu lassen. Mal links ins Gässchen abbiegen, mal rechts die Brücke nehmen. Im Vintage-Laden stöbern oder daneben Designer-Klamotten anprobieren. Am Markt feilschen und im Tivoli Park die Füße hochlegen. Es gibt viel zu entdecken. Aber wer nur wenig Zeit hat, braucht einen Plan. Deshalb sollte zuallererst die Burg am Hügel angesteuert werden. Rauf geht s entweder bequem mit der Standseilbahn oder sportlich entlang eines Wanderweges. Oben angekommen kann man in einer Zeitmaschine durch die Geschichte der Stadt reisen, in zwei traditionellen Gasthäusern schlemmen oder die grandiose Aussicht genießen. Wie eine zweireihige rote Kette schmiegen sich die Dächer zwischen Hügel und Fluss. Herrlich!

Blick auf die Burg und Fußgängerzone (c) Anita Arneitz Blick auf die Burg und Fußgängerzone (c) Anita Arneitz

 

Ljubljana von oben (c) Anita Arneitz Ljubljana von oben (c) Anita Arneitz

 

Samstags am Markt (c) Matthias Eichinger Samstags am Markt (c) Matthias Eichinger

Raum für Kreativität Schnell wird klar, warum es Literaten und Künstler hier herzieht. Der Ort inspiriert. Einst und heute. Bereits 1701 wurden die Philharmoniker gegründet, die damit weltweit zu den Ältesten zählen. Immer wieder klingen durch die offenen Fenster die Melodien der probenden Musiker. Übers Jahr verteilt finden in der Stadt rund 10.000 Festivals und Veranstaltungen statt. Irgendwo ist immer etwas los. Die lebendige Kulturszene schätzen die rund 300.000 Einwohner, von denen rund ein Fünftel Studenten sind. Ein schräger Treffpunkt für Kreative ist Metelkova im Norden. Das ehemalige jugoslawische Militärgelände wurde von Künstlern besetzt. Heute ist es ganz offiziell die Heimat von zahlreichen Ateliers, Galerien und Clubs. Im Sommer werden auf dem 12.000 Quadratmeter großen Gelände auch Open-Air-Konzerte organisiert.

Die künstlerische Seite von Ljublijana (c) Anita Arneitz Die künstlerische Seite von Ljublijana (c) Anita Arneitz

Regionales zum Schlemmen Zurück in der Innenstadt empfiehlt es sich, die kleinen Gassen und Plätze rund um die Bischofskirche des Heiligen Nikolaus, das Rathaus und den Marktplatz zu erkunden. Tipp: Unbedingt einen Abstecher in die Fischhalle am Markt machen! Vormittags werden frische Fische aus der Adria feilgeboten. Nebenan landen die Meerestiere im Restaurant fertig gegrillt oder gebacken auf dem Teller. Bis zum Meer sind es mit dem Bus rund eineinhalb Stunden, zu den Alpen eine Stunde. Das beeinflusst die Speisekarten.

Markthalle (c) Anita Arneitz Markthalle (c) Anita Arneitz

Die typische Küche ist ein Mix aus mediterranen und ländlichen Zutaten Fisch mit Erdäpfeln, Eintopf mit Polenta, Cremeschnitten oder Apfelstrudel mit Rahm und Pinienkernen werden serviert. In einigen Gasthäusern wird sogar noch auf dem alten Holzofen gekocht. Regionale Snacks gibt es günstig bei den Streetfood-Wagen neben den Markt-Arkaden.

Streetfood aus dem Wagen am Markt (c) Anita Arneitz Streetfood aus dem Wagen am Markt (c) Anita Arneitz

Wurzeln der Stadt Gestärkt geht es über die Drachenbrücke zur anderen Flussseite. Der Legende nach soll der altgriechische Held Jason in der Stadt untergetaucht sein. Der Drache, der das Stadtwappen und die Drachenbrücke ziert, soll von Jason getötet worden sein. Ein Selfie mit dem Drachen ist daher ein Muss! 2017 feiert Ljubljana nicht nur ihren 145. Geburtstag, sondern auch den 60. Todestag des Architekten Jo e Ple?nik. Die Innenstadt trägt seine Handschrift. Darauf sind die Slowenen stolz. Genauso wie auf den bekannten Dichter Pre eren, nach dem der markante Platz bei den drei Brücken benannt ist. Seit jeher treffen sich hier die Einheimischen zum Shoppen, Fortgehen oder Plauschen. Mit Blick auf die Burg kann dann der Tag gemütlich ausklingen.

Prekären Platz (c) Anita Arneitz Preseren Platz - benannt nach dem berühmten Dichter (c) Anita Arneitz

 
 
 
 
 

Anita Arneitz
lebt als journalistische Schreibnerdine am Wörthersee. Von hier aus erkundet sie den Alpen-Adria-Raum und teilt ihre Insider-tipps gerne mit anderen – bei kreativen Schreibnächten im Zug, in Zeitungen, Zeitschriften oder in Buchform. Zuletzt erschienen sind die Bücher „Kärnten ganz gemütlich“, „Wien mit dem Rad entdecken“ und „Trick 17 Urlaub und Reise“.
Weitere Stories

LIFESTYLE
Wanda Interview
 
MOBILITÄT
Sicherheit
 
INS GRÜNE
Wachau Schifffahrt
 
INS GRÜNE
Österreichs schönste Badeseen