11.12.2016

Val Gardena: Weihnachtsstimmung in den Dolomiten


ACTIVE
Text — Jasmin Kreulitsch



Harte Schale, weicher Kern: Zwischen den zerklüfteten Gebirgsketten und zackigen Gipfeln der Dolomiten versteckt sich eines der schönsten Täler Südtirols: Im Val Gardena wird man mit Wärme und Herzlichkeit empfangen und muss nicht unbedingt auf die Piste, um die Berge hautnah zu erleben. Die Dolomiten sind hier allgegenwärtig, denn in der Adventszeit heißt es in Gröden sogar auf den Weihnachtsmärkten: Der Berg ruft.

Der erste Blick fällt aus dem Fenster. Es dämmert und der neue Tag erscheint nur in Umrissen, aber man kann die Berge schon erahnen. Egal ob man mit dem ÖBB Nightjet von Wien nach Bregenz oder von Hamburg nach Innsbruck anreist: Die magische Bergwelt zeichnet sich spätestens ab, wenn man die Grenze zu Tirol erreicht. Steigt man dann um in Richtung Süden, landet man in jenem Teil Italiens, der das Beste aus beiden Welten von Österreich und Italien vereint: in Südtirol, genauer gesagt im malerischen Val Gardena (http://www.valgardena.it/de/), wo die Berge so mächtig in den Himmel ragen, dass einem schon mal der Atem stocken kann.      

Zackige Berggipfel, verschneite Pisten: Wintersportler haben es in Gröden wirklich gut! (c) Jasmin Kreulitsch Zackige Berggipfel, verschneite Pisten: Wintersportler haben es in Gröden wirklich gut! (c) Jasmin Kreulitsch

 

Italienisches Flair mitten im Schnee. (c) Jasmin Kreulitsch Italienisches Flair mitten im Schnee. (c) Jasmin Kreulitsch



Alleine die Fahrt mit der Gondel hoch auf die Pisten in den Dolomiten ist ein Abenteuer   und ein Genuss fürs Auge! (c) Jasmin Kreulitsch Alleine die Fahrt mit der Gondel hoch auf die Pisten in den Dolomiten ist ein Abenteuer und ein Genuss fürs Auge! (c) Jasmin Kreulitsch

Aber wo genau sind wir überhaupt? Von Innsbruck sind es 120 Kilometer, von Salzburg 320 Kilometer, nach Verona dauert es 190 Kilometer, nach Mailand 270 Kilometer. Das Grödener Tal, wie das Val Gardena auf Deutsch heißt, ist zwischen den üppigen Zacken der Dolimiten eingebettet und erstreckt sich über 25 Kilometer und die drei Gemeinden St. Ulrich, Wolkenstein und St. Christina. Dass man sich in einem ganz besonderen Teil Südtirols befindet, merkt man spätestens, wenn man die ersten Sprachfetzen hört: 90% der Bevölkerung in Gröden spricht neben Deutsch und Italienisch auch Ladinisch, eine Sprache rätoromanischer Herkunft, die über 2.000 Jahre alt ist!

Der malerische Blick ins Tal von Wolkenstein kann sich ebenso sehen lassen   (c) Jasmin Kreulitsch Der malerische Blick ins Tal von Wolkenstein kann sich ebenso sehen lassen (c) Jasmin Kreulitsch



  wie die bunten Häuser im Ortskern von St. Ulrich. (c) Jasmin Kreulitsch wie die bunten Häuser im Ortskern von St. Ulrich. (c) Jasmin Kreulitsch



: Wer genau schaut, findet vereinzelt richtige Kunstwerke unter den malerischen Häusern im Val Gardena! (c) Jasmin Kreulitsch Wer genau schaut, findet vereinzelt richtige Kunstwerke unter den malerischen Häusern im Val Gardena! (c) Jasmin Kreulitsch

Denn es ist vor allem die Geschichte der Region, die allgegenwärtig ist und Land und Leute prägte. Wo vor 260 Millionen Jahren ein flaches tropisches Meer war, ragen heute die Dolomiten hoch in den Himmel - die Geislerspitzen, die Puezgruppe, die Sellagruppe, die Langkofelgruppe - und die verschiedenen Gesteinsschichten und -typologien erzählen noch heute die lange Geschichte dieser geologischen Entwicklung. Man muss aber kein Geologe sein, um sich hier wohlzufühlen, denn die malerische Bergwelt zieht vor allem im Winter Alpinsportler an (Tagesskipass ab 42, eine Woche ab ca. 211). Das ist kein Wunder: Nirgendwo sonst erkundet man rund 500 Pistenkilometer  bei einem solch überwältigenden Ambiente!

Das kann sich sehen und vor allem essen lassen: Im Val Gardena warten rund 54 Hütten auf hungrige Gäste! (c) Jasmin Kreulitsch Das kann sich sehen und vor allem essen lassen: Im Val Gardena warten rund 54 Hütten auf hungrige Gäste! (c) Jasmin Kreulitsch



Die Pizza Diavolo im Restaurant  Seceda Hütte  (bei der Bergstation der Seceda Alm) kostet   11,20. (c) Jasmin Kreulitsch Die Pizza Diavolo im Restaurant Seceda Hütte (bei der Bergstation der Seceda Alm) kostet 11,20. (c) Jasmin Kreulitsch

Doch es sind nicht nur die butterweichen, weißen Pisten, die hier begeistern, es ist das ganze Drumherum, das der Region das gewisse Etwas verleiht, etwa das italienische Flair und der österreichische Charme, aber auch die Skihütten, die kulinarisch weit mehr hergeben als mancher Germknödel-Einheitsbrei in unseren Bergen: Im Val Gardena futtert man lieber Pasta und Pizza auf hohem Niveau; fünf der insgesamt 54 bewirtschafteten Hütten haben sogar Holzofenpizza auf ihren Karten stehen, die definitiv nach Italien schmeckt!

Das  Refugio Comici  liegt auf 2.200 Meter Höhe. Besonderes Highlight: der Aperitivo im Schnee! (c) Jasmin Kreulitsch Das Refugio Comici liegt auf 2.200 Meter Höhe. Besonderes Highlight: der Aperitivo im Schnee! (c) Jasmin Kreulitsch



Frischer Fisch in den Dolomiten: Auf der Comici-Hütte isst man abends Fisch, der erst morgens in Grado gefischt wurde. (c) Jasmin Kreulitsch Frischer Fisch in den Dolomiten: Auf der Comici-Hütte isst man abends Fisch, der erst morgens in Grado gefischt wurde. (c) Jasmin Kreulitsch

Die größte kulinarische Überraschung erlebt man aber auf 2.200 Meter Höhe im Rifugio Comici (Via Plan de Gralba 2, Wolkenstein), wo es den besten Fisch der Region gibt. Richtig gelesen: Fisch! Weil die Wirtsfamilie Verwandtschaft in Grado hat, gelangt der Fisch frisch in die Berge und auf den Teller. Fischliebhaber freuen sich vor allem über die Events die sogenannten Special Nights , die auf der Comici-Hütte stattfinden. Die starten schon im Tal vor der Abfahrt der Gondel mit Glühwein und Snacks, gehen über in eine rasante Fahrt mit einer Schneekatze zur Hütte und Aperitivo und Vorspeisen bei Lagerfeuer im Schnee und enden in einem mehrgängigen Menü ( 120 pro Person).

In St. Ulrich erfreut das  Weihnachtsdorf  noch bis zum 8. Jänner seine Besucher (c) @valgardena.it In St. Ulrich erfreut das Weihnachtsdorf noch bis zum 8. Jänner seine Besucher (c) @valgardena.it

Gut gehen lassen kann man es sich aber vor allem in der Weihnachtszeit, wenn man durch die idyllischen Christkindlmärkte der Region schlendert, wo wirklich für jeden etwas geboten wird und in jedem Dort etwas anderes. In St. Ulrich bezaubert das Weihnachtsdorf (noch bis 8. Jänner von 11 bis 19 Uhr) mit rund 25 verschiedenen, rustikalen Hütten, in St. Christina feiern in der Magic Town (noch bis 8. Jänner von 10 bis 18:30 Uhr) vor allem Familien und Kinder, und in Wolkenstein erlebt man bei Mountain Christmas (noch bis 8. Jänner von 14 bis 19 Uhr) alpines Flair dank einer weihnachtlichen Kabinenbahn: Auf 350 Meter ziehen sich im wahrsten Sinne des Wortes kunstvoll angefertigten Seilbahnkabinen durch die Stadt!

Ein absoluter Hingucker: Die weihnachtliche Gondel-Deko bei  Mountain Christmas  in Wolkenstein. (c) @valgardena.it Ein absoluter Hingucker: Die weihnachtliche Gondel-Deko bei Mountain Christmas in Wolkenstein. (c) @valgardena.it

Zwischen Glühwein und Punsch kann man sich dann bei dem ein oder anderen Verkaufsstand auch etwas anschauen, das so nur in Gröden existiert, nämlich filigran geschnitzte Kunstwerke. Dieses Handwerk gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert, die Idee entstand aus einer logischen Schlussfolgerung: Weil wegen der Höhe des Tales weder Wein, noch Obst angebaut werden konnte, brauchte man eine andere Erwerbsquelle und fing an zu schnitzen. Noch heute gibt es hier rund 40 Holzschnitzereien und Holzbildhauerbetreibe (z. B. La Zipla , Via Rezia 22, St. Ulrich).

Stolz auf Holz: Gröden ist bekannt für seine Tradition der Holzschnitzereien. (c) Jasmin Kreulitsch Stolz auf Holz: Gröden ist bekannt für seine Tradition der Holzschnitzereien. (c) Jasmin Kreulitsch

Aber klar, in Gröden gibt es natürlich nicht nur Tradition zum Mitnehmen, sondern auch Mode und das so hübsch kompakt und nah beieinander, dass das Shoppen noch mehr Spaß macht, vor allem im putzigen Ortskern von St. Ulrich. Wer auf Designer steht, wird in einer der drei Filialen von Extreme (z. B. Via Rezia 129) oder Pizblanc (Via Rezia 37) fündig, hier gibt es Labels wie Armani, Ralph Lauren oder Converse, ausgefallenere Boutique-Teile entdeckt man dafür in den Läden Nero Fluido (Via Rezia 171) und La Boutique (Via Rezia 119).

Etwas teurer, dafür aber schick: das  Bizblanc  in St. Ulrich. (c) Jasmin Kreulitsch Etwas teurer, dafür aber schick: das Bizblanc in St. Ulrich. (c) Jasmin Kreulitsch



Das Geschäft  Extreme  gibt es sogar drei Mal im ganzen Val Gardena (c) Jasmin Kreulitsch Das Geschäft Extreme gibt es sogar drei Mal im ganzen Val Gardena (c) Jasmin Kreulitsch



Sportgewand bekommt man hier in vielen Shops   und das sogar ordentlich reduziert! (c) Jasmin Kreulitsch Sportgewand bekommt man hier in vielen Shops und das sogar ordentlich reduziert! (c) Jasmin Kreulitsch

Und natürlich gibt es auch Sportmode in allen Variationen (z. B. Bei Sport Demetz , Via Rezia 56, St. Ulrich) ein Muss in einer Skiregion wie dem Val Gardena. Das Tal wurde übrigens gerade in der Studie Best Ski Resort (Mountain Management in Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck) ausgezeichnet und hat es auf Platz 6 der Top-Skigebiete in den Alpen geschafft. Und nicht nur das: Auf die Frage, wo Wintersportler besonders zufrieden sind, war die häufigste Antwort: in Gröden. Wer mal hier war, weiß auch, dass es keine andere Antwortmöglichkeit gibt.

Wer auf den Wegen von Louis Trenker wandeln will, kann das im wahrsten Sinne des Wortes tun: auf der Louis-Trenker-Promenada! (c) Jasmin Kreulitsch Wer auf den Wegen von Louis Trenker wandeln will, kann das im wahrsten Sinne des Wortes tun: auf der Louis-Trenker-Promenada! (c) Jasmin Kreulitsch

 
 
 
 

Jasmin Kreulitsch
Freie Autorin. Blattmacherin. Kolumnistin. Reisejournalistin. In Klagenfurt aufgewachsen, in Wien studiert, in Berlin ausgebildet. Zählt konsequent die Tage von einer Reise zur nächsten und hat ihren Koffer immer bereit, um darüber zu schreiben, warum es sich lohnt, die Welt zu entdecken.
Weitere Stories

TRAVEL
Wandern zwischen Burgen und Heurigen
 
TRAVEL
Warum man nicht nur eine Stadt lieben kann
 
PEOPLE & LIFESTYLE
Mein Zürich
 
SERVICE
Tipps für Bahnreisen mit Kindern