07.08.2016

Im Rhythmus der Berge - Das 37. Internationale Jazzfestival in Saalfelden


TRAVEL
Text — Peter Zeitlhofer



Mit Kopfhörern im Ohr und steigender Laune im Herzen, klopfe ich im Takt der Musik fast unbewusst auf das kleine Tischchen vor mir. Berge, Hügel, tiefblaue Bäche, Flüsse und malerische Orte ziehen am Fenster vorbei. Einmal im Jahr begebe ich mich auf diese Reise, verlasse die Stadt und meine gewohnte Umgebung, mache es mir im Zug gemütlich und auf geht s nach Saalfelden am Steinernen Meer. Denn so idyllisch und ruhig das kleine Städtchen im SalzburgerLand sonst vielleicht auch sein mag, pünktlich zum letzten August-Wochenende wird es für vier Tage zum Nabel der internationalen Jazz-Welt. Ein Ausbruch, den ich seit vielen Jahren nicht verpasse.

Mit der Inspiration ist das ja so eine Sache. Immer wieder hört man, dass Künstler ganz spezielle Orte aufsuchen, wo sie dann von der Muse geküsst und unsagbar kreativ werden. Ein Ort, an dem die Inspiration fast zu Hause zu sein scheint und wo sie den Großteil der dafür empfänglichen Menschen schier umwirft, ist Saalfelden am Steinernen Meer. Hier, im Angesicht hoher Bergkämme und grüner Täler, entstand schon so manches Kunstwerk und auch musikalische Klänge sind hier im Pinzgau alles andere als fremd. Eine Musikrichtung, die sich in der Region Saalfelden-Leogang besonders wohl zu fühlen scheint, ist der Jazz. 37 Jahre dominiert er schon ein ganzes Wochenende im August, hat die Stadt weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt und im positivsten Sinne berüchtigt gemacht und lockt jedes Jahr aufs Neue viele begeisterte Besucher in die Berge.

Die Bergwelt rund um Saalfelden wirkt für viele Künstler unheimlich inspirierend ©SalzburgerLand Tourismus Die Bergwelt rund um Saalfelden wirkt für viele Künstler unheimlich inspirierend ©SalzburgerLand Tourismus

Was mich persönlich so am Internationalen Jazzfestival Saalfelden anspricht und mich seit vielen Jahren ins SalzburgerLand wiederkommen lässt, ist der doch sehr offene Umgang, der hier mit dem Begriff Jazz und den entsprechenden Genre-Grenzen gegangen wird. Durch Experimentieren mit dem Neuen, dem Ungewöhnlichen und der Offenheit, auch einmal andere Wege zu gehen, wird für ein breites Publikum programmiert. Viele meiner Freunde aus Nah und Fern schätzen das ebenso wie ich, kommen immer wieder und so fühlen sich diese 4 Tage für uns schon fast wie ein Familientreffen an. Während sich mein Zug durch das immer enger werdende Tal kurz vor Zell am See schlängelt und ich schön langsam die Freude des Ankommens in mir spüre, denke ich an die schönen Begegnungen, die in den nächsten Tagen so vor mir liegen. Einige bekannte Gesichter werden mich schon am Bahnhof erwarten, andere sitzen noch in den anderen Zügen, die sich schnell nähern und auch noch heute ihr Ziel erreichen werden. Alle Wege führen nach Rom? Das mag schon sein, viele führen aber auch nach Saalfelden! Denn so idyllisch und ruhig die Stadt auch gelegen sein mag, die Eisenbahn-Anbindung aus den anderen europäischen Ländern, allen voran natürlich aus Deutschland, ist allererste Sahne und kaum jemand von uns hat je daran gedacht, anders als per Bahn hierher anzureisen. Von den Verbindungen aus Österreich natürlich ganz zu schweigen. Willkommen gefeiert wird jedes Jahr am Rathausplatz vor der City Stage bei der offiziellen Eröffnung. Das hat Tradition, daran wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern. Tanzen, Feiern, Anstoßen und bis in die Nacht hinein ausgelassen plaudern und Spaß haben. Denn so anspruchsvoll das Programm auch manchmal sein mag das Vergnügen kommt hier trotzdem nie zu kurz.

Die Eröffnung an der City Stage zieht jedes Jahr tausende von Besuchern an ©Artisual Die Eröffnung an der City Stage zieht jedes Jahr tausende von Besuchern an ©Artisual

Obwohl es schon ein paar Fixpunkte gibt, die ich heuer auf keinen Fall verpassen möchte. Die Eröffnung am Freitag, die Almkonzerte auf den drei Almen, oben auf über 1.000 Meter Seehöhe und natürlich einige der Künstler, die auf der Main-Stage im Congress ihr Unwesen treiben werden. Die Vorfreude ist wirklich schon riesengroß. Meine Highlights in diesem Jahr sind ganz klar Shake Stew aus Österreich, Krokofant aus Norwegen und natürlich der großartige Vincent Courtois. Das Schöne am Programm des Festivals ist ja, dass der Mix aus großen Namen und Newcomern, heimischen Acts und internationalen Größen so vielfältig ist, dass hier jeder sein ganz individuelles Festival aus den angebotenen 31 Shows auf den vier Bühnen für sich zusammenstellen kann.

Krokofant, 2016 live auf der Main-Stage ©Int. Jazzfestival Saalfelden Krokofant, 2016 live auf der Main-Stage ©Int. Jazzfestival Saalfelden



Die Band  Syrian Links , die das Publikum am Rathausplatz begeistern wird ©Int. Jazzfestival Saalfelden Die Band Syrian Links , die das Publikum am Rathausplatz begeistern wird ©Int. Jazzfestival Saalfelden

Interessant ist für mich immer wieder, wie fremd und fast schon angsteinflößend der Begriff Jazz auf manche Menschen wirkt. Mein Mitreisender, der mir von Salzburg bis Bischofshofen gegenübergesessen ist und mit dem ich mich so angeregt unterhalten habe, hatte ja anfangs überhaupt kein Verständnis, für die weite Anreise, die ich hierfür, für den Jazz, auf mich nahm. Keine Ahnung, ob ich ihn ein bisschen überzeugen konnte, ist auch nicht so wichtig. Ich mag sie einfach, diese kurzen Begegnungen im Zug. Zwei Leben, die so überhaupt nichts miteinander zu tun haben und die sich dann trotzdem für eine Stunde überkreuzen. Für mich ist Jazz alles andere als anstrengend und angsteinflößend. Jazz spiegelt das Leben wieder. Manchmal ist es ruhig und harmonisch, dann verrückt und leider dann und wann auch betrübt und traurig. Das alles spiegelt sich in der Musik wieder. Das alles und noch so viel mehr, bekommen die Besucher hier in den nächsten Tagen zu hören. Da gibt es nichts zu verstehen, man fühlt und erlebt. Die Musik überzeigt die Menschen selbst, da braucht es mich dann gar nicht mehr als Fürsprecher. Überzeugungsarbeit die garantiert funktioniert, passiert seit einigen Jahren bei den Shortcuts im Kunsthaus Nexus. Hier werden Ausschnitte der einzelnen Konzerte dem breiten Publikum zugänglich gemacht. Ein Best-Of , wenn man so will und immer restlos ausverkauft. Ein Fixpunkt für mich und die Tickets habe ich auch schon in der Tasche.

Das Kunsthaus Nexus hostet eine der Bühnen des Festivals ©Saalfelden-Leogang-Tourismus Das Kunsthaus Nexus hostet eine der Bühnen des Festivals ©Saalfelden-Leogang-Tourismus

Bremsend wird der Zug langsamer und ruhig rollen wir in den Bahnhof ein. Für viele meiner Mitreisenden geht es jetzt weiter Richtung Tirol, doch für mich ist hier Endstation. Was werden sie wohl erleben, welche Geschichten werden ihre Reisen erzählen. Welche meine? Beim Ausstieg blicke ich in lachende Gesichter und sehe winkende Hände auf mich zukommen. Es werden garantiert ganz Tolle!   Infobox: Internationales Jazzfestival Saalfelden 25. bis 28. August 2016, Saalfelden am Steinernen Meer Infos und Programm: www.jazzsaalfelden.com; www.saalfelden-leogang.com  

 
 
 
 

Peter Zeitlhofer
Von Neugier getrieben’ – diese Worte kommen Peter Zeitlhofer wohl schon ziemlich nahe. Egal ob am Segelboot, im Tiefschnee, unterwegs in Stadt und Land, oder auf einer seinen vielen Reisen – er ist immer auf der Suche nach Neuem, nach dem Besonderen, probiert so ziemlich alles aus und liebt es, darüber zu reden und zu berichten.
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