14.08.2016

Vintage-Reise zum Achensee


TRAVEL
Text — Lea Hajner



Ein wenig ironisch ist es schon. Ich reise so schnell wie möglich (EC 84, Innsbruck-Jenbach in 17min) an, um so langsam wie möglich (Achenseebahn, seit 1889 in Betrieb, 50min) anzukommen. Man sagt, die Seele reist mit 70km/h. Die Achenseebahn hat mit Maximalgeschwindigkeiten von 35 km/h also, viel Seele.

Die hört und fühlt man auch. Denn bei einer Fahrt mit der alten Dampflokomotive bleibt genug Zeit um in Gedanken Blumen zu pflücken. Oder, um Fotos zu machen, ohne dass das Motiv bereits wieder aus dem Blickfeld verschwunden ist. Alle, die es hassen in modernen Hotels und Zügen keine Fenster mehr aufmachen zu können, würden es hier lieben. Die Luft darf rein und raus wie es ihr passt, denn Fenster gibt es schlichtweg keine.

Achenseebahn (c) Lea Hajner Achenseebahn (c) Lea Hajner



Dampflock (c) Lea Hajner Dampflock (c) Lea Hajner

Das ist auch für den Schaffner von Vorteil, denn er kann gemütlich außen am Trittbrett entlang steigen und von außen die Fahrkarten der Passagiere entwerten. Entweder knipst er die alten Karten ab oder er scannt den Barcode der modernen Fahrkarten ein. Hier treffen auf kleinem Raum Jahrhunderte aufeinander. Bei der Eröffnung der Bahn hätte man sich so etwas wie einen Barcode-Lesegerät wohl kaum vorstellen können.

Schaffner der Achenseebahn (c) Lea Hajner Schaffner der Achenseebahn (c) Lea Hajner

  Wir ruckeln und zuckeln dahin. Stets bergauf. Die Dampflokomotive bekommt ein richtiges Eigenleben und das Geräusch wird Teil der Fahrt. Wie grandios muss diese Fahrt den Menschen hier vor 100 Jahren vorgekommen sein!

Achenseebahn (c) Lea Hajner Achenseebahn (c) Lea Hajner

Oben in der Ausweich- und Scheitelbahnhof Eben angekommen wird die Lok von hinten nach vorne geholt. Aus Sicherheitsgründen werden die Züge bergwärts geschoben und talwärts gezogen. Dann geht es weiter zur Endstation, dem Bahnhof Seespitz am Achensee.

Schiffstation (c) Lea Hajner Schiffstation (c) Lea Hajner

Hier gibt es einen direkten Anschluss an die Schifffahrt. Für mich geht es mit der MS Tirol nach Pertisau. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Anreise und müsste ich raten würde ich sagen: meine Seele auch. Fehlt eigentlich nur die Kutsche für die letzten paar Meter zum Hotel.
 
 
 
 

Lea Hajner
ist Reisejournalistin. Sie mag schöne Geschichten aus fernen Ländern. Und sie erzählt gerne schöne Geschichten, mal aus der Ferne mal aus der unmittelbaren Umgebung. Es sind  Geschichten vom Reisen, vom Fernweh, von schönen Begegnungen und abenteuerlichen Ausflügen in die Natur.
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