CORTI AM ZUG

Die Brüder
im Wein


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN WINTER 2018

Im Wiener Weinrestaurant „Mast“ beim Franz-Josefs-Bahnhof sorgen sich drei junge Ausnahmekönner um das Wohl der Gäste.

 

Wenn Winzer wie Alwin Jurtschitsch oder Anna und Martin Arndorfer ihren Freundinnen und Freunden sowie Kundinnen und Kunden in Wien einen Besuch abstatten, dann steigen sie in Krems schnell einmal in den Zug und sind kaum eine Stunde später am Franz-Josefs-Bahnhof. Das klingt gut. Es soll halt des Öfteren vorgekommen sein, dass sie danach nicht weiter kamen als einmal über den Julius-Tandlerplatz (an dem der Bahnhof liegt) und ein paar wenige Meter in die Porzellangasse. Dort gibt es nämlich ein Lokal, in dem die Gäste mit viel Charme umgarnt und mit herausragendem Essen, vor allem aber mit außerordentlich feinen, hierzulande raren Kreszenzen verwöhnt werden. Steve Breitzke und Matthias Pitra sind Sommeliers von jener Sorte, die es verstehen, ihre Lust am guten (und keineswegs unvernünftig teuren) Wein auf ansteckende Art an ihre Gäste weiterzugeben. Diese Kunst haben sie in etlichen der feinsten Häuser des Landes und darüber hinaus perfektioniert. Irgendwann aber wollten sie ihrer Leidenschaft ohne Kompromisse im eigenen Lokal frönen. Herausgekommen ist das „Mast“, dessen Name sich aus den Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zusammensetzt. Und genauso persönlich darf man sich hier auch empfangen fühlen. Es sind nur ein paar Tische, eine lange Schank und etliche Flaschen, die die beiden bei befreundeten und sonst wie geliebten Winzerinnen und Winzern im In- und Ausland zusammentragen. Dazu kommt als Dritter im Bunde Martin Schmid, der die feststoffliche Nahrung besorgt. Nicht irgendwie: Er war zuletzt Küchenchef bei Andreas Döllerer in Golling, der, wenn man den Restaurantführern Glauben schenkt, zur absoluten Spitze im Lande zählt. Im „Mast“ präsentiert Schmid seine Meisterschaft auf persönliche, geradezu intime Art. Die Speisekarte ist auf ein A4-Blatt getippt, es gibt kleine, kunstvoll zusammengefügte Snacks für die Bar, ein paar Vorspeisen und vier, fünf Hauptspeisen. Die Speisen wechseln häufig, sie kosten nie mehr als 20 Euro und sind doch auf eine Art komponiert, wie es eben nur die Großen können. Das kann geschmorter Lauch in Misobutter sein, mit gegrilltem Ochsenmark und Shiitake-Pilzen obendrauf und einem Dashifond, der bei aller Leichtigkeit so sagenhaft fein gewürzt ist, dass man sich am liebsten hineinlegen möchte. Oder butterweich geschmorte, gezupfte Ripperl mit Junglauch, geknuspertem Brot und Kapuzinerkresse, ein Wohlfühlgericht der hochklassigen Sorte. Oder geschmorte Ente mit Salzsellerie, knackig eingelegter Zwiebel und den letzten Feigen der Saison, eine grandiose Kombination aus Pikanz und Säure. Mittagsmenüs gibt es auch, man muss aber schon sehr willensstark sein, um danach wieder ins Büro zurückzufinden. Die Verlockung, den Rest des Tages der reinen Freude am Dasein zu widmen, ist hier nämlich groß. Wovon nicht zuletzt auch jene Winzerinnen und Winzer erzählen können, die sich schlussendlich sputen müssen, um noch den letzten Zug nach Hause zu erwischen.
Basic Infos:


Mast Weinbistro
Porzellangasse 53
1090 Wien
Tel. 01/922 66 79

Küche
Mi–Fr 12–14 und
18–22 Uhr.
Sa, So 18–22,
HS € 12–19
www.mast.wine

Tipp: Am besten lässt man sich die zu den jeweiligen Sepisen passenden Weine von Steve oder Matthias glasweise bringen.

 


Was auf den ersten Blick wie ein einfaches Bistro wirkt, bietet neben feinstem und rarem Wein auch große Küche: Ente mit Salzsellerie, knackig eingelegter Zwiebel und Feigen, eine grandiose ­Kombination aus Pikanz und Säure.




SEVERIN CORTI
Restaurantkritiker

Severin Corti ist der profilierteste Restaurantkritiker des Landes.
Hier empfiehlt er Wirtshäuser
in Bahnhofsnähe, die eine
Reise wert sind.

 


Credits: © Fotos: Gerhard Wasserbauer; Illustration: Blagovesta Bakardjieva, carolineseidler.com