INTERVIEW

ZUHAUSE ANKOMMEN


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN HERBST 2017
Text — Nikolaus Prokop

Musical-Star Lukas Perman denkt über seine Heimat nach: im Hit-Musical „I Am From Austria” im Wiener Raimund Theater und ganz railaxed im Interview.

„I Am From Austria”, der Titelsong des Musicals, den Rainhard Fendrich einst als Protestsong gegen die negative Darstellung von Österreich in der Welt geschrieben hat, ist mittlerweile beinahe zur heimlichen Bundeshymne Österreichs geworden. Was bedeutet dieser Song, mit dem du nun auf der Bühne stehst, ganz persönlich für dich?

Lukas Perman: Grundsätzlich bin ich absolut kein großer Verfechter von Nationalitäten. Jean-Jacques Rousseau hat einmal sinngemäß gesagt: „Der erste, der ein Stück Land eingezäunt und behauptet hat, dies gehöre nun ihm, war ein Betrüger. Wie viele Verbrechen und Kriege, wie viel Not und Elend hätte man der Menschheit erspart, hätte man die Zaunpfähle sofort wieder herausgerissen und die Grenzgräben wieder zugeschüttet. Denn die Früchte der Erde gehören allen – doch die Erde niemandem.“ Von irgendwelchen Nationalstaatlichkeiten und ihren problematischen oder gar radikalen Ausprägungen halte ich also sehr wenig. Aber natürlich gibt es so etwas wie die Verbundenheit mit der eigenen Heimat. Wo man aufwächst, wo die eigene Familie herstammt, wo vor allem auch die Natur und die Landschaft ist, die einen in der Kindheit umgeben hat – das prägt natürlich sehr die persönliche Identität, und das prägt selbstverständlich auch mich.
Ich bin ja als Sohn eines Landarztes in Oberösterreich aufgewachsen, im Innviertel nahe bei Salzburg und damit auch nahe an den Bergen – es berührt mich nach wie vor jedes Mal, wenn ich heimfahre und sich dann etwa ab der Höhe von Mondsee dieses mächtige Bergpanorama der Alpen vor einem aufzubauen beginnt. Und ich denke, über diese Emotion, die in solchen Momenten in einem hochsteigt, ist wohl am ehesten erklärbar, was es für mich bedeutet, sagen zu können: „I Am From Austria”. Denn Österreicher zu sein, ist vor allem ein Gefühl. Ein Gefühl, das sehr persönlich und auch sehr still sein kann – mit lautem Fahnenschwingen, willkürlichem Grenzenziehen oder gar dem Ausgrenzen anderer hat das rein gar nichts zu tun.

LUKAS PERMAN


geboren 1980 in Braunau am Inn, ist mit Hauptrollen in Hit-Produktionen wie u. a. „Elisabeth”, „Romeo und Julia”, „Tanz der Vampire” oder „Das Phantom der Oper” einer der erfolgreichsten internationalen Musicaldarsteller Österreichs. Ab 16.09. ist er im Wiener Raimund Theater in „I Am From Austria” in der Hauptrolle des Josi Edler zu sehen, neben Stars wie Iréna Flury, Elisabeth Engstler, Dolores Schmidinger u.v.a.
musicalvienna.at

Ab 09.10. ist Lukas Perman auch gemeinsam mit Ramesh Nair als Zwei-Personen-Musikkabarett „The Gentlemen of Swing” mit Songs der Rat Pack-Ära zu sehen. Weitere Programminfos unter
lukas-perman.com

 

 


„I Am From Austria – damit ist keine Nation, sondern eine Emotion gemeint.“


Lukas Perman


Du bist im Lauf deiner Karriere viel herumgekommen, warst etwa für „Elisabeth” oder „Phantom der Oper” längere Zeit in Japan engagiert. Welche Reiseimpressionen haben sich da so im Laufe eines Schauspielerlebens angesammelt?

Lukas Perman: Seit ich Familie habe, sind Reisen im größeren Umfang vorläufig noch etwas eingeschränkt. Aber davor war ich nicht nur beruflich, sondern auch privat viel unterwegs, die Zeit zwischen den Engagements habe ich immer gerne genützt, um mir die Welt anzusehen. Für „Elisabeth” und „Phantom der Oper” war ich rund eineinhalb Jahre in Japan – das ist allerdings heute ein derart westliches, industrialisiertes und konsumorientiertes Land, dass Österreich dazu im Vergleich beinahe östlich entspannt wirkt.
Eine meiner schönsten Reiseerinnerungen stammt allerdings aus der Zeit, als meine damalige Freundin und heutige Frau Marjan Shaki und ich nach einer langen gemeinsamen Spielzeit von „Romeo und Julia” beschlossen hatten, uns eine längere Auszeit zu gönnen. Wir sind einige Monate als Rucksacktouristen durch Südamerika gereist, unter anderem auch durch Venezuela, das ein unfassbar schönes, wenn auch sehr armes Land ist, heute ja leider am Rande des Bürgerkriegs. Wir haben uns bei dieser Reise zum Beispiel auch völlig naiv und unwissend in die übelsten Gegenden von Caracas begeben, das damals schon als gefährlichste Stadt der Welt galt. Vielleicht ist ja gerade auch wegen unserer Unbefangenheit damals nichts Schlimmes passiert – aber wir haben natürlich schon große Augen gemacht, als man uns später aufgeklärt hat, was einem dort so alles zustoßen kann. Und sind dann auch etwas vorsichtiger geworden (lacht). Der Kulturschock bei der Rückkehr war jedenfalls groß. Nach Monaten wieder in einen österreichischen Supermarkt zu gehen, sich diesem vergleichsweise unfassbaren Überangebot gegenüberzusehen und zu realisieren, dass wir in diesem Land so gut wie alles so gut wie jederzeit haben können – das gibt einem natürlich sehr zu denken.

 

Mit „I Am From Austria” unternimmst du aktuell eine Zeitreise der ganz anderen Art, zurück zu Songs, die seit Jahrzehnten fest mit einer Legende der österreichischen Popmusik-Geschichte verbunden sind. Wie fühlt man sich bei der Herausforderung, Rainhard Fendrichs Hits neu auf der Musicalbühne zu interpretieren?

Lukas Perman: Mit Rainhard Fendrich verbindet mich einerseits ein Zufall mit großer persönlicher Tragweite: Hätte er 2002 nicht Marjan Shaki für sein Musical „Wake Up” nach Wien geholt, hätte ich wahrscheinlich meine heutige Frau nicht kennengelernt (lacht).
Und andererseits habe ich über die Arbeit an „I Am From Austria” herausgefunden, welch große emotionale Meisterschaft in vielen seiner Songs steckt – obwohl oder gerade weil sie ja so oft gehört sind und damit zum österreichischen Popkultur-Allgemeingut zählen. Aber wenn man genau hinhört, dann bemerkt man, dass seine Musik weit über den Pop-Aspekt hinaus eben immer auch eine zweite Ebene besitzt, eine äußerst treffende Poesie in den Texten, die auch das neue Stück zu etwas sehr Besonderem macht. Es ist schon sehr verblüffend, wie extrem musicaltauglich Rainhards Songs sind.

 



„Die wahre Heimat findet ma in sich, findet man dort, wo man das Gefühl hat, angekommen zu sein. Das erzählt auch die Story des Musicals sehr schön.“

Wie würdest du dieses Besondere, dieses poetische Element in den Fendrich-Songs genauer definieren?

Lukas Perman: Ich denke, dass man die deutsche Musicallandschaft schon sehr weit durchforsten muss, um etwa auf eine Textzeile wie „Weus’d a Herz hast wia a Bergwerk” zu stoßen. Denn auch wenn das vielleicht eine kleine Spur trivial klingt: Im Grunde ist das eine der schönsten Liebeserklärungen, die man sich vorstellen kann, sind das Worte, die einen mitten ins Herz treffen. Und damit komme ich wieder auf das eingangs Gesagte zum Thema Heimat zurück: Während der Proben ist mir bei dem Song „I Am From Austria” regelmäßig eine Gänsehaut über den Rücken gelaufen, man ist einfach unwillkürlich ergriffen und spürt ganz instinktiv, weshalb dieser Song ein Hit ist. Und was für den Song gilt, gilt für das ganze Stück, es stellt die Heimatfrage nicht in Hinblick auf die Nation, sondern auf etwas viel Stärkeres: die Emotion. Denn die wahre Heimat findet man in sich, findet man dort, wo man das Gefühl hat, angekommen zu sein. Das erzählt ja auch die Story des Musicals sehr schön, in der ein Hollywoodstar aus Österreich auf Umwegen seine Heimat wiederentdeckt – wobei natürlich auch die Liebe zwischen den Menschen eine tragende Rolle spielt (lacht).

Und dein eigenes Angekommensein im Leben? Wie sieht es aktuell damit aus?

Lukas Perman: Ich bin seit zweieinhalb Jahren Vater einer kleinen Tochter, das ist sicher schon mal ein sehr wichtiger Schritt in Richtung eines Ankommens, im Sinne eines Herausfindens, was einem im Leben wirklich wichtig ist, was sich authentisch und gut anfühlt. Und da ich im Zusammenhang mit meiner Suche nach Echtheit auch das Thema Nachhaltigkeit sehr spannend finde – wer weiß, vielleicht starte ich eines Tages noch eine zweite Karriere als Bio-Bauer auf dem Land. Dann ende ich eines Tages dort, wo ich hergekommen bin (lacht).

 

 

„I am from Austria“ und 20 weitere Songs von Rainhard Fendrich werden zum Musical. Bei ÖBB Rail Tours können Sie Ihr Musical-Ticket gleich im Package mit Bahnfahrt und Hotel buchen. Alle Infos: railtours.at
 
 

 

I Am From Austria

im Raimund Theater (Wien): Gewinnen Sie 1 von 5 Eintrittskarten für je 2 Personen inkl. Goodie Bag für das Musical samt An- und Abreise mit den ÖBB (für je 2 Personen in der 2. Klasse innerhalb Österreichs) für den 3. November 2017.

Gewinnfrage:
Wer spielt die Hauptrolle im neuen Musical mit 20 Rainhard Fendrich-Hits?
Bitte senden Sie die Antwort unter Angabe Ihres vollständigen Namens, Ihrer Anschrift und Telefonnummer bis 15. Oktober 2017, 24 Uhr, einlangend per E-Mail an railaxed@pv.oebb.at*




Credits: © Foto: Claudia Spieß, VBW Herwig Prammer, VBW Oliver Gast

*Teilnahmeberechtigt sind alle Personen. TeilnehmerInnen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, müssen vor der Teilnahme am Gewinnspiel nachweislich die Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters einholen. Die Verlosung findet nach dem Zufallsprinzip unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die GewinnerInnen werden bis 17. Oktober 2017 per E-Mail verständigt. Sollte der Gewinner oder die Gewinnerin die Annahme des Gewinnes nicht innerhalb der in der Gewinninformation angeführten Frist bestätigen, verfällt dieser ersatzlos. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barablöse des Gewinns ist nicht möglich. Für allfällige Mängel an den Gewinnen wird nicht gehaftet. Gewinnansprüche sind nicht auf andere Personen übertragbar. Die TeilnehmerInnen des Gewinnspiels werden darauf hingewiesen, dass die von ihnen selbstständig im Zuge der Gewinnspielteilnahme bekanntgegebenen personenbezogenen Daten von der ÖBB-Personenverkehr GmbH zum Zwecke der Teilnahme am sowie zur Durchführung des Gewinnspiels verwendet werden. Eine darüber hinausgehende Datenverwendung findet nicht statt, sofern nicht eine gesonderte Zustimmung erteilt wird oder eine Datenverwendung aus gesetzlichen Gründen erforderlich ist. Die Teilnahmebedingungen unterliegen dem Recht der Republik Österreich. Gerichtsstand ist Wien. Teilnahmeschluss ist der 15. Oktober 2017, 24:00 Uhr. Die gezogenen GewinnerInnen erklären sich ausdrücklich mit der Veröffentlichung ihres Namens einverstanden.


 
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