180 Jahre

DER ZUG DES LEBENS


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN HERBST 2017
Text — Janina Lebiszczak

Drei Generationen ÖBB – und die vierte steht schon in den Startlöchern. Die Hörmanseders aus Oberösterreich haben allesamt die Bahn im Blut.

Im Wandel der Zeit:


Seit 180 Jahren gestaltet die Eisenbahn das Erscheinungsbild Österreichs wie kaum ein anderes Unternehmen. Der Bahnhof ist seit jeher ein Ort der Bewegung – des Ankommens und Abfahrens. Um das festzuhalten, wurde ein besonderer Fotowettbewerb ins Leben gerufen:

Haben Sie ein altes Bahnhofsfoto in Ihrem Fundus? Oder sind Hobby-fotograf und fotografieren gerne Bahnhöfe? Senden Sie uns Ihre Fotos, damit wir eine umfassende Sammlung über die Bahnhöfe Österreichs aufbauen können. Alle
Infos: 180jahrebahn.at

Weihnachten 1981. Kerzen, Kekse, Behaglichkeit – und natürlich leuchtende Kinderaugen bei der Bescherung: Markus Hörmanseder, damals drei Jahre alt, bekommt ein Geschenk, das sein späteres Leben nachhaltig beeinflussen soll: die erste Modelleisenbahn. Die Begeisterung für die Bahn wurde ihm aber nicht nur unter den Christbaum gelegt – sie steckt in seinen Genen. Sein Großvater Matthias Hörmanseder war von 1945 bis 1975 bei den ÖBB tätig. Begonnen hat er auf dem Bauzug, bevor er Haltestellenwärter in Zell an der Pram auf der Strecke von Wels nach Passau wurde. Der Enkel erinnert sich zu seinem Bedauern nur an wenige Geschichten aus der „guten, alten Zeit“ – nur an soviel: „Mein Großvater wurde einmal für kurze Zeit ‚strafversetzt‘ in eine Haltestelle ohne Schranken, da er einmal vergaß, einen Schranken in ‚seiner‘ Haltestelle zu schließen.“ Der Vater, Karl Hörmanseder, Baujahr 1944, hatte mehr Glück – er durfte den Wandel der Zeit und die Revolution des Transportes hautnah miterleben. Bis 1975 absolvierte er seinen Dienst auf den stattlichsten Dampflokomotiven – auch aus der legendären Reihe 52. Mit der zunehmenden Verdieselung folgte der Einsatz auf Dieselloks, ab 1977 versah er seinen Dienst nur mehr auf elektrisch angetriebenen Loks und Triebwagen im Güter- wie Personenverkehr. Markus, der jüngste ÖBBler in der Familie,
erinnert sich: „Der verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Beruf meines Vaters hat natürlich einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Ich werde den Tag nie vergessen, an dem ich als Bub auch mal auf Papas Führerstand Platz nehmen durfte. Nicht viele Familien können von sich behaupten, dass bereits frühere Generationen im gleichen Unternehmen beschäftigt waren. Das macht mich schon stolz.“ Ja, es liegt wohl in den Genen: Markus Hörmanseder, Jahrgang 1978, ist seit fast zehn Jahren als Flottenmanager für den Railjet tätig. Auch seiner Heimat Oberösterreich ist er treu geblieben und pendelt zwischen der Unternehmenszentrale in Wien und seiner Heimatgemeinde Andorf. Die Bahn liegt ihm im Blut, auch privat: „Der Zug stellt einerseits ideale Bedingungen für ein Arbeiten außerhalb des Büros dar, andererseits bietet er den kleinen Reisenden eine Vielzahl an Möglichkeiten, um sich die Zeit zu vertreiben. Und Bahn fahren ist zudem eine der umweltschonendsten Arten des Reisens.“ Seinen Kindern will er Mutter Erde möglichst intakt hinterlassen. Die Söhne Emil und Xaver wiederum wissen mit ihren sechs Jahren schon genau, was ihre Zukunft bringen soll: Lokführer wollen sie werden. Bis dahin bleibt die Familie auf Spur: „Ausflüge mit dem Fahrrad finden auf Wunsch der Kinder, auch meiner Tochter Ida, meist entlang der Bahnstrecke statt.“



 



Der Großvater: Matthias Hörmanseder, die erste Generation der ÖBB Familie.



Matthias Hörmanseder arbeitete als Block- und Haltestellenwärter in Griesbach.



Leistungsfähigkeit pur: die legendäre 52er-Dampflok bei Freistadt.

 



Karl Hörmanseder wechselte 1977 auf elektrisch angetriebene Loks.



Der Junior: Klein-Markus mit seinem Vater im Führerstand auf der 2043.



Die Zukunft: Die Söhne von Markus Hörmanseder sind ebenfalls bahnbegeistert.



Diese und weitere ÖBB Familien finden Sie unter oebbfamilien.at
Credits: © Fotos: Ernst Kabelka (Foto 1972), ÖBB, Hörmanseder Archiv
 
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