11.09.2016

Stubnerkogel - Herrliche Ausblicke und eine stille Almwanderung


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Text — Maria Kapeller



Kaum bewegt sich die Seilbahn hinauf, werden die Selfiesticks ausgepackt. Das junge Paar in der Gondel hantiert während der gesamten Fahrt mit Handy und Gopro herum. Ich blicke auf das immer kleiner werdende Bad Gastein. Auf die steiler werdenden Almwiesen, die schwarz-weiß gefleckten Kühe und die Pferde.

In wenigen Minuten ist man vom Bahnhof Bad Gastein mit der Stubnerkogelbahn auf 2.246 Metern Seehöhe. Die Talstation liegt gleich hinter dem Bahnhof – ein Katzensprung. Oben ist es noch ein bisserl frisch. Wolkenfetzen schwirren dünn wie ausgefranste Watte über den Gipfeln. Das Gras und die alpinen Blüten sind von Tautropfen umhüllt. Aber man merkt: Es wird ein farbenprächtiger, warmer Sommertag.

Die Hauptattraktion am Gipfel des Stubnerkogels ist seit einiger Zeit die 140 Meter lange Hängebrücke. Das Stahlkonstrukt ist 30 Meter über dem Boden aufgespannt. Jeder will mal drüber gehen – vom Volksschulkind bis zum Opa. Kameras und Selfiesticks sind allzeit bereit. Sogar ein paar Schlösser haben Verliebte schon auf die Brückenseiten gehängt. Ein paar Jugendliche machen sich einen Spaß und hüpfen auf und ab, andere finden das gar nicht lustig. Nur wenige Besucher trauen sich nicht drüber. Ein bisschen wackelig ist das Überqueren schon, aber von wildem Herzklopfen keine Spur. Wie zufällig endet die Brücke auf der Dachterrasse des Gipfel-Restaurants. Viele nutzen die Gelegenheit, um eine Kleinigkeit zu trinken oder zu essen.

140-meter-lange-haengebruecke_stubnerkogel 140m lange Hängebrücke am Stubnerkogel (c) Maria Kapeller



besucher-auf-der-haengebruecke Besucher auf der Hängebrücke (c) Maria Kapeller



liebesschloss-auf-der-haengebruecke Liebesschloss auf der Hängebrücke (c) Maria Kapeller

Ein Ufo in den Bergen Mich zieht es weiter, zur nächsten Attraktion. Sie schwirrt wie ein orangefarbenes Ufo ein paar Gehminuten entfernt auf einer Felskuppe: die kreisförmige Aussichtsplattform Großglocknerblick. Von hier aus hat man einen 360-Grad-Blick über die umliegenden Gipfel. Auf den Schildern lese ich, wie sie heißen: Mauskarkogel (2.373 m), Wiesbachhorn (3.564 m), Ritterkopf (3.006 m) … Nur den fast 3.800 Meter hohen Großglockner verdeckt noch der Nebel.

wie-ein-ufo_glocknerblick Wie ein Ufo.... (c) Maria Kapeller



aussichtsplattfom-glocknerblick Aussichtsplattform Glocknerblick (c) Maria Kapeller

Ein Stück weiter ragt eine weitere Aussichtsplattform in den blitzblauen Himmel. Von hier aus geht’s über eine kurze, befestigte Stahlbrücke, dem Felsenweg, in Richtung Zittauertisch.

felsenweg-am-stubnerkogel Felsenweg am Stubnerkogel (c) Maria Kapeller

Das ist der Name eines grasbewachsenen Gipfels mit markanter Form. Während die meisten Wanderer zum Gipfel aufsteigen, halte ich mich links, dann bergab und stehe 45 Minuten später vor der bewirtschafteten Zittauerhütte. Von hier aus könnte man bequem in einer halben Stunde zur Mittelstation der Stubnerkogelbahn wandern und zurück ins Tal fahren.

weg-vom-stubnerkugel-zur-zittauerhuette Weg vom Stubnerkogel zur Zittauerhütte (c) Maria Kapeller



stubnerkogelbahn Stubnerkogelbahn (c) Maria Kapeller

Abstieg zur Böckfeldalm

Oder man möchte – nach dem Rummel auf den Aussichtsplattformen - auch eine stille Seite des Gasteinertals kennenlernen. Dann schreitet man zum Ziegenstall neben der Almhütte, geht durch das enge Holzgatter und marschiert in Richtung Böckfeldalm. Der erste Teil der Strecke führt durch einen wildromantischen Wald-Höhenweg. Danach geht es über eine Wiese steil bergab. Nach einer knappen Stunde leuchtet die rot-weiß-rote, gehisste Fahne der Böckfeldalm zwischen den Bäumen hervor.

boeckfeldalm-in-bad-gastein Böckfeldalm (c) Maria Kapeller

Brettljause mit selbst gemachtem Speck & Käse

Die urige Holzhütte schmiegt sich in den Hang, davor sind vom Wetter gezeichnete Tische und Bänke aufgestellt. „Habt ihr auch Produkte aus Eigenerzeugung?“, frage ich die Almwirtin. „Ja – eigentlich alles“, antwortet sie. Und serviert wenig später eine Brettljause mit allem, was dazugehört. Eine Straße ins Tal gibt es nicht, nur einen schmalen Weg. Die Lebensmittel werden mit dem Quad auf die Alm gebracht – wenn es das Wetter erlaubt. Ansonsten packt die Almwirtin Speck, Brot und Käse in den Rucksack und trägt die Jause selber hinauf.

brettljause-auf-der-boeckfeldalm Brettljause auf der Böckfeldalm (c) Maria Kapeller

Per Gondel hinab oder nach Altböckstein

Frische Pofesen gäbe es hier auch, aber in meinem Magen hat nichts mehr Platz. Für die Rückkehr gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wieder zurück über die Zittaueralm zur Mittelstation der Seilbahn. Oder eine Stunde steil bergab nach Altböckstein. Ich wähle Zweiteres und marschiere anschließend eine Dreiviertelstunde lang entlang der glasklaren Gasteiner Ache zurück zum Bahnhof. Im Zug zurück nach Salzburg tut mir nur eines leid: Dass ich mir keine Pofesen einpacken lassen habe.

weg-von-altboeckstein-entlang-der-ache-nach-bad-gastein Weg von Altböckstein entlang der Ache nach Bad Gastein (c) Maria Kapeller

 
 
 
 

Maria Kapeller
Reist am liebsten mit einem Stapel Zeitschriften im Rucksack durch die Welt. Bei langen Zugfahrten darf die Schlafmaske nie fehlen. Wenn die erstmal abgenommen ist, stürzt sich die Texterin und Journalistin voller Elan in jedes neue Abenteuer. Sie schreibt nicht nur für diverse Medien, sondern mit viel Leiden-schaft auch auf ihrem eigenen Blog kofferpacken.at.
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