WINTER ENTDECKEN

Winter WUNDER Land


AUS DEM RAILAXED MAGAZIN WINTER 2018
Text — Janina Lebiszczak

Ob Ballonfestival, Zirkus oder Bauernhochzeit: In Südtirol und Österreich kann man im Winter mehr entdecken als nur Weihnachtliches.

 

Ja, wir tun es wirklich: Wir ignorieren jetzt einfach mal die Tatsache, dass Österreichs liebstes Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ 2018 seinen 200. Geburtstag feiert. Und sich das Land zu diesem Anlass herausputzt wie ein funkelnder Christbaum, um Melodie und Text (Ersteres stammt vom oberösterreichischen Lehrer Franz Xaver Gruber, Zweiteres vom Salzburger Pfarrer Joseph Mohr) zu huldigen – immerhin sind sie sogar immaterielles Kulturerbe der UNESCO. Trotzdem: Nicht jede und jeder hat den ganzen lieben langen Winter Lust auf Heiligabend-Stimmung. Ganz ohne Grinch-Gefühle, aber da gibt’s noch mehr. Deshalb haben wir uns im schönen Südtirol und in unserer winterlichen Heimat umgesehen, was sonst so auf dem Programm steht. Eines sei vorab verraten: Ganz kommen wir nicht herum um Glühwein und Kekse, aber – Hand aufs Herz: Wer will das schon?

Hochzeit einmal anders

Südtirol muss man ein wenig flexibel sein. Hier, gerade in den Metropolen, weiß man nie, ob man gerade einen deutsch- oder italienischsprachigen Weihnachtsmann vor sich hat, selbst die Einheimischen nicht. Aber genau das – die Zweisprachigkeit und das Aufeinandertreffen der beiden Kulturen – macht den Charme aus: Dolce vita trifft alpine Schönheit.
Unter Bauern


Reisetrend „slow winter“: Ein Winterurlaub auf einem Bauernhof in Südtirol ist ein wahrer Geheimtipp. Unter der Dachmarke „Roter Hahn“ präsentiert der Südtiroler Bauernbund über 1.600 Landwirtinnen und Landwirte, die Gäste beherbergen. ­Manche davon direkt an der Piste.
roterhahn.it

 




Hoch hinaus: Beim „Dolomiti Balloonfestival“ in Toblach färbt sich der Winterhimmel bunt. Eröffnet wird mit Musik und Feuerwerk.



Im Ländle ist was los: Beim „Montafoner Winterzauber“ genießt man neben Punsch und Keksen auch Gedichte, Geschichten und Gospelmusik.

 

Flexibel ist man auch beim Feiern und pendelt ohne Mühen zwischen den beiden Polen Tradition und Moderne. In und um die Ortschaft Kastelruth am Fuße der Seiser Alm etwa wird Hochzeitsstimmung von anno dazumal verbreitet: Zwischen traditionell gewandeten Brautleuten und prächtig geschmückten Pferdekutschen fühlt man sich in Urgroßmutters Zeiten zurückversetzt. Nach der Schlittenfahrt, die im kommenden Jahr am 20.1.2019 in St. Valentin startet, kann man sich in den Gaststätten der Region durch deftige Schmankerl kosten: Teigfleckerl mit Wildragout, Hoazetkuchl, Hochzeitstopf, Kirchtagskrapfen und Graukäse mit Zwiebeln, alles nach Rezepten aus den Anfängen des 20. Jahrhundert gezaubert. Und keine Sorge, dieses kulinarische Highlight ist nicht nur auf einen Tag beschränkt, hochzeitlich geschmaust wird in Südtirol schon ab 12.1.2019.

Über den Wolken

Noch davor, wahrscheinlich wegen der Extrakilos, die so eine Kastelruther Bauernhochzeit auf die Hüften ihrer Gäste zaubert, geht es in Toblach im Hochpustertal (Nomen est omen) hoch hinaus: Vom 6. bis 14.1.2019 kann man die beeindruckende Natur aus einer neuen Perspektive entdecken: Nicht nur stellen bekannte Ballonprofis aus der ganzen Welt beim „Dolomiti Balloonfestival“ ihre Flugkünste vor – auch wir können uns im kuscheligen Korb in die Lüfte heben lassen. Wer lieber die Erde unter den Füßen spürt: Der Anblick ist auch von unten ein Genuss und das nächtliche Ballonglühen samt Feuerwerk mit musikalischer Untermalung ein echtes Highlight.

Mörderisch gut


Kufstein kann auch anders: Beim „Krimi-Dinner“ werden die Gäste kulinarisch von Top-Köchen beim Gastro-Theater verwöhnt. Auch die Location ist einmalig: Die Festung Kufstein zählt zu den bedeutendsten historischen Denkmälern Tirols!
gastrotheater.at

 

 

Verzaubern lassen

Zurück in Österreich wird es erst mal – Überraschung! – weihnachtlich. Ist ja auch noch die Zeit dafür: Von 23.12.2018 bis 4.1.2019 lockt der Montafoner Winterzauber ins Ländle. Der „Silbriga Sonntig Markt“ rund um den Kirchplatz von Schruns ist einer der schönsten und größten Weihnachtsmärkte in Vorarlberg, doch auch abseits von Kunst und Kitsch lockt im ganzen Tal ein tolles Rahmenprogramm, darunter hochkarätige Konzerte, beispielweise mit den Original Harlem Gospel Singers am 3.1.2019 und Lesungen des Literaturvereins „Klopfzeichen“. Aber wir können auch anders! Das „Salzburger Winterfest“ klingt nur weihnachtlich, dahinter steckt ein faszinierendes Potpourri aus Akrobatik, Poesie und Drama: Das renommierte „Festival für zeitgenössischen Circus“ lockt von Anfang Dezember 2018 bis 6.1.2019 Groß und Klein in die Zeltstadt im Volksgarten, die Bandbreite der Darbietungen reicht von bildender Kunst über darstellende Kunst mit Tanz, Musik, Schauspiel, Akrobatik oder Puppentheater. Die Philosophie hinter dem Winterfest? Den Menschen in der hektischen Weihnachtszeit Muße für einen Abend unter Freundinnen und Freunden zu schenken, um gemeinsam Magie zu erleben, zu lachen und zu staunen. Auch kulinarisch wird viel geboten, für die Zubereitung aller Speisen werden ausschließlich Produkte aus biologischer Landwirtschaft verwendet, vorwiegend regionale und – soweit es möglich ist – auch saisonale.
Nur eine kurze Zugstrecke entfernt kommen Musikliebhaberinnen und -liebhaber auf ihre Kosten. In Saalfelden kann man von 18. bis 20.1.2019 großartigen Jazzklängen von nationalen und internationalen Koryphäen lauschen. „3 Tage Jazz“ – unter diesem Namen fand 1978 das erste Festival statt, beschaulich mit zwölf Konzerten an drei Tagen, heute freut man sich über 40 Konzerte an vier Tagen und Nächten. Experimentelle Klänge inmitten einer gewaltigen Berglandschaft, zeitgenössische Töne auf urigen Almen – im steinernen Meer treffen die Kulturen aufeinander und bereichern sich.


Manege frei! Das Winterfest im Salzburger Volksgarten ist das größte Festival für Circuskunst im deutschsprachigen Raum.

 


 





„Die Zirkuskunst ist die höchste aller Künste. Die Kraft ihrer Möglichkeiten ist geradezu grenzenlos.“

Honoré de Balzac



All that Jazz: In Saalfelden wird beim „3 Tage Jazz“-Festival musiziert. Allerdings vier Tage lang.

 

Strahlende Schönheit

Magie verbreitet sich auch in Kufstein, wenn auch aus einer anderen Quelle. Beim traditionellen „Fest der 1000 Lichter“ am 5.1.2019 sorgen Fackeln, Kerzen und Laternen für die Beleuchtung in Kufstein, das elektrische Licht wird bei Dämmerung abgeschaltet, und dann geht’s los: Magische Lichtgestalten laden zum Staunen und Rätseln ein, während sie auf Stelzen durch die Menschenmenge wandern. Atmosphärisch, geheimnisvoll, mystisch – ein wirklich wunderbarer Anblick. Im Kufsteiner Rathaussaal unter dem Gewölbe erzählt der „Bergflunkerer“ großen und kleinen Kindern Geschichten rund um das Licht, und wer will, kann den Nachtwächtern auf ihrer Tour durch die Altstadt folgen. Und damit alle Sinne jubeln können, fehlen musikalische Darbietungen und kulinarische Köstlichkeiten wie Zillertaler Krapfen und Kiachl nicht.
Nun sind wir am Ende unserer Reise durch Südtirol und Österreich angekommen – und hoffen, allerlei Inspirationen für jeden Geschmack zusammengetragen zu haben. Das Christkind möge uns verzeihen, dass sie nicht nur weihnachtlich ausfallen. Aber gegen bunte Ballons, Jazz, Zirkus und magische Lichter wird es sich sicher nicht wehren.
Anreise


Stündlich geht es mit dem Railjet von Wien nach Salzburg ab 2h22 min. Von dort geht es weiter mit dem Regionalexpress bzw. der S-Bahn nach Saalfelden. An Wochenenden im Winter gibt es direkte Railjet-Verbindungen von Wien nach Saalfelden.

Der ÖBB Railjet verbindet die Bundeshauptstadt Wien alle 2 Stunden über Linz und Salzburg mit Kufstein. Die Reisezeit beträgt ab 3h 37min.

 


Es werde Licht: Fackeln, Kerzen und Laternen in der Festungsstadt. Kufstein erstrahlt beim „Fest der 1000 Lichter“ in hellem Glanz.

 


Credits: © Fotos: IDM Südtirol / Laurin Moser; Dolmiti Balloonfestival / Oberhofer; Montafoner Winterzauber / Patrick Säly; Montafoner Winterzauber / Michael Nussbaumer; Machine de Cirque / Loup William Théberge; 3 Tage Jazz Festival / Michael Geißler; Fest der 1000 Lichter Kufstein / Hubert Berger;
 
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