16.04.2017

Energiegeladener Genuss


ACTIVE
Text — Sabine Weyrer



Den frischen Fahrtwind spüren und mit der Sonne um die Wette strahlen – so fühlen sich herzerfrischende Radtouren mit dem E-Mountainbike in Mittelkärnten an. Wer dabei ein Feinschmecker für Kulinarik und Kultur ist, sollte die Genusstour ins Gurktal ins Auge fassen.

Hooo-ruck! Kurz einmal kräftig anpacken und schon ist das  E-Mountainbike im dafür vorgesehenen Bereich des ÖBB Zuges bestens verstaut und die Reise kann losgehen. Die Bikes selbst kann man problemlos im Tourismusbüro der Region am St. Veiter Hauptplatz mieten, je nach Lust und Laune ganztags um 17 Euro oder halbtags um 11 Euro. Alles auf Schiene also. Von der Bezirkshauptstadt St. Veit an der Glan führt die Bahnstrecke nach Althofen. Gut 20 Minuten Fahrtzeit, die man sich mit am besten mit dem herrlichen Ausblick auf das Krappfeld – wo die weitläufigen Kornfelder Mittelkärntens zu Hause sind – vertreibt. Am Ziel angekommen erwarten uns schon strahlender Sonnenschein, sommerlich-warme Temperaturen und ein toller Ausblick auf die Altstadt, der wir später noch einen lohnenden Besuch abstatten werden. Doch vorerst heißt es: Rauf aufs Rad, in die Pedale und ab ins Gurktal. Dessen „Pforte“ ziert gleich ein mächtiges Wahrzeichen, Schloss Pöckstein. Die ehemalige Bischofsresidenz, erbaut in den Jahren 1772 bis 1783, wird derzeit aufwendig renoviert, Führungen sind aber bei Voranmeldung möglich. Ein Veranstaltungstipp ist im jeden Fall der Carinthischer Musiksalon am 3. September um 11 Uhr, welcher in den prunkvollen Räumlichkeiten stattfinden wird.

Rückblick auf Althofen (c) Sabine Weyrer Rückblick auf Althofen (c) Sabine Weyrer

 

Schloss Pöckstein (c)Sabine Weyrer Ziert den Eingang ins Gurktal: Schloss Pöckstein (c) Sabine Weyrer

Schlösser, soweit das Auge reicht Unser Weg führt uns weiter entlang dem glitzernden Wasser des Gurkflusses, von dem das Tal auch seinen Namen hat. Nach einigen Radkilometern können wir schon das nächste Wahrzeichen des Tals erspähen. Denn stolz thront das Schloss Straßburg hoch über der gleichnamigen Stadt. Der Abstecher noch oben mit dem Rad lohnt sich allemal, denn den ganzen Sommer über finden hier Vernissagen, Ausstellungen, Kabaretts und Konzerte statt. Und man kann sich ja dank der E-Mountainbikes auch gerne helfen lassen und etwas verstärkende Energie per Knopfdruck am Bordcomputer dazu schalten. Sehr praktisch, kraftsparend und der Muskelkater wird es am nächsten Tag garantiert danken. Nach einer ausgiebigen Rast geht es Richtung Gurk, wo wir schon zu einer interessanten Führung durch den Gurker Dom und dessen Diözesanmuseum erwartet werden. Die im hochromanischen Stil erbaute Pfeilerbasilika birgt so manche Schätze und Geheimnisse, zählt sie doch zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken in Europa. Unverkennbar sind die imposanten, sechzig Meter hohen Doppeltürme außen, absolut einzigartig ist die mit 100 Säulen gestaltete Krypta innen. Dies ist auch der älteste Teil der Kirche, im Jahr ihrer Weihe 1174 wurde das Grab der Heiligen Hemma dorthin verlegt. Ebenfalls außergewöhnlich ist die überlebensgroße Pietá von Georg Raphael Donner vor dem Hochaltar. Es zeigt die Marienklage mit assistierenden Engeln und wurde als sein letztes Werk aus 18 Tonnen Kärntner Blei gegossen.

Am Wasser des Gurkflusses entlang radelt es sich bestens Am Wasser des Gurkflusses entlang radelt es sich bestens (c) Sabine Weyrer



Verfahren kann man sich nicht (c) Sabine Weyrer Verfahren kann man sich nicht (c) Sabine Weyrer



Die Rückseite des Gurker Doms mit den drei Apsiden (c) Sabine Weyrer Die Rückseite des Gurker Doms mit den drei Apsiden (c) Sabine Weyrer

  Hochprozentiges und Luftgeselchtes Nach so vielen „Kulturkilometern“ knurrt der Magen. Zur Stärkung gibt es auf dieser Genusstour zum Glück gleich mehrere Möglichkeiten: Ein Tipp gleich in der Nähe des Doms ist der Gasthof Erian. Bodenständige Traditionsküche mit besonderen Gurktaler Schmankerln werden hier aufgetischt. Für fleißige Pedalritter, die die Tour bis nach Weitensfeld und Glödnitz fortsetzen, liegt der Gurktaler Hof am Weitensfelder Hauptplatz am Weg. Die Dinkel-Käsnudel dort sind übrigens der absolute Favorit von Wirtin Annette Kogleck und wirklich sehr empfehlenswert. Und wer den berühmten Gurktaler Luftgeselchten Speck verkosten möchte, der sollte in Straßburg beim Gasthof Seiser eine genussvolle Pause einlegen, denn die hauchzarten Schinkenscheiben zergehen auf der Zunge. Da darf es zum Abschluss gerne ein Stamperl vom Gurktaler Alpenkräuter sein. Und für einen einmaligen Ausklang der Tour wartet ab Schloss Pöckstein noch ein besonderes, ja ein dampfendes Zuckerl. Hier wird das Rad kurzerhand auf die große schmalspurige Dampf- und erste Museums-Eisenbahn Österreichs, die Gurkthalbahn, geladen, um die letzten Kilometer mit etwas Nostalgie zu genießen. So hat man auch noch genügend Muskelkraft in den Beinen, um diesen herrlichen Tag in der Althofener Altstadt ausklingen zu lassen. Und ja, zugegeben: Mit etwas energiegeladenem Rückenwind fährt es sich natürlich gleich leichter. Warum auch nicht, schließlich geht es ja ums gelassene Genießen hier im sonnigen Süden, oder?

von weitem sichtbar: Schloss Strassburg von weitem sichtbar: Schloss Strassburg



sonnige Pause bei Schloß Straßburg (c) Sabine Weyrer sonnige Pause bei Schloß Straßburg (c) Sabine Weyrer

 
 
 
 
 

Sabine Weyrer
eine Kärntnerin mit Leib und Seele: Geboren 1986 in Friesach, auf-gewachsen in Glödnitz, mittlerweile am Fuße der Burg Hochosterwitz sesshaft geworden. Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften in Klagenfurt. Als freie Journalistin, Texterin und Bloggerin  unterwegs. Naturmensch, Bergfreak und Feinschmecker.
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