09.10.2016

In einem Zug Europa entdecken der Interrail Sommer


TRAVEL
Text — Malina Nwabuonwor



Einen Sommer lang reisen und uns die schönsten Ecken West-Europas zu einem kurzzeitigen Zuhause machen. Mit dem Nachtzug in Windeseile von Wien in die Hansestadt Hamburg, um einen Tag am Elb-Ufer zu verbringen. Einen Zwischenstopp im beschaulichen Malmö, weiter in die moderne Insel-Stadt Stockholm. Als nächstes Ziel das futuristische Kopenhagen mit dem etwas skurrilen Freistaat Christiania anpeilen und dann weiter nach Amsterdam, in die Stadt der Räder, Grachten und Museen. Wir wollen in sechs Wochen 9000 Kilometer zurücklegen.

Wie ein so langer Urlaub mit so vielen Destinationen für uns so einfach geklappt hat? Mit einem Interrail-Ticket ist es tatsächlich nicht so schwer. Keine langen Anfahrten zum Flugha-fen, kein Stau, kein langes Vorausbuchen und Flexibilität in der Reiseroute. Das Leben wird einfach in den Zug verlagert, die Füße hochgelegt, der Laptop angesteckt und die Tickets auf den Tisch gelegt. Das Prinzip von Interrail ist schnell erklärt. Man überlegt sich eine ungefähre Route, wählt einen Zeitraum und bestellt das Ticket. Wir sind mit einem Interrail-Global-Pass unterwegs. Dieser ist in allen europäischen Ländern gültig und ermöglicht uns jederzeit den Antritt einer Zugfahrt. Wir hätten auch die billigere Variante einer gewissen Anzahl an Reisetagen inner-halb einer Zeitspanne auswählen können, hatten uns aber für komplette Reisefreiheit ent-schieden. Schließlich ist dies einer der großen Vorteile des Konzepts. Flatrate-Reisen sozusa-gen. Als noch bequemere Variante gibt es auch einen Global Pass für die erste Klasse. Der Großteil europäischer Züge ist im Interrail-Ticket inbegriffen. Man steigt einfach ein, sollte sich aber versichern, dass man die Zugfahrt in den Interrail-Pass eingetragen hat, um dessen Gültigkeit zu aktivieren. Einige Zugverbindungen sind reservierungspflichtig. Dazu zählen größtenteils Hochgeschwindigkeits- und Nachtzüge. Um eine Reservierung zu erstehen, muss man einen Aufpreis zahlen. Will man die Reservierung vorbestellen, um sich einen fixen Platz zu sichern, kann man dies online tun. Die Zustellung erfolgt allerdings per Post. In jedem Bahnhof-Reisezentrum kann man die Reservierungen sofort und äußerst unkompliziert erstehen. Des Öfteren buchen wir auch nach Lust und Laune ein Ticket für den selben Tag in die nächstbeste Stadt.

Abfahrt (c) Malina Nwabuonwor Abfahrt (c) Malina Nwabuonwor

Sehr hilfreich für die Routenplanung ist die Interrail-App. Diese lässt einem nämlich wissen, wenn ein Zug mit weiteren Kosten verbunden ist und stellt eigene Routen zusammen, die solche Züge vermeiden. Wir wollen auf diesem Trip auch altbekannte Städte neu erleben. Paris zum Beispiel. Nach ein paar Tagen abseits der Touristenpfade in der französischen Hauptstadt, kennen wir eine Bahnschienen-Wanderstrecke aus 1920 und ein von Künstlern besetztes Haus neben dem Louvre. Nur drei Zugstunden entfernt besuchen wir in Nantes mechanisch betriebene Mons-ter, die Machines de l île .

Paris (c) Malina Nwabuonwor Paris (c) Malina Nwabuonwor



Nantes - (c) Malina Nwabuonwor Nantes "Machines de l`île" (c) Malina Nwabuonwor

Ein weiterer Tag im Zug mit wunderbarem Ausblick auf die französische Landschaft und wir sind bereit für einen Surfkurs in der Kulturhauptstadt 2016, San Sebastian.

Surfen in SanSebastian (c) Malina Nwabuonwor Surfen in SanSebastian (c) Malina Nwabuonwor

Ein Tagestrip nach Bilbao zum Guggenheim-Museum ist danach fast ein muss. Inspiriert vom Romantitel Nachtzug nach Lissabon , verbringen wir wenige Tage spä-ter eine Fahrt in den bequemsten Betten seit Langem. Das hügelige Lissabon betört uns mit seinen süßen Pastéis, den klassischen Eiercremetörtchen Portugals.

Tapas in Spanien (c) Malina Nwabuonwor Tapas in Spanien (c) Malina Nwabuonwor

Eine Stadt im Kommen. Bunt, kreativ und entspannt. Um noch einmal in den Genuss von Tapas und Flamenco zu kommen, reisen wir zurück nach Spanien. Genauer gesagt Sevilla, die Hochburg des Stier-kampfes und Drehort der Erfolgsserie Game of Thrones . Der Schnellzug nach Barcelona klingt so verlockend, dass wir nur fünf Stunden später und läppische zehn Euro ärmer aus dem Erste-Klasse-Wagon steigen und uns in der Metropole ein Hostel suchen. Von dort aus fahren wir mit kleinen Rastpausen zurück nach Österreich. Das Interrail-Ticket gilt schließlich auch für die Ein-und Ausreise aus dem Heimatland.

Nachtzug (c) Malina Nwabuonwor Nachtzug (c) Malina Nwabuonwor

Zu wenig Beinfreiheit, Saunagefühl und Verspätungen mit diesen Vorurteilen können wir nun endgültig aufräumen. Unsere Zeit im Zug hatte sich tatsächlich fast zwei Monate lang angenehm gestaltet. Sowohl in Schweden, als auch in Spanien waren die Abteile geräumig und die Sitze bequem. Klimaanlagen ließen uns so manche Tage lieber im Zug als anderswo verbringen. Besonders positiv in Erinnerung bleiben wohl Schweden und Spanien, deren Zugnetz und Schnellzüge uns die Reise erleichterten. Besonders im Süden sind Interrail-Reservierungen für die erste Klasse äußerst interessant. Ein Luxus der sich ab und an schon auszahlt und oft nur fünf Euro extra kostet.

Stockholm (c) Stockholm (c) Malina Nwabuonwor

Auf die Frage, was wir denn diese Vielzahl an Stunden im Zug machen würden, können wir getrost antworten: Langweilig ist uns nie geworden. Schließlich fahren die europäischen Zü-ge teilweise durch malerische Landschaften, wie zum Beispiel auf der Strecke von Sevilla nach Barcelona. Nicht nur im Nachtzug nach Lissabon war das Boardbistro ein Highlight. Des öfteren wird in den südländischen Zügen mit ausgelassener Stimmung frisch gekocht und genossen. Ausreichender Komfort für die Arbeit im Zug ist nun schon lange Standart. Vor-sicht! Achtgeben muss man nur, falls man in Hochgeschwindigkeitszügen leicht flauen Magen bekommt.

Boardbistro (c) Malina Nwabuonwor Boardbistro (c) Malina Nwabuonwor

Tatsächlich zeigen sich Unterschiede in der Simplizität und Qualität des Interrail-Reisens in verschiedenen Ländern. Auf unserer Reise schnitt Schweden wohl am besten ab. Unkompli-ziert und schnell kann man in den Bahnhöfen Schwedens eine Zugreservierung ergattern. Im Grunde könnte man jedes Ziel aber auch völlig kostenfrei erreichen. Bahnhöfe und Züge sind klar ausgeschildert und geordnet. Die Schnellzüge haben ebenso schnelles Internet an Board. In den Niederlanden und Portugal empfehlen sich Tagestrips. Ganz ohne Vorausplanung kann man dort einfach zum Bahnhof spazieren und sich in den nächsten Zug setzen. Die In-terrail-Tickets gelten als Zugtickets. Reservierung ist äußerst selten von Nöten. In Frankreich und Spanien ist ein Großteil der Züge reservierungspflichtig. Dies bedeutet besonders in Frankreich erhöhte Zusatzkosten. In diesen Ländern erleben wir das Zugperso-nal als besonders bemüht. Schließlich wird sogar einmal ein Zug bei der Abfahrt für uns an-gehalten und kommt immer noch pünktlich an sein Ziel. Interrail, das ist den eigenen Kontinent kennen lernen, in die verschiedenen Kulturen Euro-pas eintauchen und dabei ein paar der interessantesten Bekanntschaften seines Lebens ma-chen. Wir treffen Gleichgesinnte jeden Alters, die ebenso Gefallen an dieser Art des Reisens gefunden haben. Mitbringen muss man im besten Fall lediglich viel Zeit! Die schönsten Impressionen unserer Reise haben wir im Film #BestofInterrail zusammengefasst

https://youtu.be/HmKrhjUQJU4

     
 
 
 
 

Malina Nwabuonwor
Ist Drehbuchstudentin mit großer Reisesucht.  Auf ihrem Blog zeigt sie Impressionen ihrer Reisen nicht nur in Form von Bildern und Reisetipps, sondern auch als Kurzfilm oder Prosa, getreu dem Motto „Reisen=Geschichten“.
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