NACHHALTIGE MOBILITÄT

Das grüne Erlebnis


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN HERBST 2017
Text — Nikolaus Prokop

Wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, ist die Bahn eine der größten Zukunftshoffnungen. Mobilitätsexperte Alexander Holst erklärt, weshalb.

 

Das Ende 2015 verabschiedete UN-Klimaabkommen von Paris gilt als Meilenstein im Kampf gegen die globale Klimaerwärmung. Die Konsequenzen des Abkommens sind weitreichend, vor allem auch für den Verkehr. Denn dieser soll bis zum Jahr 2050 weitgehend emissionsfrei und unabhängig von fossiler Energie werden. Ein wichtiger Faktor der Mobilitätswende wird vor allem auch die Bahn sein, die aktuell als eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel gilt, mit rapide wachsender Akzeptanz als Alternative zum Auto. So gaben etwa beim alljährlichen Bahntest des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) im Jahr 2016 bereits 51 Prozent der Fahrgäste an, Strecken heute lieber mit der Bahn zu fahren, die sie früher mit dem Auto gefahren sind. Die Hauptgründe für rund drei Viertel der Umsteiger: kürzere Fahrzeiten, ein verbessertes Angebot der Bahn und die nutzbare Zeit während der Bahnfahrt. Wenn es um komfortable und umweltfreundliche Mobilität geht, befindet sich die Bahn heute also klar auf der Überholspur. Doch wo liegen auch in Zukunft ihre größten Chancen in Sachen Nachhaltigkeit? railaxed sprach darüber mit Alexander Holst, Managing Director der Berliner Niederlassung der internationalen Unternehmensberatung Accenture Strategy, einem der führenden Beratungsexperten für Mobilität und Energie im europäischen Raum.

Wenn es um das Thema Nachhaltigkeit geht, gilt die Bahn heute als einer der größten Hoffnungsträger und sozusagen als „eierlegende Wollmilchsau“. Wie sehen Sie das aus Ihrer Perspektive?

Alexander Holst: Die Antwort ist ja und nein. Ja, Bahnfahren ist heute noch „grüner“: Ein Kilometer Bahnfahren heißt bis zu 125 Gramm weniger CO2-Ausstoß im Vergleich zu einem Kilometer mit dem Auto und bis zu dreißigmal weniger als ein Flugzeug. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Im Güterverkehr wird noch zu wenig auf der Schiene transportiert. Immer noch werden über 75 Prozent des europäischen Frachtaufkommens mit dem LKW transportiert, in Österreich rund 65 Prozent. Am Ende sehe ich die Bahn aber als nachhaltige Topkandidatin, allerdings unter drei Voraussetzungen: Es muss gelingen, noch mehr Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Züge und Bahnhöfe müssen schnell, ressourceneffizient und kundenorientiert modernisiert werden. Und: Es müssen noch mehr Autofahrer für die Bahn begeistert werden.
Zur Person


Alexander Holst ist Managing Director of Sustainability bei Accenture Strategy Berlin. Das weltweite Beratungsunternehmen arbeitet an der Schnittstelle zwischen Unternehmensführung und Technologie und ist für namhafte Unternehmen und Konzerne in aller Welt tätig.

Das zentrale Geschäftsfeld von Accenture Strategy sind innovative Zukunftsszenarien, die auf Themen wie Mobilität, Energie, Stadt und Technologie mit neuen, richtungsweisenden Geschäftsmodellen und Unternehmensstrategien reagieren.



Es müssen noch mehr Autofahrer für die Bahn begeistert werden, fordert Alexander Holst. Denn nur eine Bahn, die ihre Kunden rundum überzeugt, ist auch tatsächlich nachhaltig.

„Die nahtlose Perfektionierung des Kundenerlebnisses ist die große Zukunftschance der Bahn.“


Alexander Holst


 

Wie kann aus Ihrer Sicht die Bahn in Zukunft noch mehr begeistern?

Alexander Holst: Die wichtigsten Hebel dafür sind Digitalisierung, Innovation und Kundenzentrierung. Noch ist die Fahrt von Haustür zu Haustür mit dem PKW für viele bequemer und einfacher. Ziel muss es daher sein, das Kundenerlebnis zu perfektionieren, durch digitale Technologien wie z. B. virtuelle Assistenten. Dieses Kundenerlebnis muss von „Tür zu Tür“ gedacht werden – von der Geschäftsfrau über den Studenten bis zum Rentner. Kunden sollen so wenig wie möglich Aufwand haben, die Reise zu planen und zu bezahlen. Die ÖBB haben große Chancen, dieses Kundenerlebnis neu zu prägen.

Was bedeutet das für die Zukunft des Personenverkehrs bei der Bahn?

Alexander Holst: Im Personentransport muss es bei der Bahn um die Integration von Mobilität, Erlebnis, Begegnung und Arbeit gehen, angefangen von der personalisierten Mobilität von Tür zu Tür bis zum bequemen Arbeiten und Einkaufen am Bahnhof sowie in den Zügen.

Auch das Thema intermodaler Transport bietet interessante Zukunftschancen, etwa bei vernetzten Sharing-Angeboten und individualisierter Mobilität. Warum sollte es in Zukunft nicht z. B. autonome elektrische Zubringer-Taxis oder Kleinbusse geben, die die Menschen an ihrer Haustür abholen und zur Bahn bringen?

Welche Rolle spielen Innovation und Digitalisierung aus Ihrer Sicht zur Erreichung der Klimaziele?

Alexander Holst: Die Digitalisierung hat das Potenzial, die weltweiten CO2-Emissionen 2030 trotz Wirtschaftswachstums auf dem Stand von heute zu halten. Und der Mobilitätssektor ist der Sektor, der im Vergleich mit anderen Sektoren die größten Möglichkeiten hat, durch die Digitalisierung CO2-Emissionen einzusparen. Das Potenzial: 3,6 Gigatonnen im Jahr 2030!
 
 
Klimafreundlichkeit im Vergleich 

ÖKO AM ZUG


Unter allen motorisierten Verkehrsmitteln ist die Bahn das umweltfreundlichste: mit drei Millionen Tonnen C02 weniger pro Jahr für Österreich.

 

Drei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr: Das ist die Menge an Treibhausgas-Emissionen, welche die ÖBB mit ihren Verkehrsleistungen Österreich ersparen. Zum Vergleich: Die nationale CO2-Gesamtmenge liegt bei ca. 79 Millionen Tonnen jährlich, davon sparen die ÖBB rund 3,7 Prozent ein! Damit ist die Bahn unter allen motorisierten Transportmitteln auch weiterhin aktuell das umweltfreundlichste. Das bedeutet im direkten Vergleich zu anderen Transportmitteln: Gemessen an den CO2-Emissionen ist die Bahn ca. vierzehnmal klimafreundlicher als ein durchschnittlicher PKW unterwegs und, je nach Flugstrecke, ca. dreißigmal klimafreundlicher als ein durchschnittliches Verkehrsflugzeug.
Auch der Postbus schneidet im Vergleich ca. 2,4 mal sauberer ab als ein PKW. Und wenn es um das Thema Güterverkehr geht, ist das Potenzial der CO2-Einsparung am höchsten: Jede Tonne Fracht, die auf der Schiene transportiert wird, verursacht etwa dreizehnmal weniger Treibhausgasemissionen als derselbe Transport auf der Straße mit einem durchschnittlichen LKW.
Ein weiterer entscheidender Nachhaltigkeitsfaktor des Schienenverkehrs in Österreich: Die ÖBB beziehen mittlerweile den Großteil ihres benötigten Bahnstroms aus Wasserkraft. Mit durchschnittlich 92 Prozent Wasserkraft im Bahnstrommix, die zum überwiegenden Teil aus acht eigenen Wasserkraftwerken stammt, sind die ÖBB mit ihrer Energie-Infrastruktur einer der umweltfreundlichsten Eisenbahnbetreiber in Europa. Besonders innovativ: Seit 2015 betreiben die ÖBB südlich von Wien bei Bruck an der Leitha das erste Bahnstrom-Solarkraftwerk Europas. 7.000 Photovoltaik-Paneele speisen die Energie direkt in die Oberleitung und versorgen Züge mit Ökostrom. Pro Jahr liefert die Anlage rund 1.100 MWh – damit fahren ca. 200 Züge von Wien nach Salzburg, pro Jahr werden 400 Tonnen CO2 eingespart.

Grüne Bahn


Je mehr Sie Bahn fahren, desto grüner wird's. Denn durch den Einsatz modernster Technologien sind die ÖBB der führende Anbieter von nachhaltiger Mobilität in Österreich.

Nachhaltigkeit ist bei den ÖBB ein Thema umfassender Verantwortung, wirtschaftlich, ökologisch und sozial. Nachhaltigkeitsaspekte werden entlang der ganzen Wertschöpfungs-kette gelebt – von der Beschaffung über die Produktion und Nutzung bis hin zur Entsorgung.
Infos: oebb.at/nachhaltigkeit


Credits: © Foto: Marlene Gawrisch, Marlene Gawrisch, Philipp Horak
 
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